Darum gehts
- Das Kreisgericht Rorschach verurteilt Hypnotiseur Mario K. wegen zweifacher Schändung
- Er nutzte Hypnose, um Frauen in Trance sexuell zu missbrauchen
- Er erhält 12 Monate bedingte Haft und dreijähriges Tätigkeitsverbot
Er nutzte das wehrlose Vertrauen seiner Opfer schamlos aus: Das Kreisgericht Rorschach hat Mario K.* (60) wegen Schändung in zwei Fällen schuldig gesprochen. Der Ostschweizer Hypnotiseur versetzte Frauen in Trance und missbrauchte sie sexuell. Jetzt wurde er verurteilt. Das Strafmass: eine bedingte Freiheitsstrasse von 12 Monaten. Dazu ein dreijähriges Tätigkeitsverbot. Das berichtet, das «St. Galler Tagblatt» berichtet. Die Staatsanwaltschaft forderte ursprünglich sechs Jahre und drei Monate Haft sowie ein lebenslanges Tätigkeitsverbot wegen Rückfallgefahr. Die Verteidigung verlangte einen Freispruch.
Am Ende gab es ein mildes Urteil. Der vorsitzende Richter gab zu, dass die Bewertung von Hypnose als Einflussmittel extrem schwierig sei.
Nach der Hypnose massierte er die Bäuche der Frauen
Das Gericht verurteilte Mario K. wegen Schändung statt sexueller Nötigung. Der Grund: Er nutzte die Widerstandsunfähigkeit der Frauen bewusst aus. Vergewaltigungen seien das aber nicht, so der Richter. Mit Hypnose könne man den Willen herabsetzen. Der Richter stellte klar: «Hätte das Opfer sexuelle Berührungen gewollt, hätte es eine erotische Massage und keine Hypnose gebucht.»
Die Taten liefen im Studio immer ähnlich ab. Laut Anklage schloss der Mann die Fenster, zog die Vorhänge zu und liess Entspannungsmusik laufen. Nach der Hypnose massierte er die Bäuche der Frauen und berührte sie im Intimbereich. Eine Frau forderte er auf, die Hosen auszuziehen. Sie weigerte sich.
Arbeitet seit 2008 als selbständiger Hypnose-Coach
Im dritten Fall gab es einen Freispruch. Eine Frau hatte wochenlang eine Affäre mit dem Therapeuten. Sie wusste nicht mehr sicher, ob die Berührungen während oder nach der Hypnose passierten. Der Richter begründet: «Wenn die Hypnose beendet ist, ist die Widerstandsunfähigkeit vollständig aufgehoben.»
Der Verurteilte arbeitet seit 2008 als selbständiger Hypnose-Coach – ohne anerkannte Ausbildung. Das ist in der Schweiz legal, da der Beruf nicht staatlich überwacht wird. Der Mann bestreitet alle Vorwürfe. Er kann das Urteil an das Kantonsgericht weiterziehen.
* Name geändert