Darum gehts
- Stadler Rail erprobt weltweit ersten Schmalspur-Wasserstoffzug
- Der Thurgauer Konzern hat dafür zwischen Hemishofen und Ramsen SH ein spezielles Testgleis gebaut
- Tests dienen der Vorbereitung für die «italienische Meterspur» (950 mm)
Beim Thurgauer Zugbauer Stadler Rail rollt die neuste Innovation über die Gleise: der weltweit erste Wasserstoffzug für besonders schmale Schienen. Nun hat der Konzern von Peter Spuhler (67) Testfahrten mit der ÖV-Neuheit durchgeführt – eine echte Weltpremiere. Stadler hat dabei den Schmalspur-Wasserstoffzug «unter realen Bedingungen auf seine Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit geprüft», heisst es dazu in einer Mitteilung.
Gebaut wurde der grüne Zug für die regionale Bahngesellschaft ARST auf Sardinien. Das Problem bisher: In Süditalien – etwa in Apulien, rund um den Ätna auf Sizilien, bei Neapel oder eben auf Sardinien – fahren die Züge auf der sogenannten «italienischen Meterspur». Ausserhalb Italiens gibt es nirgends ein solches Netz.
Dritte Schiene für die Teststrecke
Zwischen Hemishofen SH und Ramsen SH hat der Konzern aus Bussnang TG diesen Frühling deswegen die süditalienischen Schienen nachgebaut: Eine vier Kilometer lange Teststrecke mit einer Spurweite von genau 950 Millimetern. Das Schmalspurgleis liegt als «dritte Schiene» direkt innerhalb der bestehenden Normalspurgleise. Dort wurde zuvor schon der Wasserstoff-Flirt für die USA getestet.
Weil es vorher ausserhalb Italiens nicht möglich war, mussten neue Züge direkt vor Ort auf den echten Einsatzgleisen getestet werden. «Dank des Testgleises können wir die Züge bereits in der Schweiz erproben und aufgrund der Nähe zu unserem Werk in Bussnang schnell und effizient optimieren», erklärt Ansgar Brockmeyer, stellvertretender Group-CEO von Stadler. Das spart Zeit: Die Züge können in Italien viel schneller in den regulären Betrieb gehen.
So wird der neue Zug geprüft
Seit Mitte Oktober laufen die Tests unter realen Bedingungen. Zuerst nimmt Stadler den Antrieb unter die Lupe: Wie verhält sich der Zug bei unterschiedlichen Füllständen des Wassertanks? Wie schlägt er sich bei verschiedenen Geschwindigkeiten? Danach folgen Härtetests für Bremsen und Beschleunigung. Projektleiter Alessio Salvatore betont: «Jeder erfolgreich absolvierte Test bringt uns einen Schritt näher zum Einsatz des Fahrzeugs auf der Strecke vor Ort in Italien.»
Die vier Kilometer lange Spezialstrecke in Schaffhausen wird in den nächsten drei Jahren zum Nadelöhr für die grüne Zug-Flotte: Insgesamt 21 Wasserstoff-Fahrzeuge für Sardinien, Kalabrien und Sizilien werden hier auf Herz und Nieren geprüft. Bis sie dann die Reise nach Süden antreten.