Darum gehts
- Die Liosaplast AG in St. Margrethen SG muss per Ende November schliessen
- Alle 32 Mitarbeitenden verlieren ihren Job
- Jahrelange Finanzprobleme, der Verlust eines Grosskunden sowie starker internationaler Preis- und Wettbewerbsdruck machten die Weiterführung unmöglich
Nach mehr als einem halben Jahrhundert ist Schluss: Die Liosaplast AG in St. Margrethen SG macht dicht. Seit 1970 beschichtete das Unternehmen Teile für die Uhren-, Pharma- und Zugindustrie. Nun das bittere Aus: Ende November schliessen die Tore endgültig. Alle 32 Mitarbeitenden verlieren ihren Job, wie das Unternehmen in einem Schreiben verkündet. Das «St. Galler Tagblatt» berichtete zuerst darüber.
Der Niedergang hat sich abgezeichnet. Seit Jahren kämpfte die Firma mit finanziellen Problemen. Jetzt hat der Verlust eines wichtigen Grosskunden das Fass zum Überlaufen gebracht. Der harte internationale Preis- und Wettbewerbsdruck führte dazu, dass die Erträge zurückgingen. Die Maschinen blieben zu oft stehen, die Weiterführung wurde unmöglich. «Trotz verschiedener Massnahmen zur Stabilisierung des Unternehmens, darunter Kostensenkungen, betriebliche Anpassungen und die Einführung von Kurzarbeit, konnte keine ausreichende und nachhaltige Verbesserung der wirtschaftlichen Situation erreicht werden», schreibt das Unternehmen. Konkrete Fragen von Blick will die Firma nicht beantworten.
Hiobsbotschaft für 32 Angestellte
Am Montag erhielt die Belegschaft – darunter drei Lernende – die Hiobsbotschaft. Nun läuft die Suche nach Anschlusslösungen für die Angestellten: Zusammen mit dem Amt für Wirtschaft und Arbeit St. Gallen, dem RAV und regionalen Betrieben wird versucht, die Betroffenen möglichst rasch in neuen Stellen unterzubringen. Besonders für die Lernenden wird dringend nach einer Lösung gesucht, damit sie ihre Ausbildung abschliessen können.
Die Ostschweizer Wirtschaft steht massiv unter Druck. In den letzten Monaten kündigten mehrere Unternehmen aus der Region an, dass sie entweder massenhaft Jobs streichen oder gar ihre Türen schliessen. Ein Beispiel ist die Wagner AG mit Hauptsitz in Waldstatt AR: Das Familienunternehmen wird nach mehr als 80 Jahren liquidiert. Dort fallen 71 Arbeitsplätze weg.
Pandemie, Lieferketten, Ukraine-Krieg
Auch bei der Wagner AG blieb eine Rettung aus. Der Umbruch in der Autoindustrie, die Folgen der Pandemie und Lieferkettenprobleme sowie der Ukraine-Krieg und die Energiekrise hatten dem Unternehmen stark zugesetzt. Dazu kamen eine schwache Nachfrage, Überkapazitäten und wachsender Preisdruck – ebenso wie hohe Energie- und Personalkosten und der starke Franken. Es sind die klassischen Gründe, unter denen viele Industriebetriebe leiden.
Ein weiteres Beispiel ist der Aluminium-Druckguss-Spezialist Aluwag aus Niederbüren SG: Gegen das St. Galler Traditionsunternehmen wurde Ende September der vorläufige Konkurs eröffnet. Was bei Wagner und Liosaplast schon bitterer Ernst ist, steht bei Aluwag vorerst noch in den Sternen: Wie es mit dem Betrieb, den Kunden und den über 100 Angestellten weitergeht, ist völlig unklar.