Puff zwischen Kita und Kirche
Bordell-Baugesuch erhitzt die Gemüter in Thayngen SH

Thayngen tobt: Ein Baugesuch für ein Bordell zwischen Kirche und Kita sorgt für Protest. Neu soll das Gebäude statt zum Wohnen für gewerbliche Zwecke genutzt werden. Das Gesuch ist nicht der einzige Fall mit Zündstoff.
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Ein unscheinbares Haus in Thayngen sorgt für Zoff.
Foto: Google Maps

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Thayngen SH diskutiert Bordell-Baugesuch im Dorfkern
  • Petition gegen Puff erhielt bisher 469 Unterschriften, laut «Schaffhauser AZ»
  • Beschwerden können bis Ende März bei der Gemeinde eingereicht werden
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Nikolina PanticProjektmanagerin

Ein historisches Schloss, ein Pfahlbaudorf, das gar zum Unesco-Weltkulturerbe gehört und nun: ein Puff mitten im Dorfkern? Im idyllischen Thayngen SH erhitzt ein Baugesuch die Gemüter. Auslöser ist ein privates Gesuch, das die Gemeinde am 20. Februar veröffentlicht hat, wie die «Schaffhauser AZ» berichtet.

Das Baugesuch beantragt, dass das Gebäude statt zum Wohnen neu für Massagen und Sexgewerbe genutzt werden soll – mitten im Dorfkern. Das Puff hausiert in einem unscheinbaren Riegelhaus zwischen Kirche und Kita. Den Briefkasten zieren die Namen «Studio Amor» und «Secret Atelier». Gemäss der «Schaffhauser AZ» sei das Bordell bereits in Betrieb, obwohl die Baubewilligung bisher nicht vorliege.

Das Dorf kocht vor Wut

Das Baugesuch erschüttert das Dorf. Die Reaktion: Eine Onlinepetition wurde unter dem Namen «Kein SEXgewerbe im Dorf» von der anonymen Gruppe IG Rotlicht lanciert. «Es ist eine Wohnzone in der Nähe einer Schule mit Schutzbehafteten. Allein die Idee der Bauherren, so einen Seich in unserem Dorf bauen zu wollen, halte ich für unbedacht und völlig hirnrissig!», kommentiert User Patrick Stalder empört. Die Petition wurde aktuell von 469 Personen unterschrieben.

Auf die Beschwerde folgt das Gesuch

Die Bordellbesitzer haben in der Zwischenzeit reinen Tisch gemacht. Gemäss Gregor Schweri, dem zuständigen Baureferenten Thayngens, sei das Gesuch erst mit Verzug bei der Gemeinde gelandet. Als eine Beschwerde bei der Gemeinde eingetroffen sei, habe man den Antrag auf eine Nutzungsänderung gestellt, berichtet Schweri gegenüber der «Schaffhauser AZ». Laut dem Baureferenten liege das Puff in einer sogenannten Mischzone – einer baurechtlichen Nutzungszone, in der Wohnen und nicht wesentlich störendes Gewerbe gleichberechtigt nebeneinander existieren.

Bis Ende März könne man Beschwerde einreichen bei der Gemeinde. Danach entscheide man, ob das Gewerbe als störend empfunden wird. 

Das Bordell in Thayngen ist nicht der einzige Ort in der Schweiz, in dem ein Baugesuch für Diskussionen sorgt. Blick liefert eine Übersicht über weitere Bau-Streitigkeiten.

Bordell-Gesuch Magadino TI

Bereits 2013 sorgte das Unternehmen Goblatime mit einem genehmigten Bordell-Baugesuch in Magadino für erschütterte Gemüter. Kurz darauf legten die Gemeindeverantwortlichen Einspruch ein, weil das Bordell nicht mit den Normen des Industrie-, Gewerbe- und Handwerksquartier übereinstimme.

Nach einer Diskussion im Tessiner Kantonsparlament entschied das letzte Berufungsgericht, die zweite öffentlich-rechtliche Abteilung des Bundesgerichts, dass Prostitution kommerzielle Aspekte habe. Die Gemeindebehörden konnten die Gerichte nicht überzeugen, dass Prostitution keine kommerzielle Tätigkeit sei, und das Unternehmen erhielt 2018 die Genehmigung zum Bordellbau, wie die Nachrichtenagentur keystone-SDA mitteilte.

Minarett-Bau Wangen bei Olten SO

Bauen oder nicht bauen? Das war auch 2005 die Frage, als der türkisch-kulturelle Verein in Wangen bei Olten sein Gesuch für den Minarett-Bau stellte. Das Vorhaben sorgte für eine nationale Debatte und mündete gar in einer Abstimmung zur Anti-Minarett-Initiative. Erstmals wurde die Anfrage des Vereins durch die Behörden abgeschmettert und von 380 Sammeleinsprachen gegen den Minarett-Bau begleitet. Sie argumentierten, das Minarett würde das Gebäude faktisch zu einer Moschee machen. Religiöse Bauten seien gemäss der Mitteilung des Kanton Solothurns in der Gewerbezone jedoch nicht erlaubt.

Der türkisch-kulturelle Verein reichte daraufhin Beschwerde ein mit der Begründung, dass das Minarett nur einer symbolischen Nutzung diene. Der Fall ging bis vors Bundesgericht, und der türkisch-kulturelle Verein erhielt 2007 die Baubewilligung. Bedingung: Vom Minarett dürfen keine Gebetsrufe erfolgen – weder durch einen Muezzin noch über Lautsprecher.

Moschee-Projekt Siebnen SZ

Der jüngste Bauzoff lässt die Wogen in Siebnen hochgehen: Ein Baugesuch der Albanisch-Islamischen Gemeinschaft (AIG) Altendorf sorgte für Misstrauen bei der Gemeinde. Sinan Sadriu (42), Präsident der AIG, wollte im ehemaligen Läuffer-Haus ein islamisches Kulturzentrum einrichten – inklusive Moschee. 

Während der Kanton Schwyz die Bewilligung erteilt hatte, stellte sich die Standortgemeinde Schübelbach SZ quer und reichte eine Beschwerde beim Regierungsrat ein. Die Gemeinde vermutet, dass ausländische Gelder und Einfluss dahinter stecken. Die Gemeinde geht zudem davon aus, dass der Grundstückserwerb bewilligungspflichtig sei. Die SVP Schübelbach reagiert zudem mit einer Onlinepetition gegen den Moschee-Bau mit der Aufforderung: «Wir wollen keine Moschee im Herzen unseres Dorfes», so die Petition.

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