Darum gehts
- Frauen besetzen nur 22,4 Prozent der Geschäftsleitungspositionen in Schweizer Firmen
- Unter den CEOs sind nur 9 Prozent Frauen
- 27,1 Prozent Frauenanteil in SMI-Konzernen, aber 19 Firmen ohne weibliche Führung
In den Führungsetagen grosser Schweizer Unternehmen sitzen weiterhin kaum Frauen. Das zeigt ein soeben veröffentlichter Bericht der deutsch-schwedischen Allbright-Stiftung.
Der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen der 100 grössten börsenkotierten Schweizer Firmen lag per 1. Juli 2026 bei 22,4 Prozent. In den Kontrollgremien zeigt sich ein besseres Bild: In den Verwaltungsräten dieser Unternehmen beträgt der Frauenanteil 36,4 Prozent.
Gleich viele Urs, Beats oder Retos wie Frauen
Die Dynamik der Nachbesetzung dieser Positionen lässt keine rasche Veränderung erwarten. Zwischen 1. Juli 2025 und 1. Juli 2026 wurden 97 neue Geschäftsleitungsmitglieder berufen. Von diesen waren lediglich 25 Prozent Frauen.
Ein zentrales Problem bleibt der Zugang zu den eigentlichen Machtpositionen. Je einflussreicher die Funktion, desto seltener sind Frauen darin anzutreffen: Unter den CEOs der 100 untersuchten Börsenunternehmen stellen Frauen – darunter Magdalena Martullo-Blocher (Ems-Chemie) und Suzanne Thoma (Sulzer) – lediglich 9 Prozent. Die Präsidentschaft von Verwaltungsräten liegt gar zu 94 Prozent in Männerhand. Wie extrem diese Monokultur an der Spitze ausgebildet ist, zeigt ein Vergleich: Unter den Verwaltungsratspräsidenten der 100 wertvollsten Schweizer Börsenunternehmen gibt es genauso viele Männer mit Namen Urs, Beat oder Reto (zusammen sechs) wie Frauen im gleichen Amt (ebenfalls sechs).
Je grösser und transparenter ein Unternehmen, desto ausgewogener ist jedoch auch die Führung aufgestellt. Bei den 20 SMI-Konzernen beträgt der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen 27,1 Prozent. Bei mittleren Unternehmen sind es noch 23,3 Prozent, bei kleineren lediglich 19,1 Prozent. Während von den SMI-Schwergewichten nur zwei (Geberit und Swiss Life) ohne eine einzige Frau in der Geschäftsleitung auskommen, sind noch immer 19 von 100 Börsenunternehmen komplett ohne weibliche Vertretung im operativen Führungsgremium.
Voraussetzungen wären gut
Im internationalen Vergleich landet die Schweiz mit 27,1 Prozent Frauenanteil in den Geschäftsleitungen der 20 grössten börsenkotierten Unternehmen im Mittelfeld. Sie liegt zwar deutlich vor Österreich (14,5 Prozent) und Italien (17,8 Prozent), hinkt aber Grossbritannien (35,1 Prozent) und Frankreich (31,8 Prozent) hinterher.
Der Bericht stellt fest, dass in der Schweiz die Voraussetzungen für einen hohen Frauenanteil im Topmanagement grundsätzlich gut sind: Die Frauenerwerbsquote liegt im europäischen Vergleich hoch, und Frauen verfügen hierzulande über ein hohes Bildungsniveau. Entscheidend sei jedoch «der Wille der Unternehmen, weibliche Kompetenzen bis in die obersten Führungsetagen zu befördern», argumentieren die Studienautorinnen.