Darum gehts
- Telefonbetrüger im Thurgau verursachen Schäden von über 230'000 Franken seit Januar
- Betrüger nutzen perfide Masche
- Neun Anzeigen von Betroffenen zwischen 54 und 90 Jahren eingegangen
Die Welle von Telefonbetrugsdelikten hält im Thurgau unvermindert an. Das schreibt die Kantonspolizei Thurgau am Freitag in einer Medienmitteilung. Die Zahlen dazu schockieren: Seit Anfang Jahr wurden mehrere Fälle gemeldet, der Schaden ist sechsstellig. Die Kantonspolizei Thurgau mahnt jetzt zur Vorsicht.
Im laufenden Jahr haben bisher neun Geschädigte bei der Kantonspolizei Thurgau Anzeige erstattet. Betroffen waren Frauen und Männer im Alter zwischen 54 und 90 Jahren. Die Schadenssummen bewegen sich pro Fall zwischen rund 10'000 und 110'000 Franken, gesamthaft beläuft sie sich auf etwas 230'000 Franken.
Am Telefon: Betrüger folgt auf Betrüger
Die Kantonspolizei Thurgau hat seit Anfang Jahr zwei Geldabholer ermittelt und bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht, schreibt sie in der Medienmitteilung weiter. Sie werden jeweils mit mehreren Delikten in Verbindung gebracht.
Die Betrüger setzen auf die sogenannte «Banken-Revisionsstelle»- Masche. Dabei geben sie sich als Mitarbeiter einer Bank aus und machen auf verdächtige Kontobewegungen aufmerksam. Die Opfer erhalten dann die angebliche Nummer der Polizei und haben gleich die nächsten Betrüger in der Leitung.
So perfid ist die Masche
Diese überzeugen die Geschädigten davon, bei der Bank im Rahmen einer Betrugsermittlung Geld abzuheben. Weil es sich angeblich um Falschgeld handelt, soll es an einen «Kurier der Staatsanwaltschaft» übergeben werden.
Diese Masche ist besonders perfid, weil die Opfer mit dem Rückruf auf eine echte Schweizer Telefonnummer tatsächlich den Eindruck haben, mit der Polizei zu sprechen. «Diese Rufnummern haben die Betrüger aber im Vorfeld registriert und können sie bei Bedarf auch schnell wechseln», erklärt die Kapo.
Gezielte Anrufe bei Älteren
Die Behörde rät: Wer einen Telefonanruf von einer angeblichen Revisionsstelle der TKB, Raiffeisen oder anderen Bank bekommt, soll das Gespräch sofort abbrechen. «Bei Unsicherheit bitte nicht auf die angezeigte Nummer zurückrufen, sondern den Polizeinotruf 117 kontaktieren.»
Bei den aktuellen Fällen hätten viele Geschädigte älter klingende Vornamen. «Man muss deshalb davon ausgehen, dass die Täter für ihre Anrufe gezielt nach solchen Namen in den Online-Telefonverzeichnissen suchen», bilanziert die Kantonspolizei. «Eine der wichtigsten Schutzmassnahmen ist deshalb, den Eintrag in den Verzeichnissen zu löschen oder zu kürzen.» So sollte lieber E. statt Elisabeth angegeben werden.
Die ganze Schweiz ist aktuell von der Telefonbetrugswelle betroffen. Erst am Dienstag vermeldete die St. Galler Kantonspolizei den Fall eines Betrugsopfers, das eine halbe Millionen Franken verlor. Im Kanton Bern wurden erst vergangene Woche zwei Fälle gemeldet. Ein Geschädigter verlor im Januar zudem im Kanton Schwyz rund 250'000 Franken.