Darum gehts
- Iranischstämmige WEF-Mitarbeiterin im Januar 2026 wegen Mordkomplotts gegen Trump verhaftet
- Anklagen haltlos, Bundesanwaltschaft stellte Verfahren nach vier Monaten ein
- Frau erhielt 3675 CHF Anwaltskosten, 200 CHF Entschädigung und 46’000 CHF
Eine iranischstämmige IT-Expertin des Weltwirtschaftsforums (WEF) wurde während des Davoser Forums im Januar verhaftet. In einem anonymen E-Mail an die US-Botschaft in Bern wurde sie eines angeblichen Mordkomplotts gegen US-Präsident Donald Trump (80), kurz vor dessen Ankunft, beschuldigt, wie der «Tagesanzeiger» berichtet.
Die Bundesanwaltschaft leitete daraufhin sofort Ermittlungen ein und nahm die Frau am 21. Januar fest. Dabei hielt sie sich nicht einmal in Davos auf, sondern arbeitete in Cologny bei Genf und besass darüber hinaus keine Akkreditierung für das Forum. Nach sechs Stunden Verhör und gründlicher Untersuchung fanden die Ermittler jedoch keine Hinweise auf eine Agententätigkeit. Die Frau hatte alle Anschuldigungen vehement bestritten und verwies auf ihre regimekritischen Social-Media-Beiträge zum Iran.
Bundesstaatsanwalt stellt Verfahren Monate später ein
Um dennoch kein Risiko einzugehen, liess die Bundesstaatsanwaltschaft die WEF-Mitarbeiterin nach der Befragung jedoch nicht frei. Erst als Trump wieder abgereist war, kam auch die festgenommene Frau frei. Einen Tag später erhielt sie vom WEF die Kündigung.
Nun zeigt sich: Die Vorwürfe gegen die WEF-Mitarbeiterin waren offenbar haltlos. Die Bundesanwaltschaft stellte das Verfahren vier Monate später ein, da die Vorwürfe unbegründet waren. Die Frau erhielt eine Teilerstattung ihrer Anwaltskosten in Höhe von 3675 Franken und eine Genugtuung von 200 Franken für die Haft, wie der «Tagesanzeiger» berichtet. Über die restlichen Entschädigungsforderungen der Frau entschied die Bundesanwaltschaft negativ. Ein Auflösungsvertrag mit dem WEF sicherte ihr vier Monatslöhne von rund 46’000 Franken.
Die Genfer Staatsanwaltschaft untersucht nun, wer hinter der falschen Beschuldigung steckt. Unklar ist bislang, ob jemand mit den Behauptungen Chaos am WEF stiften wollte oder sich die Falschbeschuldigung gezielt gegen die iranischstämmige Frau richtete. Das anonyme E-Mail wurde von einem kurz zuvor erstellten Schweizer Konto versendet.