Darum gehts
- Der beliebte Rosswaldpark im Wallis droht wegen Grundstücksstreit zu verschwinden
- Grundstücksbesitzerin kündigte Mietvertrag, 1100 Unterschriften für Petition zur Rettung
- Angebot der Gemeinde: 200'000 CHF, doch Fronten bleiben verhärtet
Rutschbahn, Schaukel und Badesee: Der Rosswaldpark ist ein Paradies für Kinder. Doch das Idyll auf der Walliser Ferienalp über Termen ist in Gefahr. «Hier treffen sich jeden Tag Kinder und Erwachsene, um zusammen Zeit zu verbringen, die Bergwelt zu geniessen», sagt Sebastian Hug (42) zu Blick. Er besitzt hier oben ein Chalet, seine Kinder sind fast täglich im Park.
Es ist ein Samstagmittag im August. Dutzende Kinder tollen ausgelassen herum. Doch ein handfester Grundstücks-Zoff bedroht den Park. Mehrere Kinder haben bereits ein Transparent gemalt: «Rettet den Rosswaldpark», ist darauf zu lesen. Die Zeit drängt. Schon bald könnte der Spielplatz Geschichte sein.
Der Treffpunkt auf dem Rosswald
Die Gemeinde Termen mietet das Land für den Spielplatz von Liliane P. (66), der Besitzerin des Grundstücks. Diese hat den Mietvertrag auf Ende Jahr gekündigt. Dann muss der Rosswaldpark weg.
Das Aus für den Spielplatz sorgt bei Eltern und Kindern für grosse Emotionen. «Mir kommen die Tränen, hier habe schon ich als Kind gespielt», sagt Mutter Martina Gitz (38). Der Park sei ein sozialer Treffpunkt für Jung und Alt. Gitz sagt: «Es ist immer jemand hier. Eine soziale Institution, die es sonst kaum noch irgendwo gibt.»
Im Winter ist der Park sogar fast noch wichtiger. Dann lernen hier die Kleinsten im Kinderland der Skischule das Skifahren. «Der Park ist nicht nur für die Einheimischen, sondern auch für den Tourismus auf dem Rosswald von zentraler Bedeutung», sagt Sebastian Hug. Martina Gitz ergänzt: «Es ist kaum vorstellbar, dass etwas, das 40 Jahre Bestand hatte, plötzlich verschwinden soll.»
Die Eltern haben deshalb eine Petition gestartet. Über 1100 Personen haben bereits unterschrieben, um den Rosswaldpark zu retten. «Es geht darum, zu zeigen, wie wichtig dieser Ort allen hier oben ist», sagt Sebastian Hug.
«Vertrag wurde gebrochen»
Das Problem: Kinder und Eltern sind in diesem Kampf nur Zuschauer. Ausgetragen wird der Streit zwischen der Grundstücksbesitzerin und der Gemeinde Termen.
Die Gemeinde muss wegen der Revision der Raumplanung Bauland zurückzonen, so wie es viele Gemeinden nach Bundesrecht tun müssen. Betroffen sind mehrere Grundstücke von P. – darunter jenes mit dem Rosswaldpark. Es soll künftig nur noch mit öffentlichen Bauten bebaut werden können, nicht mehr mit privaten Liegenschaften.
Liliane P. selbst schweigt. Dafür spricht in ihrem Auftrag Daniel W.*, eine enge Vertrauensperson, mit Blick. «Der Hintergrund der Kündigung ist recht einfach: Die Gemeinde hat Liliane P. vertraglich zugesichert, dass das Grundstück auf dem Rosswald nicht zurückgezont wird. Diesen Vertrag hat die Gemeinde gebrochen», sagt er.
Zudem wolle die Gemeinde ein Baugrundstück von Liliane P. mitten im Dorfzentrum von Termen der Zone für öffentliche Bauten zuweisen, um es danach selbst zu nutzen. «Das geht ganz einfach nicht. Schliesslich sind wir ein Rechtsstaat», sagt W.
Gemeindepräsident Achim Gsponer bestätigt gegenüber Blick, dass ein solcher Vertrag mit P. existiert. «Allerdings haben sich in den vielen Jahren seit der Unterzeichnung die Rahmenbedingungen geändert.» Gsponer verweist auf die neue Raumplanung und die Zweitwohnungsinitiative. Beide hätten den Druck auf die Gemeinde erhöht, ihr Bauland zu reduzieren. Dies sei bei der Unterzeichnung nicht vorhersehbar gewesen.
«Es bricht ihr das Herz»
Diese Argumentation lassen Liliane P. und Daniel W. nicht gelten. «Jeder Mietvertrag ist kündbar. Es war für Liliane P. nicht einfach, dass es die Kinder, die Eltern und den Spielplatz trifft. Aber sie hat schlicht kein anderes Mittel, um sich gegen die Gemeinde zu wehren», sagt W. Er betont, dass ihr Vater den Spielplatz einst ins Leben gerufen hat. «Sie hätte den ganzen Ärger wirklich gerne vermieden, aber ihr bleibt nichts anderes übrig», sagt W. weiter. Liliane P. sei weiterhin bereit, mit der Gemeinde Termen eine Lösung zu suchen.
Bisherige Einigungsversuche sind jedoch gescheitert. Gemäss dem «Walliser Boten» hat die Gemeinde der Landbesitzerin etwas über 200'000 Franken für das Grundstück auf dem Rosswald und dasjenige im Dorfzentrum von Termen geboten. «Dieses Angebot lag jedoch deutlich unter dem aktuellen Marktwert der Grundstücke», erklärt Daniel W. Ausserdem wolle Liliane P., dass die Parzelle auf dem Rosswald in der Wohnzone bleibe – wie vertraglich abgemacht.
«Wir können uns nicht erpressen lassen», sagt derweil Gemeindepräsident Gsponer. Die Fronten sind verhärtet, der Rosswaldpark ist, Stand jetzt, per Ende Jahr Geschichte.
Die Leidtragenden des irren Streits sind die Kinder. «Es ist einfach nur traurig, dass so etwas auf ihrem Rücken ausgetragen wird», sagt Martina Gitz.
* Name geändert
** Name bekannt