Darum gehts
- Wohnwagen von Fahrenden seit 14. August auf Feld in Wangen SO
- Bauer wurde angeblich mit Heissluftballon-Start getäuscht, Mietpreis 10'000 Franken
- Fahrende dürfen generell maximal 14 Tage bis vier Wochen bleiben
In Wangen bei Olten SO gibt es derzeit nur ein Thema: die etwa 30 Wohnwagen, die auf einem Feld etwas ausserhalb des Dorfes platziert sind. Der Verdacht: Es sind Fahrende. Heisst: Menschen ohne festen Wohnsitz, die traditionell als Handwerker, Händler oder Schausteller umherreisen. Meist sind es Jenische, Sinti oder Roma.
In Wangen wird kontrovers diskutiert, auf welche Art und Weise die Fahrenden sich das Feld mieten konnten. Ihren Unmut darüber öffentlich kundzutun, getraut sich jedoch niemand. Vor allem nicht die direkten Anwohnerinnen und Anwohner des betroffenen Feldes, die beim Blick-Besuch daheim waren.
Bauer erhielt anonymen Hass-Brief
Laut Recherchen von Blick soll der Bauer, der das Feld den Fahrenden vermietet hat, jedoch getäuscht worden sein. Der Patron der Fahrenden soll ihm gesagt haben, dass er das Feld gerne für einen Heissluftballon-Start mieten möchte. Er wisse aber noch nicht, wann dies genau sein werde. Er möchte das Feld gerne bis Ende September mieten. Es würden zwei oder drei Wohnwagen darauf abgestellt werden.
«Ich kann bestätigen, dass ich das Feld ab dem 14. August vermietet habe», sagt der zuständige Bauer. Mehr möchte er dazu nicht sagen. Doch eines macht ihn wütend: ein anonymer Hass-Brief, den er erhalten hat. Der Landwirt deckt seine Adresse darauf ab und zeigt ihn Blick zur Veröffentlichung.
Mafia-Vorwürfe
Im Brief heisst es, was ihm in den Sinn komme und was er sich dabei gedacht habe, dieses «lärmende Saupack» mit all den Wohnmobilen, Offroadern und bellenden Hunden auf seinen ihm «stets dienenden Feldern ansiedeln zu lassen»? Seine Antwort sei gewesen, so steht es im Brief, er sei «hauptsächlich gierig auf das lukrative Geschäft mit der Mafia» gewesen. «Mein dadurch leidendes Vieh, die Natur, die Nachbarn und etc. sind mir sch.... egal», wird dem Bauern in den Mund geschoben. Er soll sich schämen, heisst es weiter. Und am Ende noch: «Gott sei Dank müssen deine geschätzten Eltern diese Skrupellosigkeit nicht miterleben.»
Der Bauer sagt dazu: «Das ist einfach eine Frechheit. Ich habe nicht gewusst, dass plötzlich so viele Wohnwagen auffahren. Zudem sind es nette Leute, die dort wohnen. Wo sollen sie denn sonst hin?»
10'000 Franken Miete
Die Fahrenden sind so nett, dass der Bauer ihnen sogar Wasser und Strom gibt. Wie viel Geld er für die ganze Dienstleistung erhalten hat, will der Landwirt nicht sagen. Doch auf dem Feld der Fahrenden erfährt Blick von einer nahen Person des Patrons, der gerade nicht da ist, dass sie «10'000 Franken bezahlt» hätten. Die Frage, ob sie vor Mietbeginn tatsächlich vom Start eines Heissluftballons gesprochen hätten, wollten die Anwesenden nicht beantworten.
Die Kantonspolizei Solothurn sagt auf Blick-Anfrage, dass ihr die Ansammlung von Wohnwagen in Wangen bekannt sei. Im Rahmen der regulären Patrouillentätigkeit würden entsprechende Kontrollfahrten durchgeführt. Bei Fragen zu einer allfälligen Bewilligung müsse man sich an die zuständige Gemeindeverwaltung wenden.
Was sagt die Gemeinde Wangen dazu?
Die Gemeindeverwaltung von Wangen bei Olten erklärt: «Die Situation beschäftigt insbesondere die Anwohnerinnen und Anwohner in der näheren Umgebung.» Die Einwohnergemeinde stehe mit den Beteiligten und den zuständigen Behörden und Amtsstellen in engem Austausch. Die Gemeinde betont, dass der Aufenthalt «im direkten Einverständnis mit dem Grundeigentümer» stattfinde. Am Montagnachmittag habe ein persönlicher Austausch mit allen involvierten Interessengruppen stattgefunden. «Weitere Auskünfte werden von der Einwohnergemeinde keine erteilt.»
Generell dürfen Fahrende auf einem Feld in einer Gemeinde ohne Baubewilligung meist nur maximal zwischen 14 Tagen und vier Wochen bleiben. Da es in der Schweiz zu wenig offizielle Durchgangsplätze gibt, suchen deshalb viele Fahrende das Gespräch mit Landwirten für einen temporären Aufenthalt. So auch in Wangen. Der betroffene Bauer sagt: «Über dieses ganze Gestürm kann ich nur lachen.»