Darum gehts
- SBB schliessen ab Januar 13 weitere Schalter an kleineren Bahnhöfen
- Nur noch 3 Prozent aller Billette werden am Schalter gekauft
- Stellen werden keine abgebaut, doch die langfristige Zukunft der Schalter ist unklar
Ab nächstem Jahr stehen Kundinnen und Kunden an Bahnhöfen quer durch die Schweiz vor geschlossenen Schaltern. Die SBB stellen weitere 13 Reisezentren ersatzlos auf Selbstbedienung um. SBB-Sprecher Moritz Weisskopf bestätigt den Schritt gegenüber Blick. Für Passagiere bedeutet das längere Wege zur nächsten persönlichen Beratung – im schlimmsten Fall bis zu 30 Minuten mehr Fahrzeit mit dem ÖV.
Ab dem 1. Januar sollen die bisher bedienten Reisezentren schliessen. Betroffen sind die Reisezentren in Arbon TG, Brunnen SZ, Döttingen AG, Frick AG, Genève-Eaux-Vives GE, Laufen BL, Oensingen SO, Rotkreuz ZG, Schönbühl Shoppyland BE, St. Margrethen SG, Stein am Rhein SH, Uznach SG und Ziegelbrücke GL.
Stillschweigender Abbau
Die Schliessungen kommunizierten die SBB nur leise. Laut Weisskopf wurden sechs regionale Medienmitteilungen verschickt. Bei Anpassungen an einzelnen Bahnhöfen sei das so üblich. Auf der offiziellen Website der SBB sucht man diese Mitteilungen vergeblich.
Aus Sicht der SBB ist der Schritt logisch: Fast der gesamte Billettverkauf läuft inzwischen automatisch. 97 Prozent aller Billette werden über Selbstbedienung bezogen – 85 Prozent davon digital per App oder Website. Nur mickrige 3 Prozent der Tickets gehen heute noch über den Schaltertisch. Zum Vergleich: 2019 waren es noch knapp 10 Prozent.
Schalter-Sterben setzt sich fort
Die Zahl der bedienten Verkaufsstellen ist in den vergangenen zehn Jahren gewaltig gesunken. Ende 2016 waren es noch 169, wie Weisskopf bestätigt. Heute sind es nur noch 115. Ab 1. Januar 2027 werden es nur noch 102 sein.
Ganz abschaffen können die SBB die persönliche Beratung aber nicht. «Persönliche Beratung bleibt ein wichtiger Bestandteil des Angebots, insbesondere bei komplexeren Anliegen», betont Weisskopf. Wer ein spezielles Abo benötigt, Bargeld wechseln will oder eine Echtheitsbestätigung eines wichtigen Dokuments braucht, muss künftig auf eines der verbleibenden 102 Reisezentren ausweichen.
Zukunftsfrage bleibt offen
Immerhin: Die Angestellten verlieren ihre Stellen nicht. «Es kommt zu keinen Entlassungen; die betroffenen Mitarbeitenden können ihre Tätigkeit in anderen Reisezentren fortsetzen», versichert der SBB-Sprecher.
Ob es in zehn Jahren überhaupt noch bediente SBB-Schalter gibt? Da will sich Weisskopf nicht festlegen. «Wie viele Standorte es im Jahr 2036 geben wird und wie diese konkret ausgestaltet sein werden, lässt sich heute nicht seriös vorhersagen», so der Sprecher. Die SBB wollen die bestehenden Reisezentren aber weiterentwickeln, mit Beratungs- und Servicetheken. Von SBB-Sprecher Weisskopf heisst es: «Persönliche Beratung soll auch künftig wichtig bleiben.»