Darum gehts
- Anführer der rechtsextremen Jungen Tat vor Zürcher Gericht am 4. September
- Staatsanwaltschaft fordert Freiheitsstrafen: 15 Monate, davon 6 unbedingt
- Schäden von 9000 Franken durch Aktionen, darunter gestürmter Pride-Gottesdienst
Steht die Junge Tat vor der Zerschlagung? Am 4. September müssen sich die Anführer der rechtsextremen Gruppierung vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt sie einer Reihe von Straftaten und fordert happige Sanktionen.
Blick liegen die Anklageschriften vor. Besonders hart soll es die zwei Köpfe der Gruppe treffen: Manuel Corchia (25) und Tobias Lingg (24). Die beiden haben die Junge Tat zur international vernetzten Truppe aufgebaut und gerieten dabei immer wieder in Konflikt mit dem Gesetz.
Müssen die Anführer ins Gefängnis?
Jetzt kommt es zum grossen Prozess. Den Rechtsextremisten Corchia und Lingg drohen aufgrund früherer Taten Freiheitsstrafen von 15 Monaten – sechs davon unbedingt.
Es geht um strafbare Handlungen, die sie und vier weitere Mitglieder der Jungen Tat zwischen Februar 2022 und April 2024 begangen haben sollen: Diskriminierung, Aufruf zu Hass, Nötigung, Sachbeschädigung, Vergehen gegen das Sprengstoffgesetz, Landfriedensbruch, Hausfriedensbruch und mehr.
Die Taten
Konkret wirft die Staatsanwaltschaft Zürich den Köpfen der Jungen Tat vor, sich im Februar 2022 an gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Linksextremen beteiligt zu haben. Im Juni 2022 sollen sie vermummt einen Gottesdienst des Pride-Festivals in Zürich gestürmt haben. Laut den Ermittlern verursachten sie dabei Schäden von knapp 9000 Franken und riefen zur Diskriminierung nicht heterosexueller Personen auf.
Im Oktober 2022 störte die Gruppe um Corchia und Lingg eine Vorlesestunde von Dragqueens für Kinder im Zürcher Tanzhaus. Hinzu kommen diverse illegale Propagandaaktionen, zum Beispiel das Entrollen von Transparenten von Bahnhofsdächern herab.
Junge Tat siegessicher
Haftstrafen für die Köpfe der Jungen Tat würden die Gruppe empfindlich treffen. Corchia und Lingg sind sowohl gegen innen als auch gegen aussen die treibenden Kräfte. Ohne sie dürfte die Gruppe zumindest vorübergehend deutlich geschwächt werden.
Die Junge Tat, die vom Nachrichtendienst des Bundes (NDB) beobachtet wird, sieht im Gerichtsprozess gegen sie eine gezielte Kriminalisierung durch den Staat. Gegenüber SonntagsBlick geben sich die Rechtsextremen siegessicher: «Wenn in der Schweiz die Meinungsfreiheit noch besteht, werden die Anschuldigungen nicht zu einer Verurteilung führen», sagt Manuel Corchia.