Darum gehts
- 19-Jähriger verursacht am 13. November Unfall in Rupperswil AG
- Fahrer prahlte mit Video über 120 km/h statt erlaubter 50 km/h
- Mercedes erlitt Totalschaden, Fahrer hatte Führerschein erst sei einer Woche
Das Video ist nur wenige Sekunden lang. Doch es schockiert. Zu sehen ist, wie ein Autolenker zu Hip-Hop-Musik viel schneller fährt als die erlaubten 50 km/h, die Kontrolle über seinen Mercedes verliert und auf die Gegenfahrbahn gerät. Dann kommt er von der Strasse ab und versucht noch, gegenzusteuern.
Doch der Fahrer kann den Wagen nicht halten. Er überquert das Trottoir und fährt auf einen Zaun einer Liegenschaft zu. Im Video ist jetzt zu hören, wie ein junger Mann im Auto ängstlich schreit: «Oh, oh!».
Zaun abrasiert und in Hauswand gekracht
Dann rasiert der Wagen den Zaun ab und donnert noch über ein Rasenstück. Am Ende kracht er in eine Wand eines Mehrfamilienhauses. Die Airbags gehen auf, und jetzt schreit wohl der gleiche junge Mann vor Schmerzen: «Ah!»
Blick hat das Video zugespielt bekommen: Es zeigt den Unfall vom 13. November 2025. Damals verunfallte ein 19-Jähriger auf der Aarauerstrasse in Rupperswil AG. Gefilmt wurde der Crash vom 18-jährigen Beifahrer. Es ist ein Wunder, dass niemand verletzt wurde.
Bewohner des betroffenen Hauses schockiert
Jetzt zeigen sich die Bewohner des Mehrfamilienhauses geschockt über das Video. «So etwas geht gar nicht. Zuerst so schnell fahren und dann auch noch filmen», sagt etwa der Hauswart Dibran H.* (35). «Er hätte meine drei Kinder treffen können», sagt er. Denn: «Dort, wo es passiert ist, spielen jeweils meine Kinder, die zwei, sechs und acht Jahre alt sind.» Er zeigt ihr rotes Tretauto, das auf einem Foto der Polizei gleich neben dem Unfallwagen zu sehen ist.
Unfassbar auch: Der Unfall passierte kurz nach 12 Uhr, am helllichten Tag. Heisst: Es hätten auch andere Menschen unterwegs oder bei den Briefkästen sein können. Zum Beispiel Maria L.* (74), die gleich über der Aufprallstelle wohnt. «Ich habe den Knall gehört», sagt die Rentnerin. Aber: «Ich habe nur runtergeschaut und mich nicht getraut, rauszugehen. Das Ganze ist eine schlimme Sache.»
War ein dritter junger Mann im Auto?
Augenzeugen sagen zu Blick, sie hätten nach dem Unfall drei junge Männer beim Mercedes gesehen. Einer der Männer sei weggelaufen, noch bevor die Polizei gekommen sei. Sie können dies mit einem Bild beweisen.
Sicher ist: Die Kantonspolizei Aargau ging schon damals von «übermässigem Beschleunigen» aus und hatte dem Neulenker den Führerausweis auf Probe vorläufig abgenommen – er hatte diesen erst seit knapp einer Woche. Auch der Mercedes wurde für weitere Abklärungen sichergestellt. Da er jedoch laut Polizei einen Totalschaden erlitt, dürfte er wohl nicht mehr beim Lenker gelandet sein. Auf Nachfrage von Blick zu den allfällig neuen Erkenntnissen sagt Kapo-Sprecher Bernhard Graser nur: «Die Ermittlungen sind nach wie vor im Gange.»
Und der Mercedes-Lenker, ein Türke aus dem Aargau? Er will gegenüber Blick nichts zum Unfall sagen – auch nichts zum Video. Er hatte es im Übrigen vom Beifahrer erhalten, selber bei Kollegen herumgeschickt und damit geprahlt. Dabei hat er gemäss einer Person, die den Text gesehen hat, geschrieben: «Schau, ich habe diesen Unfall gemacht. Habe der Polizei gesagt, ich bin nur 30 km/h gefahren. Aber bin in echt 120 km/h gefahren.» Später soll alles wieder gelöscht worden sein.
* Namen bekannt