Darum gehts
- Polizei fand am Freitag in Strengelbach AG einen Toten mit Chemikalien
- Blausäure verursachte schwere Symptome bei Polizisten und einer Anwohnerin
- Mehrere Personen im Spital, Gefahr laut Polizei am Nachmittag gebannt
Plötzlich zeigten Polizei und Anwohner Symptome einer Vergiftung: Am frühen Freitagmorgen kam es zu einem ungewöhnlichen Fall in einer Wohnung am Meisenweg in Strengelbach AG. In einem Wohnhaus traf die Polizei kurz nach 8 Uhr auf einen toten Mann sowie auf eine Chemikalie – die sich später als Blausäure herausstellte.
Die hochgiftige Chemikalie verdampft rasch und wirkt als Gas. Blausäure – auch Cyanid genannt – stoppt die Zellatmung, weshalb man innert weniger Sekunden ersticken kann.
Laut Kathrin Wettstein, Sprecherin der Kantonspolizei Aargau, kamen mehrere Beamte mit der extrem giftigen Chemikalie in Kontakt. Weil sie später Symptome – wie etwa Schwindel, Übelkeit und Atembeschwerden – zeigten, wurden sie mit der Ambulanz ins Spital gebracht.
Wie die Polizei am Abend mitteilte, äusserten zwei Angehörige des Verstorbenen, zwei Mitarbeitende des Rettungsdienstes sowie drei Angehörige der Polizei Atembeschwerden, Übelkeit und weitere Vergiftungssymptome. Alle Betroffenen wurden zur Kontrolle ins Spital gebracht.
Im weiteren Verlauf zeigten auch drei Anwohnerinnen – zwei Frauen und ein Kind – entsprechende Symptome. Auch sie wurden zur medizinischen Kontrolle ins Spital gebracht. Durch die weiträumige Absperrung bestand laut der Kantonspolizei keine Gefahr für die weitere Bevölkerung.
Anwohnerin zeigte Symptome
Eine der beiden betroffenen Anwohnerinnen ist Snezana Stanimirovic (44). Am Nachmittag sagt die Mutter zu Blick: «Heute Morgen brachte ich kurz nach 8 Uhr meine Tochter zum Kindergarten. Als ich zurück nach Hause kam, sah ich, wie Leute nebenan die Polizei alarmierten.»
Sie sei zurück in ihre Wohnung gegangen. «Kurz darauf kamen zwei Personen bei mir vorbei und sagten, dass ich in der Wohnung bleiben solle, weil etwas Gefährliches passiert sei.»
Sie habe gewartet und kurz darauf Symptome gespürt. «Ich hatte Kopfschmerzen und einen Geruch in der Nase, so scharf wie Pfeffer!»
Stanimirovic wurde ins Spital gebracht. «Es ging alles sehr schnell. Ich machte mir grosse Sorgen.» Den ganzen Morgen verbrachte sie im Spital mit Untersuchungen. «Zum Glück konnte ich jetzt wieder zurück nach Strengelbach. Es geht mir aktuell wieder besser, aber leider darf ich noch mindestens zwei Stunden nicht in die Wohnung.»
«Nachbar war sehr nett»
Sie findet es schrecklich, was passiert ist. «Dieser Nachbar war sehr nett, grüsste mich immer – es ist traurig.»
Laut Polizei-Sprecherin Wettstein gehen die Ermittlungsbehörden von einem Suizid aus – aufgrund der Umstände vor Ort und der bisherigen Erkenntnisse. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet.
Die Gefahr schien bis am Nachmittag gebannt. Wettstein erklärt hierzu: «Im betroffenen Gebäude werden Messungen durchgeführt. Kontaminierte Gegenstände werden von der Chemiewehr und dem Kantonalen Katastrophen Einsatzelement (KKE) dekontaminiert.»