Mitarbeiter klaute Millionen – nur wegen eines enttäuschten Ex-Mannes flog er auf
Liebes-Drama um den XXL-SBB-Betrug

Ex-SBB-Kadermann Ueli T. steht aktuell vor Gericht. Hier zeigt sich: Der SBB-Betrug ist eine eskalierte Liebesgeschichte. Ein enttäuschter Ex sprengte das ganze Konstrukt. Doch das reichte dem Whistleblower nicht: Seiner Rache gab er eine ganz spezielle Plattform.
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Foto: Qendresa Llugiqi

Darum gehts

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Qendresa LlugiqiReporterin News

Ein Liebesdrama – fast wie aus der Feder von Shakespeare: So könnte der SBB-Betrug rund um Ueli T.* (54) ebenfalls beschrieben werden. 17 Jahre lang waren die Schweizerischen Bundesbahnen blind. Sie ahnten nicht, dass einer ihrer eifrigsten Mitarbeiter sie ebenso eifrig ausnahm. Der Schaden: Rund 9 Millionen, wovon jedoch aufgrund der Verjährungsfrist von 15 Jahren nur rund 5 Millionen eingefordert werden können.

Doch dann – im Sommer 2024 – eilte ein Ritter in Form eines Whistleblowers herbei: Der ehemals beste Freund von Ueli T. – Andreas C.** – gab den SBB über die Compliance-Stelle einen Wink. Dieser war jedoch nicht ganz selbstlos – sondern mitunter die Aktion eines Gehörnten.

Wer ist schuldig?

Am Dienstag startete der Prozess gegen den ehemaligen SBB-Manager Ueli T., seine Schwester und drei weitere Mitbeschuldigte am Bundesstrafgericht in Bellinzona TI. Ueli T. selbst erschien vermummt und eingepackt in Kappe, Sonnenbrille und Schal vor dem Gericht.

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Ueli T. posierte als Trump verkleidet – und mit grossen Waffen.
Foto: zVg

Das Interesse am Prozess war gross, verschiedene Medienvertreter waren vor Ort. Die Journalisten nahmen in einem Nebenraum Platz, von wo aus sie die Verhandlung verfolgen konnten. Nach einer ersten emotionalen Runde mit Tränen und Reue nahm die achtstündige Verhandlung ihren Lauf.

Frauen und die Liebe spielen im Leben von Ueli T. eine ganz besondere Rolle. Wer seinen Aussagen vor dem Bundesstrafgericht folgt, erkennt: Ueli T. macht seine Ex-Frauen für sein Verderben mitverantwortlich. So gab er vor Gericht an, dass ihn seine erste Ex-Frau mit ihren Schulden in den finanziellen Ruin getrieben habe. «Sie hat viele Schulden in die Ehe gebracht.» Er habe diese für sie bezahlt. «Es hat mein ganzes Vermögen aufgebraucht.»

Jetzt will er ein geregeltes Leben

Irgendwann sei eine Betreibung ins Haus geflattert – und Ueli T. sah keinen anderen Ausweg und habe eine «dumme Lösung» gewählt. Doch auch nach der Trennung ging die Masche an den SBB weiter. So heisst es, dass auch die zweite Partnerin – die heutige Noch-Ehefrau – einen luxuriöseren Lebensstil geführt habe. Die Familie sei an einen hohen Lebensstandard gewohnt gewesen.

Ueli T.s Nackenbruch war wohl die Beziehung zu seiner aktuellen Partnerin: Er hinterging seine Noch-Ehefrau und seinen besten Freund Andreas C., indem er sich mit dessen damaliger Ehefrau einliess. Diese war damals noch die beste Freundin der Noch-Ehefrau von Ueli T.

Zu bereuen scheint Ueli T. diese Beziehung nicht. Vor Gericht schaut er gar in eine gemeinsame Zukunft: «Ich möchte ein geregeltes Leben mit meiner Lebenspartnerin, ihrem Kind und meinen Kindern führen können.»

Reuig und geständig zeigte sich Ueli T. alleine, als es um die Vorwürfe rund um den Millionenbetrug an den SBB ging. Er sagte: «Ich habe grosse Fehler gemacht.» Und: «Wenn ich könnte, würde ich alles rückgängig machen. Leider kann ich das nicht.»

Zerbrochene Liebe deckte Fall auf

Dass die SBB jedoch überhaupt davon erfahren haben, ist dem gehörnten Andreas C. zu verdanken. Er verpetzte Ueli T. bei den SBB per Compliance-Meldung – aber erst, nachdem die Freundschaft zerbrochen war.

Andreas C. nannte für den Bruch mit Ueli T. «mehrere Vorkommnisse» als Grund. Wie Blick weiss, ging es neben dem Liebesbetrug auch um viel Geld. So gab es zwischen den beiden einen Streit über ein Darlehen in Höhe von 100'000 Franken. Dieses hat Andreas C. von Ueli T. erhalten.

Ueli T. erklärte an der Verhandlung: «Als es um die Rückzahlung ging, hat sich Andreas C. jedoch geweigert.» Im Jahr 2024 kam es zu einer Schlichtungsverhandlung. Wie die Bundesanwaltschaft am Dienstag vor Gericht erklärte, nahm Andreas C. anschliessend die Compliance-Meldung vor. Dies am 19. August 2024.

Andreas C. erklärte gemäss Bundesanwaltschaft in der Meldung an die SBB: «Der Lebensstil, der Luxus und insbesondere die Barkäufe von Immobilien und Sportwagen von Ueli T. sind sehr extrem.»

Rund einen Monat später – am 27. September 2024 – reichten die SBB nach internen Abklärungen bei der Bundesanwaltschaft eine Strafanzeige gegen Ueli T. ein.

Brisant: Die Vermutungen von Andreas C. über seinen besten Freund seien wohl auch immer mit seiner damaligen Ehefrau – der aktuellen Lebenspartnerin von Ueli T. – Thema gewesen.

Doch für Andreas C. war es mit der Compliance-Meldung nicht getan. Er wollte Rache – und gemäss eigener Aussage gegenüber Blick vor allem «andere vor Ueli T. warnen». Deshalb erstellte er eine Webseite und eine Facebook-Seite über seinen ehemals besten Freund. Darin postet er Medienberichte oder erzählte den Fall von Ueli T. in sieben Kapiteln nach. Auch Fotos, die das Luxusleben von Ueli T. festhalten, sind darauf zu finden.

Jedenfalls forderte die Bundesanwaltschaft am Dienstag unter anderem 77 Monate Freiheitsstrafe unbedingt für Ueli T. Sein Anwalt wiederum plädiert auf eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 32 Monaten. Ab 8.15 Uhr gehts am Mittwoch weiter.

* Name geändert

** Name bekannt

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