Im Schatten des majestätischen Felsen, auf dem die Burg Hohen Rätien in Thusis GR thront, ist die Stimmung voller Trauer. Hier, direkt über dem Wildbach Nolla steht das Restaurant Beverin. Das Dach des Gebäudes ist komplett weg. Wie am Sonntag bekannt wurde, kamen an diesem malerischen Ort in der Viamala in der Nacht auf Freitag vier Menschen ums Leben. Sie starben in den Flammen eines Grossbrandes.
Die Polizei sprach zunächst von fünf Vermissten Personen. Zwei wurden am Samstag tot aufgefunden. Am Sonntag wurden zwei weitere Todesopfer in den Trümmern gefunden.
Riesige Trauer im Dorf
Wie die Polizei auf Anfrage von Blick erklärt, kam es zu Beginn zu einem Missverständnis in der Kommunikation. Eine Person wurde fälschlicherweise sowohl als vermisst als auch als verletzt aufgeführt. Dies weil sie zunächst nicht vollständig identifiziert werden konnte. Womit sich die ursprüngliche Aussage erklärt, dass es sich um fünf vermisste Personen gehandelt habe.
Am Sonntagnachmittag laufen die Abbruch- und Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Ein grosser Kran lädt die vorher von Arbeitern zersägten Schutt-Teile des demolierten Dachs vorsichtig in eine bereitgestellte Mulde. . Polizistinnen und Polizisten, Feuerwehrmänner und -frauen beantworten Fragen, weisen Schaulustige ab und zeigen Touristen die Umleitung nach Sils GR. Immer wieder kommen trauernde Menschen, sie halten den Blick gesenkt und winken ab, sobald man sie anspricht. Der Gemeindeammann Remi Crameri (52, die Mitte) hat im Gespräch mit Blick Mühe, die Tränen zurückzuhalten.
«Ein solches Ereignis ist eigentlich das Schlimmste, was einer Gemeinde passieren kann. Das hat uns extrem getroffen. Ich bin sehr niedergeschlagen und möchte allen Angehörigen mein Beileid aussprechen.» Er sei in der Brandnacht selbst aufgeboten worden. «Das war gegen 00.15 Uhr.» Die Gemeinde habe sofort versucht, erste Hilfe zu leisten, zusammen mit einem Care-Team. «Wir mussten Leute unterbringen und auch verpflegen – da hatte es natürlich tragische Schicksale darunter.» Die Gemeinde sei weiterhin in Kontakt mit den Angehörigen. «Die Trauer wird noch lange weitergehen.»
Insgesamt acht Verletzte
Pascal Vetsch, Mediensprecher der Kantonspolizei Graubünden, spricht von einer «sehr schwierigen Situation für die Angehörigen». Auch für die Einsatzkräfte sei es nicht einfach gewesen. «Vermisste Personen, das ist immer etwas Schlimmes und Tragisches.»
Insgesamt konnten 14 Menschen das Gebäude verlassen. Darunter befanden sich acht Verletzte, davon zwei schwer, zwei mittelschwer und vier leicht verletzt. Die Regierung des Kantons Graubünden ist zutiefst betroffen von den tragischen Ereignissen, die sich in der Nacht auf Freitag in Thusis ereignet haben, erklärt der Kanton in einer Mitteilung. «Den Familien, Freunden und allen Beteiligten wünscht sie viel Kraft in diesen dunklen Stunden.» Den verletzten Personen wünscht das Gremium rasche und vollständige Genesung.
Nähere Details zu Alter, Geschlecht oder Nationalität der Opfer gibt die Polizei keine. «Die Identifizierung der aufgefundenen Personen ist noch nicht abgeschlossen», schreibt die Polizei. Die Ermittlungen zur Brandursache gehen weiter. Vetsch: «Wir geben unser Bestes, um das Ganze polizeilich abzuschliessen.»