Neue Kreml-Doktrin
Putin macht Atombombe zur «unbedingten Priorität»

Putin hat seine neue Atom-Doktrin präsentiert. Der Kreml setzt auf ein altbekanntes Prinzip des 20. Jahrhunderts: Sicherheit durch Angst. Das atomare Zeitalter ist zurück.
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Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Sonntag eine womöglich folgenschwere Erklärung gemacht. Russland will wieder voll auf nukleare Aufrüstung setzen.
Foto: kreml.ru

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Putin erklärte am 22. Februar nukleare Aufrüstung zur obersten Priorität
  • Russland besitzt das grösste Atomarsenal der Welt mit 6000 Sprengköpfen
  • New Start-Vertrag mit USA ausgelaufen – keine Obergrenzen für Atomwaffen
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Während Europa über Friedenspläne und Ukraine-Verhandlungen diskutiert, sendet der Kreml eine unmissverständliche Botschaft: Russland rüstet atomar auf – kompromisslos und mit Nachdruck.

Russlands Präsident Wladimir Putin (73) spricht von einer neuen «unbedingten Priorität»: Der Kreml will voll auf nukleare Aufrüstung setzen. Putin hat am Sonntag, einen Tag vor dem heutigen Feiertag des russischen Vaterlandsverteidigers, eine klare Ansage gemacht. Er erklärte die sogenannte nukleare Triade zur «unbedingten Priorität» des Kremls. Diese Triade bezeichnet die dreigliedrige Struktur moderner Nuklearstreitkräfte, bestehend aus landgestützten Interkontinentalraketen, U-Boot-gestützten ballistischen Raketen sowie strategischen Bombern.

Moskau setzt voll auf die Bombe. In einer am späten Sonntag vom Kreml veröffentlichten Botschaft erklärte der russische Präsident: «Die Entwicklung der nuklearen Triade, die Russlands Sicherheit garantiert und es uns ermöglicht, strategische Abschreckung und das Gleichgewicht der Kräfte in der Welt wirksam zu gewährleisten, bleibt unsere unbedingte Priorität.»

Dreigestirn des Schreckens

Im Zentrum von Putins Ankündigung steht die nukleare Triade – eine Kombination, die kein Angreifer vollständig ausschalten kann. Sie ermöglicht einen Atomschlag aus allen Richtungen und soll nun beschleunigt ausgebaut werden. Die Botschaft an den Westen ist eindeutig: Russland will militärische Stärke nicht mehr primär über konventionelle Armeen demonstrieren, sondern über nukleare Abschreckung.

Timing ist kein Zufall

Putins Ankündigung kommt zu einem hochbrisanten Zeitpunkt. Der letzte grosse Abrüstungsvertrag zwischen den USA und Russland, New Start, ist Anfang Februar ausgelaufen. New Start steht für «New Strategic Arms Reduction Treaty», also «Neuer Vertrag zur Verringerung strategischer Waffen». Damit existieren erstmals seit Jahrzehnten praktisch keine verbindlichen Obergrenzen mehr für die grössten Atomarsenale der Welt. Sicherheitsexperten sprechen bereits offen von einer neuen Ära des nuklearen Wettrüstens.

Gleichzeitig laufen Friedensverhandlungen zur Ukraine – in Genf, mit US-Sondergesandten, unter höchstem diplomatischem Druck. Putins Auftritt sendet ein klares Signal: Am Verhandlungstisch sitzt jemand, der sich nuklear unverwundbar fühlt.

Europa im atomaren Schatten

Atomwaffen dienen Putin jetzt als politisches Druckmittel – als Instrument der Einschüchterung, nicht bloss als letzte Verteidigungslinie.

Für Europa ist die Entwicklung besonders brisant. Russland besitzt das weltweit grösste Atomarsenal – rund 6000 Sprengköpfe. Wenn dessen Ausbau zur «unbedingten Priorität» erklärt wird, rückt der atomare Schatten näher.

Putins eigentliche Absicht: Er erklärt Russland mit der neuen Doktrin für unverwundbar. Wirtschaftliche Stärke und diplomatische Allianzen scheinen ihm zweitrangig. Atomwaffen sollen Russland dauerhaft absichern – unabhängig von Sanktionen, Kriegskosten und internationaler Isolation.

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