Mittelschichtfamilie aus Hunzenschwil AG redet über steigende Lebenskosten
«Auf die Bankkonten der Kinder zuzugreifen – das wäre das Schlimmste!»

Die vierköpfige Familie Scalzo-Melillo aus Hunzenschwil AG lebt am Limit. Nach Miete, Krankenkassen und Steuern bleibt ihnen kaum etwas übrig. Ihr Wunsch, wie sie Blick erzählen: mehr Unterstützung für Familien in der Schweiz.
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Delia Melillo und Antonio Scalzo daheim in Hunzenschwil im Gespräch mit Blick.
Foto: Ralph Donghi

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Aargauer Familie kämpft mit steigenden Lebenskosten und finanziellen Sorgen
  • Monatliche Fixkosten verschlingen fast gesamtes Einkommen
  • Nur 234 Franken monatlich übrig, Ferien und Luxus kaum möglich
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Ralph DonghiReporter News

Auf den ersten Blick ist bei dieser vierköpfigen Familie aus dem Aargau alles chic: Antonio Scalzo (32) arbeitet auf dem Bau. Seine Lebenspartnerin Delia Melillo (27) schaut auf die gemeinsamen Töchter Clea (2) und Leyla (3). Sie haben eine schöne Wohnung, ein Auto und sind gesund.

Doch jetzt steigen die Lebenskosten an – schon wieder! Allein die Krankenkassenprämien dürften demnächst erneut angehoben werden. Viele Familien geraten in die Bredouille. Auch Antonio Scalzo und Delia Melillo blicken mit Sorge in die Zukunft. Mama Melillo sagt zu Blick: «Wenn wir auf die Bankkonten der Kinder zugreifen müssten – das wäre das Schlimmste!»

Wegen Geld nicht geheiratet

Mit Blick spricht das Paar offen über seine Finanzen. «Früher, als ich noch bei meinen Eltern wohnte», erinnert sich Antonio Scalzo lächelnd, «da musste ich mir mit meinem damals kleineren Lohn von etwa 4000 Franken keine grossen Gedanken machen.» Aber heute sei alles anders, auch wenn er deutlich mehr verdiene.

Mit Delia sei er seit sieben Jahren zusammen. «Wir haben nur nicht geheiratet, weil es uns viel Geld kosten würde», sagt Scalzo und spielt damit auf die Ausgaben für ein Fest an. Er, ein baldiger Schweizer, und die Italienerin, eine gelernte Fachfrau Betreuung, sind vor rund fünf Jahren in ihre 3½-Zimmer-Wohnung nach Hunzenschwil AG gezogen.

Die grössten Ausgabenposten

Das Thema Finanzen beschäftigt die Familie enorm. Die grössten Ausgaben: die Wohnungsmiete (2070 plus 125 Fr. Nebenkosten, monatlich), die Krankenkassenprämien (1450 Fr./mtl.), die Steuern (666 Fr./mtl.) und die allgemeinen Ausgaben (2255 Fr./mtl.) für Verpflegung, Auto, Versicherungen, Arzt, Serafe, Handy und so weiter.

Bei einem Lohn von etwa 6800 Franken netto, den Scalzo angibt, bleiben der Familie am Ende des Monats gerade mal 234 Franken übrig. «Zoo-Besuche, McDonald’s, neues Kinderspielzeug oder teure Kleider liegen nicht drin», sagt Delia Melillo. Und: «Das Essen kaufen wir meist im Lidl.»

Geld vom Job würde gleich in Kita fliessen

Den einzigen «Luxus», den sie gehabt hätten, seien die letztjährigen und diesjährigen Sommerferien in Rimini (I) gewesen. Diese seien auch nur aus einem Grund möglich gewesen: «Weil wir bei Verwandten leben konnten», offenbart Delia Melillo.

Arbeiten geht die Mami nicht, weil es für das Paar aus finanzieller Sicht keinen Sinn macht: «Wenn wir unsere Kinder in die Kita geben würden, könnte ich dafür gleich meinen Lohn wieder abgeben», sagt Melillo. «Da schaue ich lieber selbst auf sie.»

Zudem würden auch die Steuern ansteigen, wenn sie wieder arbeiten gehen würde. Aber klar, sagt Melillo, wenn der Kindergarten aktuell sei, würde sie sicher wieder arbeiten wollen.

Familienfreundlichere Schweiz gewünscht

Das Paar möchte keineswegs jammern. Aber: «Die steigenden Kosten sind für Familien sehr schwierig», so Delia Melillo. «Es geht uns nicht superschlecht, aber es könnte besser sein.» Hinzu komme, dass der Lohn ungefähr gleich bleibe. Ihr Wunsch ist: «Dass die Schweiz familienfreundlicher wird, für eine bessere Zukunft.»

Sie erwähnt etwa Deutschland, wo die Mutter- und Vaterschaftsurlaube viel länger seien als in der Schweiz. Und Familien werden auch grosszügiger mit verschiedenen Leistungen finanziell unterstützt oder eben steuerlich entlastet. Delia Melillo fragt: «Warum zahlt der Staat mir keinen Lohn dafür, dass ich zwei Kinder grossziehe? Das ist der wichtigste Job!»

Sie hätten auch schon an eine günstigere Wohnung gedacht. «Aber eine zu finden, das ist auch nicht leicht», sagt Delia Melillo. Vom teuren Benzinpreis möchte sie gar nicht reden. «Das ist eine Schweinerei!» So auch die Krankenkassenprämien, sagt die zweifache Mami. «Wir haben einfach zu viele Menschen in der Schweiz, die unsere Sozialwerke plündern und jedes Mal gleich zum Arzt springen. Logisch, steigen die ganzen Kosten.»

Der Traum von Winterferien in den Bergen

Zu schaffen macht dem Paar auch, dass es wegen der finanziellen Sorgen oft angespannt sei. «Unsere Kinder merken das – und das tut mir so leid für sie», sagt Delia Melillo traurig. Sie wäre gerne länger in Italien in den Ferien geblieben. Dorthin auswandern möchten sie und ihr Partner jedoch nicht. «Denen geht es noch schlechter. Die Jungen ziehen dort alle weg.»

Zu den Politikern in Bundesbern sagt das Paar: «Ihnen geht es ja gut. Die machen sich keine Gedanken, wie es uns aus der Mittelschicht geht.» Sicher sei: «Das Geld auf dieser Welt ist definitiv schlecht verteilt.»

Wie das neue Monatsbudget der Familie ausschaut, wird sich bald zeigen. Fakt ist: Schon jetzt müssen sie viele Träume zurückstellen – so etwa den von Winterferien in den Bergen. Delia Melillo und Antonio Scalzo geben zu: «Wissen Sie, wir wären diesen Winter gerne mit unseren Kindern in die Berge gereist. Aber wir können es uns leider nicht leisten.»

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