Darum gehts
- Zeitumstellung in der Schweiz führt zu mehr Spitalnotfällen am Sonntag
- Untersuchung: 6,5 Prozent mehr Notfälle nach Frühjahrszeitumstellung
- Herz-Kreislauf-Probleme steigen Stunden nach Zeitwechsel laut BFS an
Die Zeitumstellung kommende Nacht raubt uns Zeit. Eine Stunde weniger Schlaf, eine Stunde weniger Erholung. Auch für die Spitäler. An Wochenenden der Zeitumstellung müssen Schweizer Notfallstationen mehr Patientinnen und Patienten behandeln. 6,5 Prozent mehr melden sich am Tag nach der Umstellung auf die Sommerzeit im Notfall.
Eine Auswertung des Bundesamts für Statistik (BFS) vom letzten Herbst untersuchte anhand der Spitalzahlen den Einfluss der Zeitumstellung auf die biologische Uhr und wie stark sich das auf den Spitalbetrieb auswirkt. Das BFS analysierte Zahlen aus den Jahren 2011 bis 2023 und belegt signifikante Auswirkungen.
Einer der Gründe liegt im Körper. Der abrupte Zeitwechsel von einer Stunde tangiert den menschlichen Biorhythmus. Eine Stunde weniger Schlaf erscheint verkraftbar. Doch: Der zeitliche Wechsel bringt grosse Folgen mit sich, wie die BFS-Untersuchung zeigt.
Im Herbst nach hinten, im Frühling nach vorne
Am letzten Oktoberwochenende wird jährlich die Uhr auf die Winterzeit umgestellt – eine Stunde zurück. Dann nehmen die Notfalleintritte um 3,5 Prozent zu – etwas weniger als im Frühling. Was auffällt: Unter 65-Jährige trifft es häufiger als ältere Menschen.
Die Zunahmen im Frühling und Herbst seien zwar bemerkenswert, schrieb das BFS. Besondere Massnahmen müssten die Spitäler aber nicht ergreifen. Es zeigt jedoch, dass die Zeitumstellung einen Einfluss auf die innere biologische Uhr hat, argumentiert der Bund. Mit anderen Worten: auf die Gesundheit.
Der Zeitpunkt der Spitaleintritte verschiebt sich im Schnitt mit der Zeitumstellung. Wenn die Zeit – wie kommende Nacht –, um eine Stunde nach vorne gestellt wird, tauchen Patientinnen und Patienten im Verlauf des Sonntags auch später auf als üblich. Gegen Abend dafür etwas zahlreicher, so das BFS.
Und: Die Zeitumstellung «könne das Risiko für bestimmte gesundheitliche Probleme erhöhen», so das BFS. Eine Auffälligkeit seien die Hospitalisierung im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegproblemen. Sie seien Stunden nach der Zeitumstellung häufiger zu beobachten. Notfälle aufgrund von Verletzungen durch äussere Ursachen kämen hingegen weniger vor.
Diese Erkenntnis unterstreichen auch zahlreiche Studien aus dem Ausland. Wissenschaftler aus der Kölner Uni-Klink untersuchten zehn Studien aus Europa und Amerika. Ihre Bilanz: In der Woche nach der Zeitumstellung im Frühling ist das Herzinfarkt-Risiko höher als sonst. Im Herbst konnten die Forscher keinen signifikanten Anstieg beobachten.