Darum gehts
- Hunderte Fische im Sufnersee sterben nach Absenkung des Wasserspiegels
- Angler kritisiert Stromproduktion: «Grüne Energie tötet geschützte Fischarten»
- Betroffen: Bachforellen, Regenbogenforellen, Groppen – Behörden ermitteln Ursache
Für den ortskundigen Angler Mirco Nobili (44) ist der Anblick, der sich ihm am Donnerstagmorgen bot, nur schwer zu ertragen. Massenhaft liegen die Fische des Sufnersees leblos oder noch zappelnd am Seeufer. «Als ich kam, hörte ich ein leises Plätschern und sah die weissen Bäuche», sagt er traurig zu Blick.
Er und seine Freunde machten sich bereits am Mittwochabend Sorgen um den Wasserstand des Stausees der Gemeinden Sufers und Rheinwald GR. «Wir haben uns gefragt, ob unser Boot heute schon auf dem Trockenen liegen würde.» Über Nacht wurde der Stausee für die Stromproduktion der Kraftwerke Hinterrhein (KHR) weiter abgesenkt.
Der Stausee beherbergt streng geschützte Fischarten
Der Angler beobachtet die hungrigen Krähen, die über dem See kreisen: «In nur wenigen Stunden wird kein einziger Fischkadaver mehr übrig sein», sagt er gegen 8.30 Uhr am Donnerstagmorgen zu Blick. Auch das kantonale Amt für Jagd und Fischerei Graubünden und Vertreter der KHR seien bereits vor Ort, um die Lage des Stausees gemeinsam zu inspizieren.
Nobili ist empört: «Es ist ein Widerspruch, wenn für grüne Energie Tausende Kleinlebewesen und Fische sterben.» Den Tod der Fische führt er darauf zurück, dass sich das Wasser von den Uferzonen abrupt zurückgezogen hatte. Insbesondere die Jungfische hätten keine Chance gehabt, noch in die tieferen Bereiche zu schwimmen. «In dem See leben teils hoch geschützte Arten wie etwa die Bachschmerle oder die Groppe», so Nobili.
Die Gründe für das Fischsterben werden noch ermittelt
Die Kantonspolizei Graubünden bestätigt das Fischsterben in einer Medienmitteilung von Donnerstagnachmittag. In einem Teppich aus Sumpf-Teichfaden seien Kadaver von Bachforellen, Regenbogenforellen, Groppen, Schmerlen und Elritzen festgestellt worden. Die Behörde prüft derzeit gemeinsam mit dem Amt für Jagd und Fischerei sowie dem Amt für Natur und Umwelt, wie es zu dem Fischsterben gekommen ist. Auch werde geprüft, ob die Stromproduktion dabei eine Rolle gespielt hat.
Die Kraftwerke Hinterrhein halten auf Blick-Anfrage fest, dass sie uneingeschränkt mit den zuständigen Behörden kooperieren. Die KHR werden sämtliche weitere Abklärungen und Untersuchungen aktiv und umfassend unterstützen.