VA Nachbarschaftsstreit Vättis SG wegen Mauer
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Anwohnerin Regina Jäger:«Ich lasse mir nicht einfach etwas wegnehmen»

Überwachungskameras, Flutlicht und Anzeigen – Nachbarschaftsstreit in Vättis SG eskaliert
«Komme mir vor wie auf Sizilien bei der Mafia!»

Im beschaulichen Dorf Vättis SG im Taminatal ist die Welt nicht mehr in Ordnung. Hier tobt seit einiger Zeit ein erbitterter Nachbarschaftsstreit zwischen Regina Jäger (75) und der Nachbarsfamilie M.* Blick hat die Streithähne besucht.
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Regina Jäger (75) ist wütend.
Foto: Sandro Zulian

Darum gehts

  • In Vättis streiten Regina Jäger und Familie M. um die Grundstücksgrenze
  • Gerichte gaben M. recht; Jägers Rechtsmittel scheiterten.
  • Behörden halten die neue Mauer für zulässig, Jäger kämpft weiter.
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Sandro ZulianReporter News

Im Taminatal, am Fusse des beeindruckenden Calanda, passiert nicht viel. Das abgelegene Dorf Vättis SG präsentiert sich ruhig, ab und zu rauschen Velofahrer durch die engen Gässchen. Doch der Schein trügt. Hier tobt seit geraumer Zeit ein verrückter Nachbarschaftsstreit.

Früher pflegte man einen respektvollen Umgang, heute schweigen sich die zerstrittenen Familien Jäger und M.* in Vättis SG gnadenlos an.

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An der Fassade des Holzhauses der Familie M.* zeigen verschiedene Kameras in Richtung Nachbarparzelle. Dort wiederum beäugen Regina Jäger (75) und ihre Tochter das Nachbarhaus argwöhnisch vom Balkon aus.

Jäger hat sich bei Blick gemeldet, nachdem Ende September plötzlich Bagger auffuhren und eine Mauer aufzogen. Direkt vor ihrer Nase! Ihre Buchsbaum-Hecke und ihr Holzzaun wurden kurzerhand aus dem Boden gerissen. Der Garten von Jägers Tochter liegt jetzt fast gänzlich im Schatten. «Z'underobsi» sei der Garten jetzt, sagt Jäger.

Nachbarin droht Blick direkt mit Klage

Regina Jäger, früher jahrzehntelang bei einer Gebäudeversicherung und in der Vermessung angestellt, alarmierte die Polizei und das Bauamt der Gemeinde Pfäfers, zu der Vättis gehört. «Doch niemand hilft uns», so die 75-Jährige verzweifelt.

Eine derartige Mauer, direkt an der Grundstücksgrenze, sei ganz bestimmt nicht konform, ist sie sich sicher. «Solche Mauern brauchen einen Mindestabstand von 50 Zentimetern zur Grundstücksgrenze», sagt Jäger. Ganz unrecht hat sie damit nicht: Handelt es sich bei den neu aufgestellten «L-Steinen» an Jägers Grenze um eine Stützmauer und nicht um eine «tote Einfriedung», dann bräuchte es tatsächlich einen Grenzabstand von 50 Zentimetern – und eine Baubewilligung. Gemäss Bauamt Pfäfers erfülle diese Mauer aber «keine Stützfunktion». Sie darf bis 1,80 Meter hoch sein – und direkt an der Grenze stehen.

Blick aus dem Garten von Regina Jäger.
Foto: Sandro Zulian

Auch die Nachbarin, Petra M.*, spricht auf der Baustelle kurz mit Blick. Sie verbietet kurzerhand sämtliche Aufnahmen. «Es folgt sonst sofort eine Klage!», lautet die Ansage. Es ist ein weiterer Tiefpunkt in einem Nachbarschaftsstreit, der schon vor Jahren begann.

Ein langwieriger Zoff

Ab 2022 begann die Nachbarsfamilie von Petra M. mit der Planung und dem Bau ihres Holzhauses. Erst ging alles gut, doch bald bahnte sich der Krach an. Die Nachbarn sind sich über den Verlauf der Grundstücksgrenze uneins. Beide beanspruchen einen kleinen Streifen Land zwischen den Parzellen. Die Nachbarsfamilie M. klagte.

2025 entschied das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland erstmals gegen Regina Jäger. Das strittige Land in der Mitte gehört laut Plänen und Geometer-Ausmessungen der Familie M.

Jägers Zaun und die Buchsbaum-Hecke müssen weg – auch wenn Ersterer schon Jahrzehnte dort stand und die Grenze gemäss Jäger früher einmal «für gut befunden» wurde.

Jäger zog weiter vors Kantonsgericht St. Gallen. Weil sie aber den Kostenvorschuss nicht bezahlte, trat das Gericht nicht auf ihre Berufung ein. Das war im Januar 2026.

Vättis wird zum Thema beim Bundesgericht

Der Fall geht weiter ans Bundesgericht. Die Bundesrichter kommen einen Monat später zum Schluss, dass Jägers Berufung «weder explizit oder wenigstens dem Sinn nach Verfassungsrügen» enthalte. Ihre Argumentation bestehe aus «diversen Behauptungen». Das Fazit von ganz oben: «Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.»

Die Streithähne schenken sich nichts mehr. Jäger meldet «nächtliche Arbeiten» des Nachbarn nach 22 Uhr und an Sonntagen mehrfach bei der Polizei. Sie fühlt sich gestört von der «Flutlichtanlage», die die Nachbarn montiert haben.

Stein des Anstosses: Die Leuchte der Nachbarn.
Foto: zVg

«Lichtterror» des Nachbarn nennen Jäger und ihre Tochter das. An Schlaf sei nicht zu denken.

Eine Anzeige wegen Diebstahls gabs von Jäger noch obendrauf, weil die Nachbarn ihrer Meinung nach ein von Jäger aufgestelltes Rohr beim Grenzpunkt abgesägt und mitgenommen hätten. Jäger ist sich sicher, dass sie im Recht ist und sagt gegenüber Blick: «Ich komme mir vor wie auf Sizilien bei der Mafia!»

Behörden am Ende mit ihrem Latein

Auf Nachfrage geben sich Gemeinde und Polizei gleichermassen geschlagen. Es scheint, als kämpfe Jäger zwar mit Inbrunst – aber gegen Windmühlen. Kantonspolizei-Sprecher Milo Frey bestätigt, dass Patrouillen «in den vergangenen Jahren mehrmals nach Vättis ausgerückt sind». Hinzu kommen unzählige Mails und Telefonanrufe.

Der Gemeindepräsident von Pfäfers, Josef Riederer (61, SVP), sagt auf Blick-Anfrage, dass man mit Regina Jäger das Möglichste versucht hat. «Leider ist es uns nicht gelungen, die bei Frau Jäger emotional negativ festgefahrene Haltung auf sachlicher Ebene zu schlichten.»

Josef Riederer (61, SVP), Gemeindepräsident von Pfäfers SG
Foto: zVg

In einem Schreiben an Jäger, das Blick vorliegt, rät der Gemeindepräsident: «Die Familie hat jetzt nun mal dort ihr neues Zuhause und es wäre wünschenswert, wenn Sie sie endlich in Frieden leben lassen würden.»

Regina Jäger denkt nicht daran. Trotz Klatschen vor allen Instanzen macht sie weiter. Gegen die Mauer vor der Nase hat sie unlängst eine anfechtbare Verfügung verlangt. Die Gemeinde verwehrte ihr diese, also reklamierte sie abermals beim Baudepartement des Kantons. Das letzte Wort dürfte noch nicht gesprochen sein.

*Name geändert

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