Darum gehts
- Schweizer Forscher testen Schafwolle auf Tsanfleuron-Gletscher gegen Eisschmelze
- Erste Resultate: Wolle schützt Eis ähnlich gut wie Kunststoffplanen
- Bis zu 70 % der Schweizer Schafwolle werden jährlich entsorgt
Die Schweizer Gletscher schmelzen immer schneller. Jetzt sollen ausgerechnet Schafe helfen, das Eis zu retten.
Forscher der Universität Lausanne und der Umweltorganisation Summit Foundation haben auf dem Tsanfleuron-Gletscher bei Glacier 3000 ein ungewöhnliches Experiment gestartet: Sie decken Teile des Gletschers mit Schafwolle ab.
Wolle gegen die Hitze
Bislang werden Gletscher teilweise mit weissen Kunststoffplanen geschützt. Diese reflektieren Sonnenlicht und können die Eisschmelze im Sommer deutlich bremsen. Doch die synthetischen Geotextilien haben einen grossen Nachteil: Sie können Mikroplastik in die Umwelt abgeben.
Die Alternative der Schweizer Forscher: biologisch abbaubare Schafwolle, wie Reuters berichtet.
Im Juni wurden zwei Wolldecken auf insgesamt 200 Quadratmetern Gletscherfläche ausgelegt. Die ersten Resultate überraschten die Wissenschaftler: Die Wolle schützte das Eis offenbar ähnlich gut wie herkömmliche Kunststoffplanen – und erwies sich als widerstandsfähiger als erwartet.
Millionen Kilo Wolle landen im Abfall
Die Idee löst gleichzeitig ein Schweizer Problem: Zwischen 40 und 70 Prozent der jährlich produzierten Schafwolle werden laut Projektmanager Timothee Steiner weggeworfen und entsorgt.
Mit dem Projekt «Keep It Wool» könnte das bislang kaum gefragte Naturprodukt einen neuen Zweck bekommen.
Keine langfristige Lösung
Doch die Forscher machen klar: Schafwolle wird die Schweizer Gletscher nicht retten können. Derzeit sind gerade einmal rund 0,02 Prozent der Schweizer Gletscherfläche überhaupt mit Schutzmaterial abgedeckt.
Die Woll-Decken können an Einzelstellen Zeit gewinnen – etwa für Skigebiete oder besonders gefährdete Gletscherabschnitte. Eine langfristige Lösung gegen das massive Gletschersterben sind sie nicht.