Darum gehts
- Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Nicolas Féraud wegen fahrlässiger Tötung und Pflichtverletzung
- 41 Tote und über 100 Verletzte durch mangelnde Sicherheitskontrollen in Crans-Montana
- Féraud seit 9 Jahren im Amt, ignorierte wiederholt Warnungen seiner Sicherheitsverantwortlichen
Nicolas Féraud, Gemeindepräsident von Crans-Montana VS, könnte mitschuldig am Tod von 41 Menschen sein. Zu diesem Schluss kommt die Walliser Staatsanwaltschaft. Sie eröffnet eine Strafuntersuchung gegen den FDP-Politiker – wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung, Brandstiftung und Pflichtverletzung.
Gut möglich, dass Féraud eines Tages neben Barbetreiber Moretti auf der Anklagebank sitzt.
Und Féraud? Er sitzt noch immer im Gemeindehaus.
Dabei musste er schon Anfang Januar einräumen: Die Gemeinde hatte die Inferno-Bar jahrelang nicht mehr kontrolliert. An derselben Pressekonferenz sagte er auch den skandalösen Satz, seine Gemeinde sei als Geschädigte am meisten betroffen, vor allen anderen.
«Man verlässt ein Schiff nicht mitten im Sturm, man übernimmt die Verantwortung», sagte Féraud damals.
Inzwischen zeigt sich: Verantwortung gehört nicht zu den Stärken dieses selbsternannten Kapitäns. Wer Verantwortung übernimmt, handelt rechtzeitig. Zwei Sicherheitsverantwortliche der Gemeinde erklärten bei ihren Befragungen, sie hätten die Gemeindespitze wiederholt gewarnt: zu wenig Ressourcen, zu viele ausstehende Brandkontrollen, ein wachsender Rückstau. Die Risiken waren bekannt.
Und Féraud? Duckte sich weg. Er tat nichts.
Der Gemeindepräsident inszeniert sich als Kapitän im Sturm. Doch ein Kapitän sorgt zuerst dafür, dass sein Schiff seetüchtig ist. Wer Warnungen ignoriert und Kontrollen schleifen lässt, darf sich nicht wundern, wenn es am Ende zur Katastrophe kommt.
Nach neun Jahren im Amt wirkt Féraud nicht wie ein Krisenmanager, sondern wie ein Dorfkönig, der seinen Thron verteidigt.
Doch hier darf es nicht um Eitelkeit oder Karriere gehen. 41 Menschen sind verbrannt oder erstickt. Über hundert wurden schwer verletzt.
Féraud hätte längst die politischen Konsequenzen ziehen müssen – auch zum Schutz seiner Gemeinde. Spätestens seit die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt, bleibt nur noch eins: Er muss seinen Posten räumen.