Darum gehts
- Basel erreicht am Samstag 39 Grad, Schweiz leidet unter extremer Hitze
- Auf dem Allalinhorn (4027 m ü. M.) herrschen immer noch 8 Grad
- Nullgradgrenze liegt am Samstag auf extremen 4600 Metern Höhe
Was für eine Affenhitze: Autobahnen gehen kaputt, Schneekanonen müssen Festivalbesucher kühlen, 39 Grad werden in Basel erreicht. Die Schweiz schwitzt.
Zeit, sich auf die Suche nach einem kühlen Ort zu machen. Also ab in die Berge. Hier muss es doch erträglich sein. Und wer nur hoch genug klettert, der findet vielleicht sogar die Null-Grad-Grenze.
Das denkt sich am Samstag auch Blick-Reporter Martin Meul und macht sich auf in die Walliser Berge. Sein Ziel: das Allalinhorn bei Saas-Fee VS. Dort oben, auf 4027 m ü. M., muss der Winter doch noch das Sagen haben. Das ist zumindest die Idee.
Schon morgens im T-Shirt
Also geht es um 7 Uhr von Saas-Fee aus los Richtung Berg. Die Seilbahn und die weltbekannte Metro Alpin, die Standseilbahn im Berg, bringen den Blick-Reporter auf 3500 Meter über Meer zur Station Mittelallalin. Im Tunnel kommt dabei doch tatsächlich ein leichtes Frösteln auf, doch eine Jacke braucht es nicht.
Oben auf dem Mittelallalin ist es mit den kühlen Temperaturen dann aber auch schon wieder vorbei. Trotz der Höhe und der frühen Stunde lässt es sich locker im T-Shirt aushalten. Kälte? Fehlanzeige.
Der mitgebrachte Temperatur-Pingu zeigt über 8 Grad an!
Vielleicht ist es oben kühler?
Also geht es für den Reporter und seine Seilpartnerin Gabriela Rusterholz (47) weiter nach oben. Doch die Schneequalität lässt schon am Morgen Böses erahnen. Ob es hier während der Nacht gefroren hat? Fraglich.
Wenigstens lässt die Schneelandschaft im Geiste etwas Winterstimmung aufkommen. Über die weissen Hänge geht es Richtung Feejoch (3807 m). Die Aussicht auf die Berge, inklusive Matterhorn ist spektakulär. Temperaturmässig wartet jedoch eine Enttäuschung. Der Pingu zeigt 15,5 Grad an. Und das hier oben. Die Hoffnung auf ein bisschen Gefrierpunkt-Feeling schwindet immer mehr. Sie war wohl nie wirklich real.
Viel zu warm, einfach traurig
Kurz vor dem Gipfel weichen die Schneefelder einem Hang aus Geröll. Obwohl bis zur 4000-Meter-Grenze nur noch ein paar Meter fehlen, ist der Boden matschig. Teilweise fliesst sogar Wasser den Berg hinunter. Schweiss fliesst.
Dann ist es geschafft, der Gipfel des Allalinhorns erreicht. Doch selbst auf über 4000 Meter ist es heiss, das ist traurig. Man kann fast fühlen, wie der Berg leidet.
Der Pingu bestätigt den Eindruck: 8 Grad auf 4027 m ü. M. Verrückt! Gefühlt ist es aber noch viel wärmer. Wer an diesem Samstag nach der Null-Grad-Grenze sucht, der muss deutlich höher hinauf. Höher als es in der Schweiz zu Fuss kaum möglich ist.
Die Dufourspitze ist mit 4634 m ü. M. der höchste Berg des Landes, doch selbst hier wird es knapp. Die Null-Grad-Grenze liegt am Samstag auf 4600 Meter.
Versunken im weichen Schnee
Eine Gruppe Schweizer Bergsteigerinnen und ihre Bergführer machen ebenfalls Pause auf dem Gipfel. «Die Wärme hier oben ist einfach schade», sagen sie zum Blick-Reporter. Wer die Berge liebt, der leidet mit – in dieser Gluthitze.
Für den Blick-Reporter geht es wieder in Richtung Tal, zurück in den Backofen namens Schweiz. Die Schneefelder sind noch weicher als am Morgen. Und schon ist es passiert: Ein falscher Tritt und der Reporter ist bis zur Hüfte im Schnee versunken.
Passiert ist glücklicherweise nichts. Von den Gletschern kann man das nicht behaupten. Denen steht das Wasser schon jetzt bis zum Hals, wie Gletscherforscher Matthias Huss, Leiter des Schweizer Gletschermessnetzes GLAMOS, gegenüber Blick erklärte.
Kommende Woche soll es zwar wieder kühler werden, doch eines darf nicht vergessen werden: Es ist erst Juni, der Sommer hat gerade erst begonnen.