Darum gehts
- Der 13-jährige Leo wurde am Flughafen stehen gelassen
- Sein Vater zahlte nach einem Gepäckstreit 240 Franken für ein neues Ticket
- Eurowings verweigerte die Stellungnahme zum Umgang mit dem Minderjährigem
Eigentlich ist es für Leo (13) Routine: Jedes zweite Wochenende fliegt der Sohn von Robert Klingl (56) von Zürich nach Düsseldorf zu seiner Mutter. Doch am Sonntag kommt es am Gate zum Riesenärger. Weil Leo ein paar Sachen mehr eingepackt hatte, scheiterte das Boarding am Handgepäck.
Sein Ticket erlaubte nur einen Rucksack, nicht aber ein Handgepäck. Ausserdem sei dieses einige Zentimeter zu gross gewesen. Den Aufpreis hätte er mit einer Kreditkarte bezahlen können.
«Mein Sohn wurde dann als zahlungsunfähig bezeichnet»
Bargeld habe Leo dabeigehabt. Aber eben keine Kreditkarte, so Robert Klingl. Der Zürcher zu Blick: «Mein Sohn ist 13. Natürlich hat er noch keine Kreditkarte.» Und weiter: «Mein Sohn wurde dann als zahlungsunfähig bezeichnet und von der Passagierliste gestrichen.»
Genau diese beiden Sachen stossen dem Vater sauer auf. Die Existenz von Gepäckregeln möchte er auf keinen Fall infrage stellen. «Fluggesellschaften haben das Recht, ihre Bedingungen durchzusetzen. Entscheidend ist jedoch die Frage, wie dies geschieht und insbesondere wie mit einem allein reisenden Minderjährigen umgegangen wird», sagt er.
Ticket am Schalter nicht verfügbar
Die Mitarbeiterin schickte den Teenager an den Schalter. Dort sollte er den Aufpreis bar zahlen und umbuchen. Doch am Schalter die Absage: Der nächste Flieger sei ausgebucht. Absurd: Online kann der Vater Sekunden später problemlos einen Platz für genau diesen Flug buchen. Kostenpunkt für das neue Billett: 240 Franken.
«Zum Glück ist mein Sohn ein selbstbewusster schlauer Kerl», sagt der Vater zu Blick. Jemand anderes hätte das Ganze vielleicht nicht so gut handhaben können. «Ich finde es einfach krass, dass nicht versucht wurde, eine pragmatische Lösung zu finden. Besonders bei einem Minderjährigen.»
Der Ton macht die Musik
Nachdem ihn sein Sohn vom Gate aus angerufen hatte, konnte Klingl auch kurz mit der Mitarbeiterin sprechen. Eine Hilfe war diese aber nicht. «Die Aussage der Frau, ‹sie würde bei ihren eigenen Kindern eben dafür sorgen, dass diese das richtige Ticket, das richtige Gepäck und die richtige Zahlungsmöglichkeit hätten›, finde ich sehr befremdlich», sagt er.
Ums Geld geht es ihm nicht. Wobei man bedenken müsse, dass vielleicht nicht alle Menschen in der Lage sind, sich einfach so noch mal ein Ticket für mehr als 200 Franken zu leisten. Klingl stellt klar: «Regeln sind wichtig. Sie entbinden jedoch niemanden von der Pflicht, mit Augenmass, Verantwortung und einem Mindestmass an Empathie zu handeln.»
«Er hatte genug Geld dabei»
Auf Anfrage von Blick schreibt eine Sprecherin von Eurowings: «Laut Aussagen des Supervisors in Zürich führte der Jugendliche lediglich 5 Euro an Bargeld mit sich und konnte den Gepäckzuschlag in der Höhe von 60 Euro am Gate nicht bezahlen.» Dies dementiert der Vater: «Er hatte genug Geld dabei. Ich hatte ihm ja welches gegeben.»
Weiter betont Eurowings-Sprecherin Anke Carola Walter: «Wir bedauern sehr, dass der Jugendliche den Flug nicht wie geplant antreten konnte. Offenbar kam es vor Ort in der Folge des für das Handgepäck falsch gewählten Tarifs zu Missverständnissen.» Man habe den Jugendlichen gebeten, sich an den Ticketschalter zu begeben.
Eurowings lenkt ein
Eine kostenfreie Umbuchung sei bereits vom Gate aus vereinbart worden. An dem Ticketschalter sei der Jugendliche allerdings nicht erschienen, heisst es. Auch hier widerspricht Klingl. Sein Sohn sei natürlich zum Schalter gegangen, behauptet er. Am Ende lenkt Eurowings aber ein. «Da der Vater eigenständig einen Ersatzflug gebucht hat, möchten wir anbieten, diesen komplett zu erstatten», so die Mediensprecherin Anke Carola Walter.
Für Klingl stellt sich aber weiter die Frage, ob denn jetzt eine Barzahlung möglich gewesen wäre. In einem Schreiben, das der Vater am Montag von der Airline erhalten hat, wurde dies noch verneint. Auch die Frage, warum Leo von der Passagierliste gestrichen wurde, bleibt nach wie vor offen.