Ostschweizer Hypnotiseur (60) wegen Sex-Vorwürfen vor Gericht
Er soll Patientinnen in Trance versetzt – und missbraucht haben

Hypnotiseur Mario K.* (60) aus der Ostschweiz muss vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, mehrere Frauen erst in Trance versetzt und dann im Intimbereich angefasst und massiert zu haben. K. drohen sechs Jahre Gefängnis, unter anderem wegen sexueller Nötigung.
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Steht unter anderem wegen mehrfacher sexueller Nötigung vor Gericht: Hypnotiseur Mario K.* (60).
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Darum gehts

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  • Hypnotiseur Mario K. vor Gericht unter anderem wegen sexueller Nötigung
  • Anklageschrift: Übergriffe während Frauen in Trance waren
  • Staatsanwaltschaft fordert 6 Jahre 3 Monate Haft für den 60-Jährigen
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Sandro ZulianReporter News

«Hypnose ist Vertrauenssache» – dieser bedeutungsschwere Satz steht bei Mario K.* (60) auf der Webseite. Der Ostschweizer ist Hypnotiseur und ein bekannter noch dazu. Nach einem halben Arbeitsleben im Verwaltungssektor in der Ostschweiz verschrieb sich der Mann völlig der Hypnosetherapie.

Mario K. machte sich einen Namen, hatte Auftritte im Fernsehen, im Radio und in Lokalzeitungen. In einem Interview sagte er einmal über seine ethischen Grenzen: «Ich mache sicher nicht Sachen, die den Menschen blossstellen oder die Gesundheit gefährden könnten.» Über die Trance sagte er: «In diesem tiefsten Zustand ist wirklich sehr vieles möglich.»

Jetzt steht K. vor Gericht. Wegen mehrfacher sexueller Nötigung und Ausnützung einer Notlage. Gerne hätte Blick mit Mario K. gesprochen. Doch er will laut seiner Verteidigerin keine Stellung nehmen. So bleibt die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft St. Gallen. 

«Geniess es»

Im Mai 2023 kam Olivia J.* (58) zu Mario K. in die Hypnosepraxis. Sie versprach sich von der Behandlung, endlich das Laster des Rauchens loszuwerden. Gemäss Anklage führten die beiden ein Vorgespräch. Berührungen waren darin kein Thema.

Mario K. versetzte Olivia J. in einen hypnotischen Trance-Zustand. «Deep», zu Deutsch «tief», soll der Hypnotiseur immer wieder zu ihr gesagt haben. Nach Berührungen am Bauch soll der 60-Jährige die Frau im Intimbereich zwischen den Beinen berührt und massiert haben.

Währenddessen habe er immer wieder gesagt: «Denk an das Meer», «denk an deinen Mann» oder «geniess es» und «lass es kommen». Nach der Behandlung habe er zu Olivia J. gesagt, dass sie niemals Dritten etwas von dieser Hypnosetherapiesitzung erzählen solle. Zum Abschied soll er die Kundin geküsst und übers Gesicht und ihr Gesäss gestreichelt haben.

Bis die Kundin weinen musste

Bei einem weiteren Treffen soll Mario K. sogar noch einen Schritt weitergegangen sein. Während der Trance habe er ihr Hose und Slip nach unten und den BH nach oben geschoben und sich am entblössten Schambereich und an den Brüsten der Kundin zu schaffen gemacht.

Die Frau habe geweint, die Augen geöffnet und gesagt, dass es ihr wehtue. Ein Auszug aus der Anklageschrift: «Mario K. nahm ein bereitliegendes Taschentuch, wischte ihr die Tränen ab und sagte zu ihr, sie solle die Augen schliessen.» Wieder sollte sie «ans Meer» denken.

Kein Einzelfall

Wie die Staatsanwaltschaft schreibt, ist Olivia J. kein Einzelfall. Ähnliches soll sich schon im Februar 2022 zugetragen haben – bei Petra W.*. Sie litt unter Schlafproblemen und wollte «belastende Erlebnisse mit ihrem Ex-Partner durch Hypnose besser verarbeiten», so die Anklageschrift.

Auch bei ihr gab es vorab ein Gespräch, auch dort waren «Berührungen kein Thema». Und auch damals habe der Beschuldigte die Frau in Trance im Schambereich angefasst und in die Brustwarzen gekniffen. Der Aufforderung, die Kleider auszuziehen, kam Petra W. nicht nach.

Olivia J. und Petra W. treten im Verfahren gegen den Hypnotiseur als Privatklägerinnen auf. Doch es soll noch mehr Opfer geben, schreibt die Staatsanwaltschaft.

Übergriff im verletzlichsten Moment

Eine dritte Frau, Manuela H.*, und der Beschuldigte trafen sich 2021 über einige Wochen hinweg privat. «Dabei kam es zu einvernehmlichen Küssen und gegenseitigen Berührungen im Intimbereich», schreibt die Staatsanwaltschaft. Eine Beziehung hätten die beiden nie geführt. Später, Ende November 2021, wollte Manuela H. mittels Hypnose ihre schwere Kindheit aufarbeiten und die Angst vor einer bevorstehenden Operation lindern. 

Die Frau habe während der hypnotischen Trance von Schlägen und Übergriffen durch ihren Pflegevater erzählt und dabei geweint. Just in diesem Moment sei der Übergriff losgegangen: «In der Folge führte Mario K. seine Hand zum Intimbereich von Manuela H.», so die Anklage. Über Minuten hinweg soll er über den Kleidern den Intimbereich gerieben haben.

Über sechs Jahre Gefängnis gefordert

Ebenfalls angeklagt ist Mario K. wegen Freiheitsberaubung. Ihm wird vorgeworfen, seine Ex-Freundin im Herbst 2022 in seiner Wohnung eingeschlossen und eine Nacht lang nicht freigelassen zu haben.

Die Staatsanwaltschaft fordert für den 60-jährigen Hypnotiseur eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten. Zudem soll er eine kleine Geldstrafe von 150 Franken bezahlen und weder als Hypnotiseur, noch im Gesundheitsbereich je wieder arbeiten dürfen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Verhandlung gegen Mario K. findet am Donnerstag ab 08.30 Uhr am Kreisgericht Rorschach SG statt. Blick berichtet live.

* Namen geändert 

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