Darum gehts
- 19 Kilometer Stau am Gotthard-Tunnel, über 3 Stunden Wartezeit
- ETH-Experte: Fahrfehler wie Spurwechsel verschlimmern Staus erheblich
- Automatisierung und Regulierung könnten Stauprobleme langfristig lindern, aber nicht lösen
Er ist der Endgegner für alle Reisenden: der Gotthard-Tunnel! Nicht wegen der Länge, sondern weil es sich gerade zur Ferienzeit immer wieder staut. Genau wie jetzt. Am Samstag ist die Blechlawine auf 19 Kilometer angewachsen. Wartezeit: über 3 Stunden!
Gibt es da eine Möglichkeit, irgendwie schneller voranzukommen? Manche schwören ja darauf, die Spuren ständig zu wechseln. Manchmal scheint es links schneller voranzugehen, und dann rollt der Verkehr auf der rechten Spur besser. Doch das Hin und Her springen, bringt das wirklich was? «Die Spur im Stau zu wechseln, führt nicht schneller zum Ziel. Im Gegenteil: Durch das Fahrmanöver machen es die Fahrer für alle anderen eigentlich nur schlimmer», sagt Kay Axhausen, emeritierter Professor für Verkehrsplanung und Transportsysteme an der ETH Zürich, zu Blick.
«Gründe dafür sind Fahrfehler»
Viele Reisende wollen sich durch das Nadelöhr Gotthard drücken, um ihre Osterferien zu geniessen. Klar, dass es da zu Stau kommt. Doch Stau ist nicht gleich Stau. Manchmal scheint er wie aus dem Nichts zu kommen, aber warum?
«Stau entsteht immer dann, wenn es mehr Nachfrage gibt, als die Strasse abarbeiten kann», sagt Stau-Experte Axhausen. Bei einem Unfall zum Beispiel ist es klar. Wenn eine Spur gesperrt wird, müssen sich alle anderen Fahrer plötzlich eine Spur teilen. Das Gleiche gilt für eine Baustelle.
Der Stau-Experte weiter: «Es gibt auch Staus, die aus dem Nichts zu kommen scheinen. Die Gründe dafür sind Fahrfehler. Zu dichtes Auffahren oder plötzlicher Spurwechsel zum Beispiel. In dem Moment kommt es zu einer abrupten Bremsung. Was nicht allzu dramatisch erscheint, sorgt aber für eine Kettenreaktion. Die nachfolgenden Fahrzeuge müssen ebenfalls bremsen und am Ende kommt es vielleicht sogar ganz zum Stillstand.»
Wird es in Zukunft keine Staus mehr geben?
Grundsätzlich gilt: «Autofahrer sind immer selber der Stau.» Nur weil er oder sie gerade unterwegs ist, gibt es den Stau. Um den Verkehr trotzdem flüssig zu halten, gibt es zwei Lösungsansätze.
Nummer 1: Automatisierung. Das Auto übernimmt den grössten Teil oder sogar gleich ganz das Steuer. «Durch die Minimierung der Fahrfehler gibt es weniger Staus», erklärt der ETH-Professor. Wird es in Zukunft also keine Staus mehr geben, weil die Autos keine Fehler mehr machen? Leider nein. Axhausen dazu: «Es wird auch in der Zukunft Staus geben, selbst mit selbstfahrenden Autos. Das Problem der Menge wird nicht durch die Automatisierung gelöst.»
Und das führt direkt zu Nummer 2: Regulierung. Weil zu viele Fahrzeuge unterwegs sind, gibt es Stau. Daher darf nur eine bestimmte Anzahl an Fahrzeugen, die Strasse nutzen. «Das wird schon beim Gotthard gemacht. Eine künstliche Warteschlange wird erzeugt. Eine andere Art der Regulierung sind Strassengebühren. Beispiele in Singapur oder London zeigen, dass das funktioniert.»
«Es bleibt uns also oft nichts anderes übrig»
In der Schweiz gibt es keine Strassengebühren. Und auch die Technik ist noch nicht so perfekt eingestellt, dass es weniger Staus geben könnte. Die frustrierende Realität bringt Axhausen auf den Punkt. «Es bleibt uns also oft nichts anderes übrig, als uns in den Stau zu stellen, wenn man mit dem Auto unterwegs ist. Die bessere Option wäre den Zug zu nehmen, eine andere Route oder gar nicht wegzufahren.»
Wir müssen uns also damit abfinden, dass es auf Schweizer Strasse immer öfter klemmt.