Showdown im Wallis
Fundi-Katholiken pfeifen auf den Vatikan

Der Papst droht den Piusbrüdern erneut mit Kirchenausschluss. «Super!», sagen Tausende Gläubige, die aus der ganzen Welt ins Wallis gepilgert sind.
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Ein Priester spricht in Ecône mit Nonnen.
Foto: Annalena Müller

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • 16'000 Gläubige sind aus der ganzen Welt ins Wallis gepilgert
  • Grund: Am Mittwoch werden vier Priester zu Bischöfen geweiht
  • Der Papst droht den abtrünnigen Katholiken erneut mit Kirchenausschluss
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Annalena MüllerPolitredaktorin SonntagsBlick

«In Zürich segnen sie Tiere, und uns wollen sie ausschliessen», sagt Gaetan M.* kopfschüttelnd. Er frage sich schon, was hier falsch laufe. Gaetan ist einer von über 100 Freiwilligen aus der Walliser Gemeinde Riddes, die bei glühender Hitze anpacken, um die Bischofsweihen der fundamental-katholischen Piusbruderschaft vorzubereiten.

Diese sind für Mittwochmorgen geplant. Papst Leo XIV. hat am Dienstag nochmals versucht, die Reissleine zu ziehen, und sich in einem offenen Brief an die Gemeinschaft gewandt. In den Augen der römischen Kirche ist das Weihen von Bischöfen ohne päpstliche Erlaubnis ein spaltender Akt. Der Vatikan droht seit Wochen mit dem Kirchenausschluss, sollte die Bruderschaft die Weihen tatsächlich durchziehen.

«Magnifico!» – Pilger pfeifen auf den Vatikan

In Ecône, dem Sitz der Bruderschaft, scheint die Warnung aus Rom niemanden zu interessieren. Eine Pilgergruppe, die extra aus Brasilien angereist ist, zuckt nur mit den Schultern. Der Priester, der die Truppe leitet, ruft lachend «Magnifico!» (grossartig), als er hört, dass der Papst sie ausschliessen will.

Zwei Frauen aus der Gemeinde Riddes, zu der Ecône gehört, packen gerade das Picknick für ihre sechs Kinder ein. Auf den Papst angesprochen, sagt die eine: «Für uns ändert sich nichts.» Die andere fügt an: «Die modernistische Kirche steht allen offen. Moslems, Buddhisten, jeder darf sie nutzen. Aber uns will man aussperren.» Auch bei der nächsten Gruppe, angereist aus Kanada, herrscht Achselzucken statt Ehrfurcht. «Der Kirchenausschluss ist die beste Werbung für uns», sagt ein kanadischer Familienvater aus Toronto. Seine Frau und die Kinder nicken zustimmend.

Klare Hierarchien und getrennte Klos

Alle hier glauben, die offizielle Kirche sei auf einem fatalen Irrweg. Frauen, die Gottesdienste gestalten, Tiere und Töffs, die gesegnet werden, die Idee eines lebendigen, sich verändernden Lehramts: All das lehnen sie strikt ab. Sie hängen einem Weltbild mit klaren Hierarchien an. In Ecône gibt es getrennte Parkplätze und besondere Toiletten für Priester und «Mitglieder des dritten Standes». Die «woke» Welt lehnen sie ab – und eine Kirche, die den Dialog mit ihr sucht, erst recht. Wenn der Papst die selbst ernannten Rechtgläubigen mit dem Bann belegt, bestärkt das seine Gegner hier nur noch.

Und Anhänger gibt es viele: Für die Bischofsweihen sind 16'000 Gläubige aus 62 Ländern angereist, sagt der Pressesprecher. Die Hotels in der Umgebung sind ausgebucht, eigens ein Zeltplatz wurde errichtet. Was sofort auffällt: Viele hier sind jung. Die Priester in ihren altmodischen Soutanen genauso wie Nonnen in ihren schweren Habits oder die jungen Familien. Die Kirche der Grosis und Migranten, wie man sie in Schweizer Städten antrifft, findet man hier nicht.

Ein geschlossener Kosmos

Aber es ist auch ein abgeschlossener Kosmos. Die Presse, wie alles Auswärtige, wird misstrauisch beäugt. Die beiden Mütter am Picknicktisch lassen sich erst auf ein Gespräch ein, als der Presseverantwortliche ihnen die ausdrückliche Erlaubnis erteilt. Namen will fast niemand nennen, Fotos sind ebenfalls unerwünscht.

Aber man weiss um die eigene Stärke in der sterbenden europäischen Kirche. Entsprechend selbstbewusst fällt die Antwort der Piusbrüder am Dienstag an den Papst aus. Leo XIV. solle an die Tausenden Seelen denken, die dank der Bruderschaft den katholischen Glauben wiedergefunden haben. Und sich die Sache mit dem Kirchenausschluss nochmals überlegen.

* Name bekannt 

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