Darum gehts
Der Luzerner Kunsthändler Siegfried Rosengart (1894–1985) pflegte enge Beziehungen zu den grossen Künstlern des 20. Jahrhunderts – darunter Pablo Picasso (1881–1973). Bei einem Frankreich-Besuch stellte Rosengart dem spanischen Meister seine Tochter vor. Picasso war von Angela Rosengart (1932–2026) angetan und bat darum, sie malen zu dürfen. «Picasso machte mir nie Avancen», betonte Angela Rosengart später. Insgesamt sass sie für fünf Picasso-Bilder Modell.
Später gründete Angela Rosengart das nach ihr benannte Museum in Luzern. Es wirbt auf der Website mit Werken von «Pablo Picasso, Paul Klee und weiteren 23 Künstlern des Impressionismus und der Klassischen Moderne».
Stiftungsrat stellt kritische Fragen
Am Dienstag ist die Luzerner Muse im Alter von 94 Jahren gestorben. Zwei Stiftungen sollen ihr Vermächtnis sichern. Es gibt die Stiftung Museum Sammlung Rosengart und die Stiftung zur Förderung des Museums Rosengart. Beide Organisationen haben Stiftungsräte aus der Crème de la Crème Luzerns. Darunter sind Hubert Achermann (74), Ex-Chef von KPMG Schweiz, Philipp Gmür (63), Ex-CEO von Helvetia und Ehemann der Ständerätin Andrea Gmür (61, Mitte), sowie der Luzerner Kulturpolitiker Stefan Sägesser (62, GLP).
Rosengart war kinderlos und hatte keine Verwandten. Mit dem Tod stellt sich die Frage, wen sie bedacht hat. Blick-Recherchen zeigen: Das Erbe sorgt für Knatsch. Schon länger stellte der Stiftungsrat kritische Fragen. Es geht um die Rolle eines Mannes, der im Museum klein anfing und später Rosengarts rechte Hand wurde.
Brisantes Rücktrittsschreiben
Der verheiratete Mann umsorgte Angela Rosengart von morgens bis abends. Er begleitete sie auf praktisch allen Reisen und allen Sitzungen. Die beiden traten als Duo auf, er war mehr als nur persönlicher Assistent und Butler. «Wir kamen gar nicht mehr an Angela heran, weil er immer dabei war», sagt eine Quelle, die nicht genannt werden möchte. Was viele irritierte: Der Weggefährte soll im Museum den höchsten Lohn erhalten haben.
Im März 2026 zog eine Stiftungsrätin die Notbremse. Janet Briner (71), eine langjährige Weggefährtin Angela Rosengarts, trat nach 26 Jahren per sofort aus dem Stiftungsrat zurück. In einem Schreiben, das Blick vorliegt, kritisiert Briner verschiedene Vorgänge hinter den Kulissen.
Haus bei der Hofkirche – Toplage und Millionen wert
Das Fass zum Überlaufen brachte die Tatsache, dass Angela Rosengart ihr Wohnhaus hinter der Luzerner Hofkirche ihrem Vertrauten geschenkt hatte. Das Haus befindet sich in bester Lage und ist viele Millionen wert. Eigentlich sollten die Mieteinnahmen der Wohnungen die Zukunft des Museums sichern.
Hinzu kommt: Rosengart änderte in letzter Zeit mehrmals ihr Testament, setzte Janet Briner als Testamentsvollstreckerin ab und wählte einen neuen Vollstrecker ein – dem Vernehmen nach ein befreundeter Anwalt des Begünstigten.
«Seit einigen Monaten schaue ich mit Besorgnis zu …»
Juristisch ist die Sache klar: Eine ältere Dame kann mit ihrem Vermögen machen, was sie will. Und trotzdem hatte Janet Briner kein gutes Gefühl. In ihrem Rücktrittsschreiben steht: «Seit einigen Monaten schaue ich mit Besorgnis zu, wie das künftige Vermögen, welches ursprünglich der Förderstiftung dienen sollte, mit der Schenkung des Privathauses sich verringert hat und in Zukunft noch mehr geschmälert wird durch die zusätzlichen Schenkungen und Zusicherungen (an den Vertrauten, Anmerkung der Redaktion).»
Briner haderte auch damit, dass die Stiftung beim Zweckverband Luzern nach Subventionen fragte, «ohne vorerst eine Gesamtanalyse und eine Schätzung aller noch vorhandenen Vermögenswerte von Angela Rosengart zu erstellen». Mit ihrer Kritik steht Briner nicht allein da. Wie Blick weiss, gab es in beiden Stiftungen und in der Luzerner Kunstwelt hierzu kritische Stimmen.
«Angela Rosengart war nicht immer einfach»
Was macht der Stiftungsrat? Hubert Achermann (74) sagt im Gespräch mit Blick, er könne die kritischen Stimmen nicht verstehen. Anfänglich habe er zwar Verständnis für die Sorgen um die finanzielle Ausstattung der Förderstiftung gehabt. «Aus heutiger Sicht und rückblickend waren diese Sorgen jedoch unbegründet.»
Er betont: «Frau Rosengart war bis zuletzt im vollen Besitz ihrer geistigen Kräfte. Es war ihr gutes Recht, ihr Testament auch mehrmals zu ändern.» Den Vorwurf, die Stiftung habe nicht genau hingeschaut, weist Achermann entschieden zurück. «Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe mit Angela Rosengart mehrmals über alles gesprochen. Sie hat stets betont, dass es ihr Wunsch sei, ihren langjährigen Weggefährten grosszügig zu beschenken. Das mag nicht jedem passen – aber es war ihr ausdrücklicher Wunsch.» Achermann betont: «Angela Rosengart war ein besonderer Mensch, aber nicht immer einfach. Ihr Weggefährte war jahrelang rund um die Uhr für sie da, auch in schwierigen Zeiten.»
Zwei Picassos für die Förderstiftung
Die Zukunft der Förderstiftung und des Museums sieht Achermann nicht gefährdet. Im Gegenteil. «Angela Rosengart hat der Förderstiftung noch vor kurzem zwei wunderschöne Picassos geschenkt, die um die 30 Millionen Franken wert sein dürften. Hinzu kommen Wertschriften und Bargeld. Die Zukunft der Förderstiftung ist also langfristig gesichert», betont Achermann.
Bei den Bildern handelt es sich um Picassos «Dora Maar, tête renversée» (1939) und «Homme au casque et à l’épée» (1969). Auf Deutsch heissen die Werke «Dora Maar mit geneigtem Kopf» und «Mann mit Helm und Schwert». Die Fotografin und Künstlerin Dora Maar (1907–1997) war Teil der Pariser Avantgarde und wurde später als Picassos Muse, Modell und Geliebte berühmt. Beide Werke schlummern aktuell im Depot. Hubert Achermann schliesst nicht aus, dass die beiden Bilder irgendwann im Museum zu sehen sein werden.
Salär halbiert
Achermann und Briner teilen dasselbe Anliegen: Angela Rosengarts Lebenswerk zu bewahren und ihre Liebe zur Kunst weiterhin sichtbar zu machen. Ob das abgespeckte Erbe wirklich im Sinne Rosengarts war – darüber gehen die Meinungen auseinander. Achermann betont: «Es ist wichtig, Angela Rosengarts letzten Willen zu respektieren.»
Dennoch: Die Stiftung Museum Sammlung Rosengart soll unlängst durchgegriffen und den offenbar viel zu hohen Lohn des Vertrauten halbiert haben, wie in Luzern zu hören ist. Janet Briner und die weiteren Stiftungsräte wollten sich gegenüber Blick nicht äussern.
Transparenzhinweis: Janet Briner ist die Schwägerin von Michael Ringier, der den Blick herausgibt.