Offenbar führt kein Weg an Genf vorbei
Russland lästert über die Schweiz – und kommt trotzdem

Moskau nennt die Schweiz «unfreundlich» und «nicht neutral» – und schickt trotzdem Diplomaten nach Genf. Gleich zweimal: für Ukraine-Gespräche und jetzt Atom-Verhandlungen. Russland sieht darin keinen Widerspruch.
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Partnerschaft auf Verhandlungsebene wider Willen: Russland bezeichnet die Schweiz als unfreundlich, hat für hochrangige Gespräche aber offenbar keine bessere Wahl als Genf.
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Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Russland nennt Schweiz «unfreundlich», dennoch Ukraine- und Atom-Gespräche in Genf
  • Genf aus logistischen Gründen gewählt, trotz Kritik an Schweizer Neutralität
  • Erste Atomrunde seit New-Start-Vertragsablauf Anfang Februar 2026
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Moskau nennt die Schweiz «unfreundlich» und «nicht neutral». Trotzdem treffen sich Diplomaten in Genf – für Ukraine-Gespräche und Atom-Rüstungskontrolle.

Dass Russland die Schweiz nicht liebhat, das machte Moskaus Botschafter Sergej Garmonin (73) in Bern diese Woche unmissverständlich klar: Die Schweiz sei «unfreundlich» gegenüber Moskau, habe ihre Neutralität verloren und tauge nicht als «ehrlicher Makler» in Verhandlungen, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Tass.

Und trotzdem: Die russischen Delegierten fliegen nach Genf. Erst für Ukraine-Gespräche im Trilateral-Format. Dann für eine gestrige Atomrunde mit den USA – die erste seit dem Ablauf des New-Start-Vertrags Anfang Februar. Wie Reuters berichtet, haben sich US-Gesandte am Montag in Genf mit einer russischen Delegation getroffen, um die Ausarbeitung eines möglichen multilateralen Atomwaffenkontrollvertrags zu erörtern.

Logistik schlägt Ideologie

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow (58) lieferte die Begründung: Genf sei «aufgrund des Terminplans aller drei Parteien» für Ukraine-Verhandlungen gewählt worden, so Tass. Botschafter Garmonin legte nach: Man sehe «nichts Aussergewöhnliches» in der Anreise – schliesslich gab es «logistische Gründe», dass Praxis wichtiger schien als politische Kritik.

Garmonin räumte immerhin ein, Bern sei «zurückhaltender als viele andere westliche Länder» im Ukraine-Konflikt. Das reicht Moskau für eine Gesprächsplattform – aber eben nicht für echte Neutralität.

Schweiz hält Tür offen

Bern lässt sich von den russischen Spitzen nicht beirren. Das Aussenministerium erklärte gegenüber Tass, man sei «in Kontakt mit allen Parteien» und biete «konsequent seine Guten Dienste an», so Pierre-Alain Eltschinger, Mediensprecher des Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Für eine weitere Verhandlungsrunde stehe die Schweiz bereit – falls die Parteien es wünschten.

Russland findet die Schweiz nicht ideal. Aber offenbar gibt es keine bessere Option. Und solange Genf als Treffpunkt funktioniert – für Ukraine, für Atomfragen, für alles, was sonst nirgends stattfinden kann –, werden die russischen Delegationen wohl weiter anreisen. Und weiter nörgeln.

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