Waldbrand oberhalb von Bitsch VS: Am Montag, kurz vor 17 Uhr, ist im Wald ein Feuer ausgebrochen. Bilder zeigen, wie gewaltige Rauchwolken über die Region ziehen. Das Feuer brach in der Nähe des Massawegs aus. Auch sechs Tage nach Ausbruch des Feuers sind die Einsatzkräfte noch vor Ort und immer noch mit den Löscharbeiten beschäftigt.
Zur Löschung des Feuers waren in der Nacht zwei Helis der Air Zermatt und der Air-Glaciers im Einsatz. Zur Unterstützung kommt auch ein Super Puma der Schweizer Armee, ab Dienstag sollen weitere Helikopter der Typen Super Puma sowie K-Max für die Löscharbeiten zur Verfügung stehen, schreibt Air Zermatt in einer Mitteilung. «Es hat höchste Priorität, dass sich das Feuer nicht mehr weiter in Richtung Riederalp ausbreiten wird», heisst es darin. Gemäss Polizei sind aktuell rund 200 Einsatzkräfte vor Ort.
Um 22 Uhr äusserte sich Einsatzleiter Mario Schaller (56) zu den Schwierigkeiten bei der Brandbekämpfung. «Waldbrände breiten sich explosionsartig aus. Durch das steile Gelände ist es wirklich schwierig, das Feuer unter Kontrolle zu bringen», sagt er zu Blick. «Deshalb müssen wir auf Helikopter setzen. Ab einer gewissen Grösse wird es immer schwieriger, Herr der Lage zu werden.» Es sei eine grosse Fläche betroffen. Die Helis würden die ganze Nacht unterwegs sein.
«Sobald es hell wird, werden wir verstärkt ins Gebiet fliegen», sagt Schaller. Zudem würde ab Dienstag versucht, mit Fäll-Arbeiten von Bäumen das Feuer einzudämmen. Wie gross die betroffene Fläche ist, sei noch unklar. Bis das Feuer unter Kontrolle sei, dauere es noch lange. «Das wird Tage dauern, bis wir das Feuer unter Kontrolle haben. Danach werden wir noch Wochen mit Wurzel- und Stockbränden zu tun haben.» Schaller prognostiziert: «Das Feuer wird uns noch bis im Herbst beschäftigen!»
Anwohner werden evakuiert – Hotline eingerichtet
Wegen des Windes ist das Feuer weiter Richtung Riederhorn gezogen. Deswegen wird nun die gesamte Bevölkerung des Dorfs Ried-Mörel evakuiert, sagt die Polizeisprecherin um 20.30 Uhr. Dort leben rund 200 Menschen. Zuvor seien bereits Häuser beim Weiler Oberried evakuiert worden. Bei Fragen kann sich die Bevöl0kerung von Ried-Mörel, Oberried und Riederalp an eine eigens eingerichtete Hotline unter 0848 112 117 wenden.
Um 22 Uhr informierte die Polizei erneut: Nun werden weitere Anwohnerinnen und Anwohner aus Siedlungen in Bitsch evakuiert. Grund dafür sei die durch den Waldbrand gestiegene Steinschlaggefahr. «Ob noch weitere Siedlungen evakuiert werden müssen, hängt stark von der Windentwicklung ab», sagt Einsatzleiter Mario Schaller gegenüber Blick.
Unter den vielen Anwohnerinnen und Anwohnern, die mit Schrecken den Waldbrand beobachten, befindet sich auch Edgar Kuonen (56), Gemeindepräsident von Bitsch. Zu Blick sagt er: «Der Anblick tut furchtbar weh.» Er hoffe, dass niemand verletzt worden sei und die Flammen nicht auf das nahegelegene Maiensäss bei Oberried übergriffen. «Der Wind ist ein Problem. Immer wenn er dreht, weiss man nicht, was als nächstes passiert.» Für die Anwohner bestehe derzeit eine «Angst um Hab und Gut.»
Kuonen sagt: «Das ist ein Schutzwald und wenn der zerstört wird, dann hat das Folgen. Wie schützen wir uns in Zukunft? Das macht uns unglaublich betroffen.» Er sagt: «Wenn die Wälder in Mitleidenschaft gezogen werden, heisst das, dass die Erosion grösser werden kann. Dementsprechend kann die Gefahr von Felsstürzen steigen.» Ausserdem habe man Angst um die Häuser und Menschen des Dorfes, man hoffe, dass es niemanden treffe. Das Feuer werde nicht bald gelöscht sein. «Das wird ein längerer Einsatz.» Darauf müsse man sich nun einstellen.
Mit der Rauchentwicklung sei es derzeit schwer zu beurteilen, wie gross die Schäden sind. «Aber wir haben zum Teil schon sehr hohe Flammen gesehen.»
Eine Familie kämpft gegen das Feuer
Anwohnerin Rita Franzen (52) beobachtet das Feuer mit besonderer Nervosität: Ihr Mann und ihre drei Söhne sind bei der Feuerwehr. So hat sie den Brand mitbekommen, als ihr Sohn mobilisiert wurde. «Es hat gepiepst, und schon war er weg», sagt Franzen zu Blick.
Aktuell sind der Ehemann und die drei Söhne im Einsatz. «Man macht sich immer Gedanken um die Gefahren in solchen Momenten.» Während des Einsatzes hat sich aber ein Sohn schon mal gemeldet: Es gehe bislang allen gut, und keiner sei verunfallt. «Ich bin immer froh, wenn ich ein Zeichen bekomme.»
Hohe Waldbrandgefahr wegen Trockenheit
Im Kanton Wallis herrscht wegen der Trockenheit akute Waldbrandgefahr. Für Bagnes, Fully und Montana zum Beispiel gilt sogar Warnstufe 4.
Das bedeutet, dass für die Gebiete grosse Waldbrandgefahr besteht. Darum gilt auch ein Feuerverbot im Freien. Sollte dennoch ein Brand ausbrechen, seien diese schwer und aufwendig zu löschen, schreibt der Bund zu Gefahrenstufe 4.