Tausende Menschen trauen am Dienstag ihren Augen nicht: Auf dem bekannten Todesanzeigenportal im Internet wird ein junges Brüderpaar für tot erklärt. Rolf T.*, mit Jahrgang 2014. Und Kurt T.*, mit Jahrgang 2019. Sie sollen in einem Dorf im Bezirk Baden AG wohnhaft gewesen sein. Doch damit endet die Todesanzeige auch schon, mehr ist nicht zu erfahren.
«Das darf nicht passieren»
Was ist bloss passiert? Ein schrecklicher Unfall, gar ein Verbrechen? Die Anzeige bewegt die Menschen, auch Blick erhält Lesermeldungen dazu. Und findet heraus: Der Zwölfjährige und der Siebenjährige sind gar nicht tot – sie leben! Nachgefragt bei der für todesanzeigenportal.ch verantwortlichen Firma Famads AG mit Sitz in Biel BE heisst es zuerst: «Das war ein äusserst ärgerlicher, technischer Fehler bei der Auswertung einer Quelle. Wir haben diese beiden Meldungen unterdessen gelöscht und uns in aller Form entschuldigt. Das darf nicht passieren.»
Doch es bleiben Fragen. Etwa: Wie konnte dies überhaupt geschehen? Und bei wem hat sich die Firma entschuldigt? Blick fragt nochmals nach. Jetzt wird die Firma konkreter: «Bei todesanzeigenportal.ch, das von uns betrieben wird, waren kurzzeitig zwei falsche Todesmeldungen von noch lebenden Personen abrufbar.»
KI war nicht schuld
Der Hintergrund des Fehlers sei technischer Natur gewesen, schreibt die Famads AG weiter. «Bei einer persönlichen Kontrolle durch eine Mitarbeiterin wurde dieser Fehler aber leider nicht erkannt, was zur Erstellung der beiden besagten Einträge führte», heisst es weiter. Und: Künstliche Intelligenz (KI) sei nirgends verwendet worden. «Wir bedauern diesen Fehler sehr. Das darf nicht passieren», gibt die Firma zu – um dann gleich zu relativieren: «Wo Menschen arbeiten, passieren leider auch mal Fehler. Wir haben circa 2 Millionen Einträge und hatten noch nie einen solchen Fall.» Wie genau es aber sein kann, dass für zwei lebende Kinder Todesanzeigen erstellt und publiziert werden, lässt die Firma offen.
Gemeldet hat den peinlichen Fehler offenbar der Vater der mutmasslich toten Jungs selbst. «Wir wurden durch den Vater der beiden Personen über das Kontaktformular kontaktiert. Nachdem wir die Einträge gelöscht haben, haben wir uns bei ihm in aller Form für den Fehler entschuldigt», so die Firma Famads.
Blick hatte den Vater der fälschlicherweise totgeschriebenen Brüder um eine Stellungnahme gebeten – doch er wollte sich nicht dazu äussern.
* Namen geändert