Wahrscheinlichkeit für Märzwinter steigt
Polarwirbel bringt Bibber-Kälte zu uns

Der Polarwirbel in der Stratosphäre ist aktuell gestört. Anzeichen deuten daraufhin, dass sich das Windsystem abschwächen könnte. Je nach Entwicklung würden Kälteausbrüche bis nach Mitteleuropa drohen – sogar im März.
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Droht uns ein Märzwinter?
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Anzeichen in der Stratosphäre deuten auf eine Abschwächung des Polarwirbels hin
  • Zwei bis vier Wochen nach Schwächung droht mögliches Kältewetter in Mitteleuropa
  • Die Wahrscheinlichkeit für einen Märzwinter ist leicht gestiegen
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk

Während wir uns ab der nächsten Woche auf eher mildere Temperaturen einstellen können, scheint der Polarwirbel hoch über unseren Köpfen bereits ins Wanken zu geraten. Das könnte im späteren Februar- oder Märzverlauf für klirrende Kälte sorgen. Denn der Polarwirbel hält normalerweise die eisige Luft über der Arktis fest. Schwächelt er oder wird instabil, könnte die arktische Luft bis zu uns nach Mitteleuropa vordringen. 

In den letzten Wochen zeigte sich der stratosphärische Polarwirbel noch kräftig und gut ausgeprägt, sagt Meteorologe Klaus Marquardt von Meteo News zu Blick. Doch mittlerweile gibt es immer mehr Anzeichen, dass das Zentrum des Polarwirbels über Alaska und Kanada ins Wanken gerät. Je nach Wettermodell steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Polarwirbel mit Beginn des Februars aufteilt oder in der Zirkulation abschwächt. 

Die Wahrscheinlichkeit für Kaltluftausbrüche steigt

«Sollte sich der Polarwirbel abschwächen, würde die Wahrscheinlichkeit steigen, dass wir zwei, drei oder vier Wochen später die Kaltluft auch bei uns spüren könnten», erklärt Marquardt. Denn dann stiege die Wahrscheinlichkeit für blockierte Wetterlagen. Ähnlich wie jetzt würden Tiefdruckgebiete das Wetter bestimmen – jedoch quasi umgedreht. 

«Ein sehr starkes Hoch über Nordosteuropa und ein Tief über dem Mittelmeer könnten bei einem abschwächenden Polarwirbel zu einem Damoklesschwert für uns werden», so der Meteorologe. Denn aktuell wird die Schweiz durch eine Grenze über Mitteleuropa, auf der westlichen Seite gelegen, von den eisigen Temperaturen geschützt. Würde sich der Polarwirbel weiter abschwächen, desto mehr Kaltluftbereiche würden auftreten, die sich von Nordosten her bis nach Mitteleuropa und zu uns bewegen könnten. 

«An der Ostsee könnte es kälter werden als in Island»

Dies könnte zu einer ganz besonderen Wetterlage führen: «Im nördlichen Mitteleuropa, etwa an der Ostsee, könnte es dann sogar kälter werden als in Island», sagt Marquardt. Doch zwingend seien diese Kaltluftausbrüche bis nach Mitteleuropa nicht. Denn der Polarwirbel bestimme das Wetter nicht allein, betont der Meteorologe. Bereits kleine Verschiebungen im Jetstream könnten die kalte Luft in ganz andere Regionen bringen. «Der Polarwirbel ist nur einer von vielen Einflussfaktoren», hebt der Experte hervor. 

Je nachdem, wann sich der Polarwirbel abschwächen würde, könnten wir auch im Verlauf des Frühjahrs von einer Kältepeitsche getroffen werden. «Mit den Entwicklungen in der Stratosphäre ist die Wahrscheinlichkeit für einen Märzwinter etwas gestiegen», so der Experte. Ein solches Szenario sei jedoch nicht zwingend, betont Marquardt. «Im März löst sich der Polarwirbel so oder so auf. Wenn er es jedoch früher macht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Kaltluftbereiche zu uns kommen könnten.»

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