Küchenrohr, Zaun, Tiefgarage
Diese Baustrei­tigkeiten in der Schweiz sind absolut kurios

Ein Küchenrohr, 44 Zentimeter Bauhöhe, eine Zufahrt, ein Zaun: Schweizer Baustreitigkeiten ziehen sich teils jahrelang hin. Der Kuriosität sind dabei keine Grenzen gesetzt.
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Hotelier Conrad Widmer streitet mit der Gemeinde.
Foto: Stefan Bohrer

Darum gehts

  • In Gstaad streitet Conroy Widmer seit 2011 um ein Abluftrohr
  • Bettlach streitet um 44 Zentimeter, Teufen um Zufahrt
  • Federers Sichtschutzzaun in Valbella scheiterte vor Gericht
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Pauline BouillonRedaktorin News Desk

Seit 2011 zofft sich Hotelier Conroy Widmer (55) vom Posthotel Rössli in Gstaad mit der Gemeinde Saanen. Der Grund: ein Küchenabluftrohr. Was als Ersatz für ein undichtes Rohr begann, entwickelte sich zum jahrelangen Zoff um die Ästhetik: Der Gemeinde ist das Rohr nicht «Gstaad-like» genug.

Zwar wurde das Rohr nachträglich bewilligt, bei späteren Umbauten sollte es aber im Gebäude verschwinden. Weil das laut Widmer rund 220'000 Franken gekostet hätte, einigte man sich 2019 auf einen unauffälligeren, eckigen Kanal. Doch der Hotelier setzte den Kompromiss nicht um. Nun flammt der Streit erneut auf – wegen eines Abluftrohrs, das offenbar nicht ins noble Ortsbild passen will. Widmer ist nicht der einzige Schweizer, der sich mit Baustreitigkeiten rumschlagen muss.

Familienhaus ist zu hoch

Fast 20 Jahre herrschte im solothurnischen Bettlach Nachbarschaftskrieg. Ein Anwohner kämpfte dagegen, dass das Haus nebenan rund 44 Zentimeter zu hoch gebaut wurde. Laut Gutachten entspricht das einem ganzen zusätzlichen Stockwerk. Das Gericht bestätigte zwar, dass das Haus zu hoch ist, hielt einen Umbau aber für unverhältnismässig. Im Dorf galt der Nachbar als «Stürmi». Doch aufgeben wollte er nicht: Er forderte, dass sich auch sein Nachbar an die Bauvorschriften hält.

Zufahrt wird verbaut

Baustreitigkeiten kennen kein Alter: Seit 2017 stritten sich zwei Nachbarn im appenzellischen Teufen um den geplanten Bau einer Tiefgarage. Simon M.* wollte sein Haus umbauen und dafür eine grosse Garage in den Hang bauen. Doch sein Nachbar Markus Heller wehrte sich dagegen, weil er befürchtete, dass die schmale Zufahrtsstrasse dem schweren Baustellenverkehr nicht standhalten würde. 2021 bekam er vor Gericht recht, das Bauprojekt durfte nicht umgesetzt werden.

Daraufhin eskalierte der Streit: Simon M. pochte auf einen alten Vertrag, der die Zufahrtsstrasse auf zwei Meter Breite beschränkte. Er liess 17 Löcher in den Asphalt schlagen und zwei Ölfässer einbetonieren, um die Durchfahrt zu erschweren. Der damals 96-jährige Heller kam deshalb mit seinem Auto kaum noch nach Hause. Beide Nachbarn zeigten sich gegenseitig an, und die Anwaltskosten beliefen sich laut Bericht auf mindestens 100'000 Franken pro Seite.

Niederlage für Federer

Selbst Tennislegenden bleiben nicht verschont: 2014 wollte Roger Federer (45) sein Ferienhaus im bündnerischen Valbella mit einem hohen Sichtschutzzaun abschirmen. So berichtete SRF. Doch seine Nachbarn wehrten sich erfolgreich. Das Verwaltungsgericht Graubünden hob die Baubewilligung demnach auf, weil der geplante Zaun zu nahe an der Grundstücksgrenze stand. Federer verzichtete darauf, den Entscheid ans Bundesgericht weiterzuziehen. Im September 2014 legten die Parteien ihren Streit schliesslich aussergerichtlich bei. Neben dem Zaun sorgten auch Bäume und ein Spielhaus mit Rutschbahn für Ärger – das Spielhaus musste umplatziert werden.

* Name geändert

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