Darum gehts
- Dem Hotel Chrüz in Oensingen SO wurden 660 Franken gestohlen
- Hotelchef Christian Riesen warnt andere Betriebe
- Überwachungsaufnahmen zeigen Täter
«Ich bin selbst überrascht, wie unverfroren die vorgegangen sind.» Ein Hotel in Oensingen SO wurde Opfer eines dreisten Diebstahls. Zwei Männer besuchten die sogenannte «Air Force Lounge» im Hotel Chrüz, verwickelten eine Mitarbeiterin in ein Gespräch und liessen anschliessend 660 Franken mitgehen.
Hotelchef Christian Riesen veröffentlichte dazu einen Facebook-Post mit Aufnahmen einer Überwachungskamera, die die mutmasslichen Täter zeigen. In dem Beitrag beschreibt er detailliert, wie die Täter vorgegangen sind.
Ihm geht es dabei nicht darum, sich über den Vorfall zu beklagen, wie er im Gespräch mit Blick erklärt. Vielmehr will er andere Betriebe auf eine Masche aufmerksam machen, die sich innerhalb weniger Sekunden abspielen kann.
Geld innert 40 Sekunden weg
Zunächst habe einer der Männer eine Mitarbeiterin nach der Toilette gefragt und anschliessend eine Packung M&Ms gekauft. Dabei habe er offenbar genau beobachtet, wo sich die Kasse befindet.
Kurz darauf verabschiedete sich der Mann. Wenig später tauchte sein Komplize auf. «Er klopfte an die Tür und verwickelte die Mitarbeiterin in ein Gespräch», erklärt Riesen. Während die Mitarbeiterin abgelenkt gewesen sei, sei der erste Mann zurückgekommen und habe die Kasse mit dem darin aufbewahrten Notengeld geöffnet.
Wenig später waren die beiden Männer wieder verschwunden – ebenso die 660 Franken. «Das Ganze dauerte weniger als 40 Sekunden. Das hätte jedem passieren können», stellt Riesen klar.
Gerade deshalb habe er sich entschieden, den Vorfall öffentlich zu machen, und betont dabei explizit die kurze Zeit, in der die Tat passiert ist. «Man muss wirklich sensibilisiert sein. Es kann so schnell gehen.» Die Aufnahmen sollen zeigen, wie unscheinbar eine solche Ablenkung wirken kann – und wie schnell daraus ein Diebstahl entstehen kann.
Sicherheit versus Gastfreundschaft
Der Fall ist für Riesen auch beruflich interessant. Er beschäftigt sich selbst mit dem Thema Sicherheit und damit, wie sich Menschen und Unternehmen vor Angriffen schützen können. Eine Garantie, nie Opfer zu werden, sei das jedoch keineswegs. «Nur weil einem das Thema Sicherheit nicht fremd ist, heisst das nicht, dass man nie selbst betroffen ist.»
Dieser Gegensatz sei auch für ihn lehrreich gewesen. Sicherheitslücken müssten nicht immer technisch sein. Manchmal reiche ein kurzes Gespräch, damit jemand unbemerkt an die Kasse gelangen kann. «Aufgrund dessen werden wir nochmals über die Bücher gehen und Massnahmen treffen.»
Eine Festung soll das Hotel Chrüz jetzt aber nicht werden. «Wir haben zu 99 Prozent fantastische Begegnungen. Gastfreundschaft ist uns sehr wichtig, da kann man nicht jeden Kunden unter Generalverdacht stellen, dass er etwas Böses vorhat.» Aus diesem Grund sei es ein ständiges Abwägen zwischen Sicherheit und Offenheit, die von den meisten sehr geschätzt werde.
Für Riesen sei der Vorfall mittlerweile abgeschlossen. Die Videos der Überwachungskamera hat er an die Kantonspolizei Solothurn weitergegeben. Diese bestätigt auf Anfrage einen Einsatz an der Örtlichkeit. Die Ermittlungen laufen.