Darum gehts
- Vier Männer werden in Ecône zu Bischöfen geweiht – trotz Verbot
- Vatikan droht Exkommunikation für 600'000 Gläubige der Piusbruderschaft
- 16'000 Gläubige, viele junge Menschen, besuchten die Zeremonie im Wallis
Vier Männer liegen vor einem Altar auf dem Boden. Ein Geistlicher in reich besticktem Weihegewand segnet sie. Es ist der Moment, in dem sich in einem Weinberg im Walliser Weiler Ecône der endgültige Bruch mit dem Vatikan vollzieht.
Mit diesem Akt werden die vier Männer zu katholischen Bischöfen – darunter der Schweizer Pascal Schreiber (53). Da Papst Leo XIV. die Weihen verboten hat, ist die Zeremonie spalterisch. Oder auf katholisch: schismatisch.
Katholische Welt blickt ins Wallis
Alle Beteiligten – die vier Neubischöfe und die zwei weihenden Bischöfe – ziehen sich damit automatisch die Exkommunikation zu. In den kommenden Tagen könnte der Vatikan bekannt geben, dass auch alle weiteren Mitglieder der Gemeinschaft aus der Kirche ausgeschlossen werden. Davon wären weltweit bis zu 600'000 Gläubige betroffen.
Die katholische Welt blickt wegen dieses Schrittes seit Monaten angespannt ins Wallis. Der Vatikan hatte zuletzt intensiv versucht, die traditionalistische Piusbruderschaft von den Weihen abzuhalten, um eine Kirchenspaltung zu verhindern. Noch am Vortag veröffentlichte Rom einen eindringlichen Appell.
16'000 Menschen aus aller Welt sind ins Unterwallis gereist
Doch Piusbrüder hören nicht auf den Papst. Sie haben wenig Anlass dazu. Während der Kirche in Europa die Leute davonlaufen oder aus Altersgründen wegsterben, wachsen die Traditionalisten.
16'000 Menschen aus aller Welt sind ins Unterwallis gereist, um der Weihe – und der Abspaltung von Rom – beizuwohnen. Viele von ihnen sind auffallend jung. Sie lauschen andächtig einer dreistündigen Messe auf Latein.
Die Traditionalisten lehnen all das ab
Sie alle glauben, dass sich die katholische Kirche vor 60 Jahren auf einen fatalen Irrweg begeben hat. Damals, als sie sich mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil vorsichtig der Moderne zuwandte. Als sie die Religionsfreiheit anerkannte, Juden nicht mehr als Jesusmörder brandmarkte und akzeptierte, dass der Zeitgeist nicht nur schlecht ist, sondern die kirchliche Lehre bereichern kann.
Die Traditionalisten lehnen all das ab. Sie glauben an eine klare Welt mit klaren Hierarchien. In der es wie im Feudalzeitalter Stände gibt, in der Priester ganz oben und Frauen ganz unten stehen. Mit der katholischen Kirche, die zuletzt Frauen in die höchsten Ämter der Kurie des Vatikans berufen hat, können sie nichts mehr anfangen. Und die Kirche nichts mit ihnen. Schisma made in Switzerland!