Darum gehts
- Ramona Frischknecht (26) deckt möglichen illegalen Welpenimport nach der Adoption auf
- Der Impfpass des Hundes war gefälscht, keine Tollwut-Antikörper nachweisbar
- Fall verursachte 1000 Franken Kosten und 7 Wochen Quarantäne für den Welpen
Eigentlich wollte Ramona Frischknecht (26) aus dem Kanton St. Gallen nur einem geretteten Mischlingswelpen ein liebevolles Zuhause geben. Als sie im Oktober 2025 die damals drei Monate alte Hündin für 400 Franken übernahm, ahnte sie nicht, dass sie sich damit möglicherweise in einen illegalen Welpenimport verstrickte. Zu Blick sagt sie: «Ich habe meinen Hund aus Bosnien geholt – und dann begannen die Probleme.»
Gefunden hatte sie das Tier mit dem Namen Nayla über die Facebook-Seite «Staffi-Nation», benannt nach der Hunderasse Staffordshire Bullterrier. Nayla ist ein Stafford-Mischling.
Staffordshire Bullterrier gelten in der Schweiz als Listenhunde. In den Kantonen Zürich, Genf oder Wallis ist die Haltung dieser Rasse verboten. In Frankreich ist sogar die Einreise mit den muskulösen Hunden untersagt. Im Kanton St. Gallen dagegen gibt es kein Verbot.
Erste Unstimmigkeiten aufgefallen
Ein erster Verdacht über Unregelmässigkeiten kam Ramona Frischknecht beim Blick in die Dokumente. «Der Impfpass konnte gar nicht stimmen», sagt sie. Denn trotz des jungen Alters des Welpen waren bereits mehrere Impfungen eingetragen – laut Frischknecht teilweise mit unmöglichen Daten. «Es waren Impfungen vermerkt, da war der Wurf von Nayla noch gar nicht geboren», sagt die Hundehalterin.
Besonders kritisch ist das in Bezug auf die Tollwutimpfung: Diese ist für Reisen ins Ausland zwingend erforderlich.
Selbstanzeige und Quarantäne
Wegen der Unstimmigkeiten ging Frischknecht zu einem Tierarzt. Dieser reagierte sofort und schickte sie direkt zum zuständigen Veterinäramt. Der Tierarzt machte klar: Sollte der Impfstatus nicht korrekt sein, wäre der Hund ohne gültige Tollwutimpfung in die Schweiz eingeführt worden – ein klarer Verstoss gegen die Einfuhrbestimmungen.
Frischknecht entschied sich für eine Selbstanzeige und liess das Blut von Nayla testen. Um das Tier behalten zu dürfen, musste die junge Frau ihre Hündin dann sieben Wochen in strikter häuslicher Quarantäne halten: kein Kontakt zu anderen Tieren, nur kurz zum Versäubern ins Freie, danach sofort wieder in die Wohnung.
Der Bluttest in Bern brachte schliesslich Gewissheit: Im Blut des Welpen waren keinerlei Tollwut-Antikörper nachweisbar. Der offizielle Impfpass erwies sich damit als gefälscht.
Vorwürfe und Gegenwehr
Frischknecht sagt: «Nayla wurde vermutlich in einem Wald in Bosnien geboren.» Bezüglich Tollwut gilt Bosnien als Risikoland. Falsche Impfpapiere könnten also zur Folge haben, dass Hunde mit Tollwut in die Schweiz kommen.
Im Kaufvertrag sei ihre Hündin zudem als «Labrador» deklariert gewesen, tatsächlich handelt es sich gemäss Frischknecht aber eben um einen Stafford-Mischling.
Hohe Zusatzkosten
Für Frischknecht hatte die Geschichte auch finanzielle Folgen: rund 600 Franken zusätzliche Kosten für die Tests beim Veterinäramt, die Tollwutimpfungen und behördliche Auflagen.
Frischknecht zeigt sich enttäuscht vom Umgangston der Hundevermittlerin, nachdem sie sich bei «Staffi-Nation» gemeldet und auf die Unkosten sowie die Unstimmigkeiten aufmerksam gemacht hatte. Sie hat mehrere Sprachmemos erhalten, in denen die Betreiberin der Seite erklärt, warum Frischknechts Kritikpunkte nicht stichhaltig seien. «Sie hat mich behandelt, als hätte ich keine Ahnung von Hunden», sagt Frischknecht.
Betreiberin spricht von «Schmutzkampagne»
Die Betreiberin von «Staffi-Nation» betont auf ihrer Facebookseite, sie habe noch nie Fehlverhalten gezeigt. Sie spricht von einer laufenden «Schmutzkampagne» sowie «Cybermobbing» gegen ihre Person.
Gleichzeitig bittet sie weiterhin um Spenden. Unter anderem können Unterstützer für fünf Euro an einer Aktion teilnehmen, bei der sie einen Namen für einen geretteten Hund vorschlagen dürfen. Unter allen Zahlenden wird dann ausgelost, wer den Namen bestimmen darf.
Auf die Konfrontation von Blick hat «Staffi-Nation» nicht reagiert. Jedoch erhielt Frischknecht danach 100 Franken per Paypal zurückerstattet. Heute ist Nayla acht Monate alt. Die Hündin ist gesund und darf bei ihrer Halterin bleiben.