Darum gehts
- Schweiz erlebt 2026 extreme Trockenheit, trotz Regen bleiben Defizite bestehen
- Zürichsee mit tiefstem Augustwert seit 1951, Bodensee 27 Zentimeter unter der Norm
- Im Juli 2026 litt 99 Prozent der Schweiz unter Wasserknappheit
Viele fragen sich: «Wars das jetzt endlich mal mit dem Sommer?» Wobei es weniger der Sommer sein dürfte, dessen wir langsam überdrüssig sind, sondern die Extremhitze und die vorherrschende Trockenheit.
Die extreme Trockenzeit hat sich schon länger abgezeichnet. Bereits im Frühling war es weit verbreitet zu trocken. Auf den Bergen lag zu wenig Schnee, Speicherseen führten wenig Wasser und die Abflussmengen der Flüsse waren unterdurchschnittlich, schreibt Meteo News.
Endlich Regen
Die Trockenheit nahm in der ersten Augusthälfte immer «historischere Ausmasse» an, sagt Meteorologe Roger Perret zu Blick. Die letzten beiden Augustwochen starteten nun mit etwas Regen – endlich. «Wir können im Moment so viel Wasser wie möglich gebrauchen. Es müsste wahnsinnig viel regnen, um die Defizite wirklich auszugleichen», sagt Perret. Die Böden seien nach der langen Trockenheit noch stark versiegelt. Es brauche mehrere Niederschlagsereignisse, bis sie wieder richtig Wasser aufnehmen könnten.
Die nächsten Tage kommt es immer wieder zu Schauern, was genau richtig ist: «Der schubweise Niederschlag ist für die Böden gut.» Nach dem Hitzetag am heutigen Mittwoch sinken die Temperaturen am morgigen Donnerstag etwas. «Mit 26 bis 28 Grad bleibt es noch schwülwarm, am Freitag sind es dann nur noch rund 20 Grad.» Am Wochenende steigen die Temperaturen voraussichtlich wieder etwas.
Schwankend, aber nicht mehr heiss
Insgesamt bleibe die Wetterlage schwankend und temperaturmässig geht es hin und her. Extreme Hitzetage zeichnen sich vorerst aber nicht mehr ab. Auch die Gefahr besonders heftiger Gewitter sei weitgehend vorbei. «Es sind aber kräftige Schauer mit einigen Blitzen möglich», sagt der Experte.
Während Flüsse und vor allem Bäche vergleichsweise schnell auf Niederschläge reagieren, dauert die Erholung bei Seen wesentlich länger. «Da müsste es ewig regnen – es braucht gewaltig viel Wasser.» Noch langsamer reagiere das Grundwasser. Die Folgen der langen Trockenheit würden dort deshalb noch lange zu spüren sein.
Niederschlag ist nicht das Problem
Perret meint aber auch, man müsse «die Kirche im Dorf lassen». In den vergangenen Jahrzehnten habe die Niederschlagsmenge tendenziell eher zugenommen. In Bezug auf die gesamte Niederschlagsmenge sei 2026 bislang ein aussergewöhnliches Jahr, kaum wahrscheinlich, dass dies in den nächsten Jahren wieder passiert.
Speziell waren vor allem auch die langen Trockenphasen und die gleichzeitige Hitze. «Das Problem für die nächsten Jahrzehnte ist nicht, dass uns grundsätzlich der Niederschlag ausgeht. Das grössere Problem ist die Hitze», sagt Perret.
Extreme Tiefstände
Neben den Wetterprofis untermauern auch die Daten des Bundesamts für Umwelt (BAFU) die Lage. Zahlreiche grosse Seen weisen extrem tiefe Wasserstände auf. Der Zürichsee hat den tiefsten August-Wert seit Messbeginn 1951 erreicht, der Bodensee liegt 27 Zentimeter unter dem tiefsten Wert der Referenzperiode 1991–2020.
Der Frühling und die erste Sommerhälfte 2026 zählen zu den trockensten Monaten, die je gemessen wurden. Im Juli waren 99 Prozent der Schweiz von Wasserknappheit betroffen. Der Sommer 2026 wird somit in die hydrologischen Geschichtsbücher eingehen.