In den ersten zwei Septemberwochen verzeichnet die Kantonspolizei St. Gallen vermehrte Telefonbetrüge. Dabei kam es zu vier Festnahmen in verschiedenen Fällen, wie die Polizei in einer Medienmitteilung am Dienstag schreibt.
85-Jähriger übergibt Viertelmillion Franken an Täter
So meldete sich am 3. September ein 85-jähriger Mann bei einer Polizeistation und gab an, vermutlich Opfer eines Betrugs geworden zu sein. Er sei im August von einer unbekannten Täterschaft telefonisch kontaktiert worden. Gemäss bisherigen Erkenntnissen gaben sich die Anrufenden als Mitarbeitende einer Bank aus. Sie behaupteten, das Geld des 85-Jährigen sei nicht mehr sicher, setzten ihn unter Druck und brachten ihn dazu, in verschiedenen Tranchen grössere Bargeldbeträge bei der Bank zu beziehen. Das Bargeld hat der 85-Jährige danach an verschiedenen Orten deponiert, wo es von der unbekannten Täterschaft abgeholt wurde.
Nach Eingang der Meldung nahm die Kantonspolizei St. Gallen umgehend die Ermittlungen auf. Während der laufenden Ermittlungen kontaktierte die unbekannte Täterschaft den 85-Jährigen erneut und versuchte, mit der gleichen Vorgehensweise an weiteres Bargeld zu gelangen. Am Donnerstag, 10. September 2026, gelang es der Kantonspolizei St. Gallen anlässlich einer erneuten Bargeldabholung in Wil, einen 21-jährigen Ukrainer festzunehmen. Er wird beschuldigt, als Geldabholer mit dem Telefonbetrug in Verbindung zu stehen.
Zwei Geldübergaben verhindert
Am 10. September erhielt die Kantonspolizei St. Gallen einen Hinweis in einem anderen Fall, wonach es am Abend zu einer Geldübergabe anlässlich eines Telefonbetrugs komme. Abklärungen ergaben, dass eine 81-jährige Frau in telefonischem Kontakt mit der Täterschaft stand und 10'000 Franken übergeben sollte. Die Täterschaft gaukelte der Geschädigten bereits am Vortag diverse falsche Tatsachen vor, unter anderem, dass sie Opfer eines Betrugs geworden sei und Falschgeld besitze. Dieses Falschgeld müsse nun überprüft werden. Anlässlich der Geldübergabe an die Täterschaft konnte die Kantonspolizei St. Gallen zwei Franzosen im Alter von 22 und 23 Jahren festnehmen.
Am 14. September meldete eine 55-jährige Frau einen verdächtigen Anruf. Sie sollte auf Anweisung eines angeblichen Sicherheitsdienstes einer Bank 20'000 Franken Bargeld abheben und dem Sicherheitsdienst übergeben. Auch anlässlich dieser Geldübergabe konnte die Kantonspolizei St. Gallen eine Person festnehmen. Es handelt sich um einen 20-jährigen Ukrainer.
Unter der Leitung der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen tätigt die Kantonspolizei St. Gallen die weiteren Ermittlungen. Dabei wird unter anderem die Rolle der Festgenommenen geklärt, ob sie mit weiteren Delikten in Verbindung stehen und ob weitere Personen in den Betrugsfall involviert sind.
Auch in Luzern gab es zwei Festnahmen
Auch die Luzerner Polizei hat in der vergangen Woche zwei mutmassliche Telefonbetrüger festgenommen, wie die Polizei in einer Medienmitteilung am Dienstag bekannt gibt. Am 8. September wurde am Vormittag eine ältere Person in der Stadt Luzern von mutmasslichen Betrügern telefonisch kontaktiert. Im Verlauf des Gesprächs setzten die unbekannten Anrufer das Opfer unter Druck und brachten es dazu, bei einer Bank mehrere tausend Franken Bargeld abzuheben. Anlässlich der Geldübergabe konnte die Luzerner Polizei den Geldabholer festnehmen.
Im Zuge der weiteren Ermittlungen konnte eine zweite Person festgenommen werden, welche mutmasslich ebenfalls in den Betrugsversuch involviert sein dürfte. Dabei handelt es sich um einen 36-jährigen Mann aus Lettland. Die beiden festgenommenen Männer befinden sich in Untersuchungshaft. Geführt wird die Untersuchung von der Staatsanwaltschaft Luzern.
So reagierst du richtig
Die Kantonspolizei St. Gallen stellt jüngst wieder eine Zunahme von Telefonbetrügen fest, bei denen es zu Geldübergaben kam. Allein seit Anfang August gingen Anzeigen in neun vollendeten Fällen ein. Die Deliktsumme dieser Fälle wird nach ersten Tatbestandsaufnahmen auf rund 750’000 Franken geschätzt.
Die Kantonspolizei St. Gallen empfiehlt: Wer von einem solchen Betrug betroffen ist oder bereits Geld oder Wertgegenstände übergeben hat, soll sich so rasch wie möglich bei der Polizei melden. Auch nach einer erfolgten Übergabe kann eine Meldung wichtige Ermittlungsansätze liefern. Besteht weiterhin Kontakt zur Täterschaft, soll umgehend die Notrufnummer 117 gewählt werden.