Darum gehts
- Frau brachte Baby ins Babyfenster Bethesda Spital Basel
- Nun will sie ihr Mädchen zurück
- DNA-Test bestätigt Mutterschaft, Kesb prüft Eignung für Kindesrückgabe
Niemand habe von ihrer Schwangerschaft gewusst und sie sei mit der Situation heillos überfordert gewesen. Heimlich und ganz alleine habe sie das Baby zur Welt gebracht. Im Anschluss habe sie den Säugling ins Bethesda-Spital in Basel gebracht, um es dort ins Babyfenster zu legen.
Sie hatte keinen anderen Ausweg gesehen und hoffte, dem kleinen Wesen so eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Nun möchte sie aber selber für ihre Tochter sorgen. Bereits einige Tage nach der Geburt meldete sich die Mutter bei der Stiftung Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind in Münchenstein BL. Dominik Müggler, Initiant des Babyfensters und erklärter Abtreibungsgegner, sagt auf Anfrage des «Tages-Anzeiger»: «Die Mutter möchte ihr Kind zurück.»
«Es sah nicht vernachlässigt aus»
Der Fall ist aktuell noch in Abklärung bei der Kesb. «Sie wird es aus unserer Sicht mit Sicherheit zurückbekommen», erklärt Müggler im Gespräch mit Blick.
Ein DNA-Test bestätigte, dass es sich bei der Frau um die Mutter des Mädchens handelt. Nach einem Gespräch habe man die Frau auch bei ihr zu Hause besucht. Das sei Standard, wenn eine Mutter den Wunsch äussere, ihr Kind zurückzunehmen. «Es sah ordentlich, nicht vernachlässigt aus», so Müggler.
Nach dem DNA-Test erfolge zudem eine Befragung der Mutter nach den Gründen für die Abgabe des Babys. «Unsere Organisation unterstützt die Mutter und bereitet sie auf den Besuch der Kesb vor. Wir stärken ihre Position, indem wir sie finanziell, materiell (Ausstattung des Kindeszimmers) und bei Bedarf auch juristisch unterstützen.»
Kind ist aktuell bei Pflegeeltern untergebracht
Noch kümmern sich Pflegeeltern um das Mädchen aus Basel. Die leibliche Mutter wird es aber besuchen dürfen, heisst es. Dominik Müggler sagt, die Frau erhalte von der Stiftung jede Hilfe, die sie brauche. Zuerst dürfe sie sich eine Woche lang in einem Hotel in der Schweiz von ihren Strapazen erholen. Und sie werde bei Bedarf kostenlos von einer Haushaltshilfe unterstützt.
Wenn sich ihre Situation stabilisiert, bekommt sie ihr Kind zurück. In Einsiedeln SZ öffnete vor 25 Jahren das erste Babyfenster. Dieses ist mittlerweile ins Spital Schwyz gezügelt. Mittlerweile geben sechs Spitäler in der Schweiz Frauen in Extremsituationen die Option, ihr Neugeborenes anonym und sicher abzugeben. Bisher wurden schweizweit 32 Babys abgegeben.
Mutter hat 15 Monate Zeit
Alle Babys werden anfangs von Pflegeeltern betreut und kommen nicht direkt zu Adoptiveltern. Werden die Kinder während der ersten drei Monate nicht zurückgefordert, werden sie einer Adoptivfamilie übergeben. Von diesem Moment an beginnt eine gesetzliche Frist von zwölf Monaten. Die Adoption erfolgt frühestens nach Ablauf dieser zwölf Monate. Während dieser Zeit haben Mutter und Vater die Möglichkeit, das Kind zurückzufordern und zu sich zu holen.
«Die Mutter hat somit theoretisch 12 + 3 = 15 Monate Zeit nach der Geburt, ihr Baby zurückzufordern. Allerdings braucht sie umso bessere Argumente, je länger sie damit zuwartet, um die Kesb von ihrem Rücknahmewunsch zu überzeugen», erklärt Müggler.
Von den 32 abgegebenen Babys haben sich bis heute 14 Mütter gemeldet. «Sieben von ihnen wollten/konnten das Baby nicht zurücknehmen, haben aber Informationen über sich und die leibliche Herkunft hinterlassen, damit das Baby, wenn es gross ist, davon Kenntnis haben kann», erklärt der Babyfenster-Initiant. «Sechs Mütter verlangten das Baby zurück und haben es – auch dank unserer Unterstützung – zurückerhalten.»