Darum gehts
- Claudio Zali tritt nach Skandal zurück, Frau tot im Luganersee gefunden
- Zali riet in heimlichem Gespräch zur Gewalt gegen eine Stalkerin
- Frau wurde zehn Tage vor ihrem Tod in Melide TI angegriffen
Wende im Fall rund um den Tessiner Ex-Regierungspräsidenten und Lega-Mann Claudio Zali (64). Ende Juli hatte er seinen Rücktritt bekanntgegeben, nachdem eine Frau eine heimliche Tonaufnahme von ihm veröffentlicht hatte.
Am Dienstagabend wurde nun die Leiche der besagten Frau im Luganersee gefunden. Ihr Körper wurde in Melide TI an Land gezogen. Das berichtet RSI. Die Todesursache steht noch nicht fest, die Kantonspolizei Tessin und die zuständige Staatsanwaltschaft bestätigen, die Ermittlungen aufgenommen zu haben.
Wie ein Sprecher der Kantonspolizei gegenüber Blick sagt, wurde die Identität der Frau von den Behörden bisher nicht offiziell bestätigt.
Zehn Tage zuvor erstattete die Frau Anzeige
Wie die Ermittler ausserdem bestätigen, wurde die Frau zehn Tage vor ihrem Tod in Melide angegriffen. Sie erstattete damals Anzeige gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft. Ein Zusammenhang mit ihrem Ertrinken sei nicht auszuschliessen.
Im von der nun verstorbenen Frau geleakten Gespräch bittet eine Bekannte Zali um Rat im Umgang mit einer Frau, die sie als Stalkerin bezeichnet. Zali antwortet sinngemäss, sie solle die Frau verprügeln. Er sagt, er habe selbst einmal so gehandelt – und ergänzt, dass das Problem im Notfall auch über Dritte geregelt werden könne.
Zali ist Mitglied der Lega und seit 2013 Tessiner Regierungsrat. Derzeit amtet er auch als Regierungspräsident. Der frühere Richter gilt als kompromissloser und eigenwilliger Politiker, wie Blick kürzlich nachzeichnete.
Zali bereits im Visier der Staatsanwaltschaft
Fast zeitgleich mit der Veröffentlichung der heimlich aufgenommenen Tonaufnahmen wurde zudem bekannt, dass gegen Zali eine Strafuntersuchung läuft. So untersucht die Tessiner Staatsanwaltschaft aktuell den Verdacht auf Amtsmissbrauch und versuchte Nötigung. Dabei wurden Vorwürfe laut, der Politiker habe seine Stellung zugunsten von Bekannten eingesetzt.
Im Zentrum der Ermittlungen steht ein Treffen vom 9. Juni: Zali soll mehrere hohe kantonale Verantwortliche sowie eine Jugendrichterin in sein Büro bestellt haben, nachdem ein 14-Jähriger in Untersuchungshaft gekommen war. Der Jugendliche ist der Sohn einer Frau, die Zali kennt.
Noch ist es zu keiner Anklage gekommen. Es gilt die Unschuldsvermutung.