«Sein Sohn war alles für ihn»
Philippe T* (†54) soll eigenes Kind (†14) in Saint-Légier VD erschossen haben – Freund ist ratlos

Neue Erkenntnisse über die beiden Toten, die am Mittwoch in Saint-Légier VD gefunden wurden: Aller Wahrscheinlichkeit nach hat der Vater erst seinen Sohn und anschliessend sich selbst getötet. Nachbarn und Kollegen stehen weiterhin unter Schock.
Publiziert: 21:35 Uhr
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Aktualisiert: 22:20 Uhr
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Laut den laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft «deutet alles darauf hin», dass Philippe T.* seinen Sohn getötet hat, bevor er sich selbst das Leben nahm.
Foto: Facebook

Darum gehts

  • Vater erschoss Sohn und sich selbst in Saint-Légier-La Chiésaz VD
  • Nestlé-Chefkoch Philippe T. hatte keine Vorstrafen und gutes Verhältnis zum Sohn
  • Sohn lebte in Frankreich und besuchte den Vater, der seit 2015 in der Schweiz wohnte
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Léo Michoud

Erst erschoss er seinen Sohn, bevor er die Waffe gegen sich selbst richtete. Diese These verfolgen die Ermittler mittlerweile im Fall der beiden Toten in Saint-Légier-La Chiésaz VD. Am Mittwoch hatten Schreie die Ruhe im Villenviertel des Ortes erschüttert. Eine Frau hatte in ihrem Haus die Leichen ihres Ehepartners (†54) und dessen Sohn, eines Teenagers (†14), entdeckt, die beide durch Schüsse getötet worden waren.

Die Polizei schloss eine Fremdeinwirkung schnell aus. Der Tathergang blieb jedoch weitestgehend unklar. Bis jetzt.

Die Waadtländer Staatsanwaltschaft bringt auf Anfrage von Blick Licht ins Dunkle. «Nach den ersten Erkenntnissen der Ermittlungen deutet alles darauf hin, dass es der Vater war, der seinen Sohn vor seinem Selbstmord getötet hat», sagt Vincent Derouand, Sprecher der Justizbehörde.

Koch war nicht vorbestraft

Das Motiv für die Tat ist weiterhin unklar. Die Polizei führte eine Untersuchung in der Nachbarschaft durch, holte aber auch «Auskünfte beim Arbeitgeber» des Mannes ein. Philippe T.* arbeitete für Nestlé in Vevey VD.

Seit seinem Einstieg bei dem Weltkonzern im Jahr 2016 hatte sich T. zum Chefkoch mit internationalen Führungs- und Repräsentationsaufgaben hochgearbeitet. Er war auch Mitglied der «Toques Françaises», einem Verein für Gastronomen französischer Küche.

Der gebürtige Franzose, der seit 2015 in der Schweiz lebte und seit 2016 bei Nestlé beschäftigt war, hatte keine Vorstrafen. Sein Sohn lebte allerdings in Frankreich und war in den Ferien zu Besuch bei seinem Vater. Auf der anderen Seite der Grenze wurden die Angehörigen über das tragische Ereignis informiert. Und zwar «über die französische Polizei, bevor die Pressemitteilung herausgegeben wurde», informiert der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Nestlé meldet sich zu Wort

In den benachbarten Villen wollte man am Freitag nicht mit Blick sprechen. Die einzigen Einheimischen, die sich zu einem Gespräch bereit erklärten, kannten Philippe T. und seine Partnerin, die erst seit zwei Jahren in der Gegend lebten, nicht wirklich.

Eine Nachbarin beschreibt den Mann gegenüber «Le Temps» als lächelnd und höflich. Blick besuchte am Freitag auch das Hauptquartier von Nestlé in Vevey und versuchte, mehr über den Toten zu erfahren.

«Er war in der Tat ein netter Kerl, der immer lächelte, wenn ich ihm in den Gängen begegnete», bestätigt ein Angestellter des Global Players – und wird dann von einem Mitglied des Sicherheitsdienstes unterbrochen, der Blick bat, das Gebäude zu verlassen. Gegenüber «Le Temps» erklärte eine Nestlé-Sprecherin, man sei «zutiefst erschüttert» und in Gedanken bei den Angehörigen.

«Sein Sohn war alles für ihn»

Wir konnten ferner mit einem langjährigen Freund des Kochs sprechen, der entsetzt war, als er die tragischen Neuigkeiten aus der Westschweiz erfuhr. «Ich kann nicht verstehen, was passiert ist. Sein Sohn war alles für ihn», sagte der ehemalige französische Kollege.

Er bestätigte, dass sein Freund von der Mutter seines Sohnes, die in Frankreich lebt, geschieden war. «Sein Sohn kam ein paar Mal im Jahr in die Schweiz.»

«Gutes Verhältnis» zur Ex-Frau

Der Kumpel beschreibt Philippe T. als «Lebemann, der das Leben liebte», einen «netten Menschen, der ein grosses Maul haben konnte» und der «Chef der Chefs» der Küchenabteilung von ganz Nestlé war. «Er kannte die besten Leute in der Branche und hatte eine echte professionelle Aura», erzählt der Franzose, der es noch immer nicht fassen kann.

«Ich sehe nicht, was diese unfassbare Tat verursacht haben könnte», wiederholt er immer wieder. Er betont, dass Vater und Sohn «sich super gut verstanden» und das Kind mit Geschenken und unvergesslichen Reisen überhäuft wurde. Seiner Meinung nach hatte Philippe sogar ein «gutes Verhältnis» zu seiner Ex-Frau. Die Ermittlungen zu den Gründen dauern an.

*Name geändert

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