Gastronom Carlos Ferreira (48): «Kann nur den Kopf schütteln»
Wirte motzen über das Badener Wunderdorf

Dicke Luft in Baden AG: Kaum hat dort das 56-tägige Wunderdorf eröffnet, gehen die lokalen Gastronomen auf die Barrikaden. Der Grund: Gleich 21 Food-Stände machen den Wirten im wichtigsten Quartal des Jahres das Geschäft streitig. Die Weihnachtsmarkt-Betreiber verteidigen sich.
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Während 56 Tagen lockt das «Wunderdorf» Besucher nach Baden AG.
Foto: Wunderdorf.ch

Darum gehts

  • In Baden AG wettern lokale Beizer gegen das Gastro-Angebot des «Wunderdorfs»
  • Dieses Jahr sind am 56-tägigen Weihnachtsmarkt insgesamt 21 Food-Stände präsent
  • Der Veranstalter betont, dass der Open-Air-Anlass keine Konkurrenz zur Gaststube sei
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Bernadette HoggRedaktorin Wirtschaft

Eigentlich sollte der Badener Theaterplatz in der Vorweihnachtszeit Besinnlichkeit und Geselligkeit verströmen. Dort findet Ende Oktober bis zum 21. Dezember das Wunderdorf statt. Der Weihnachtsmarkt sorgt aber unter den angestammten Gastronomen der Aargauer Stadt für Empörung, wie zuerst das «Badener Tagblatt» berichtet hat.

Den Stein ins Rollen gebracht hat Carlos Ferreira (48), Wirt der Restaurants Mira und Colombo. «Weihnachtsmarkt oder Food-Festival? Baden, wir müssen reden!», wetterte er auf Facebook.

Angst um das Weihnachtsgeschäft

Gegenüber Blick führt Ferreira aus, was ihn so richtig nervt: «Wer im Wunderdorf einen Glühwein trinkt und etwas isst, entscheidet sich danach womöglich gegen einen Restaurantbesuch. Und selbst wenn: Er konsumiert deutlich weniger. Das ist die logische Folge eines solchen Überangebots.»

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Unter seinem Facebook-Beitrag erhält der Wirt Zuspruch von Kollegen. Manuela Forte vom Ristorante Il Brunello schreibt dort: «Als langjährige Gastronomin in Baden teile ich deine Meinung voll und ganz.» Gian Riederer von der Bodega Baden schlägt vor, dass die 21 Stände künftig vorrangig an Badener Beizer zu vergeben seien. Die Wochen vor den Festtagen sind für Restaurants eine wichtige Zeit. Dann erwirtschaften sie mit Weihnachtsfeiern von Firmen, Vereinen und Familien deutlich mehr Umsatz als sonst. Darum stösst den Gastronomen der 56-tägige Event im Zentrum von Baden sauer auf.

Veranstalter schiessen zurück

Beim Veranstalter des Wunderdorfs stösst die Kritik der Wirte auf Unverständnis. Gesamtprojektleiter Herbert Märki (71) sagt gegenüber Blick: «Die wenigen Wirte, die sich jedes Jahr beschweren, sind in keiner Weise betroffen». Das Wunderdorf sei ein reiner Open-Air-Anlass bei Wind und Wetter. Das stehe in keiner Konkurrenz zur warmen Gaststube.

Eine kürzere Dauer schliesst Märki aus. Nur vier Wochen würden sich finanziell schlicht nicht lohnen. Er rechnet vor: Sechs Personen arbeiten das ganze Jahr für den Event, Steuergelder fliessen keine. Sieben der 21 Stände stammen zudem aus der Region. Märki dreht den Spiess um: «Wir haben einige Gastronomen auch schon gebeten, etwas auf die Beine zu stellen – leider ohne Erfolg.»

Stadtverwaltung lässt Beizer abblitzen

Auch bei der Stadt beissen die Gastronomen auf Granit. Stadtammann Markus Schneider (61) sieht keinen Grund zum Eingreifen: «Der wirtschaftliche Erfolg gibt den Veranstaltenden recht», sagt er zu Blick. Niemand habe je ein alternatives Konzept vorgelegt.

Das lässt Ferreira gegenüber Blick nicht gelten: «Weshalb sollten die Badener Gastronomen ein eigenes Konzept ausarbeiten, wenn die Stadt dem Wunderdorf bereits eine Bewilligung bis 2029/2030 erteilt hat?»

Wirt fordert mehr Einsatz der Stadtpolitik

Einen runden Tisch lehnt die Stadt vorerst ab. Die Behörden vertrösten die Betroffenen auf ein späteres Routinetreffen mit der Stadtpolizei. Wegen eines Umzugs findet dieses Treffen aber erst Anfang 2027 statt.

Für Ferreira ist das ein Hohn: «Wann war jemals ein Mitglied des Stadtrats an diesem Treffen dabei? Genau hier liegt das Problem. Die Politik muss Verantwortung übernehmen.» Auf Facebook legt er nach: Dass die Stadt die Sorgen des Gewerbes kleinrede, sei «äusserst bedauerlich». Und: «Da kann ich nur den Kopf schütteln.»

Verband steht Beizern zur Seite

Rückendeckung erhalten die Wirte von Branchenverband Gastro Aargau. Präsident Bruno Lustenberger stellt gegenüber Blick klar: «Sollten die Badener Wirte auf uns zukommen, sprechen wir bei der Stadt vor und teilen den Unmut mit.»

Dass der Event den Lokalen unweit des Platzes nützt, bezweifelt Lustenberger: «Durch das grosse Zusatzangebot schaut für die ansässigen Wirte kaum ein Zusatzumsatz heraus.» Die Gastronomen zahlen das ganze Jahr über Steuern in Baden. Wenn Wirte sich Sorgen machen, müsse die Politik hinhören.

Ferreira zieht vorerst einen Schlussstrich unter die Debatte. Ob sich die Wogen im Badener Gastro-Zoff damit geglättet haben, ist alles andere als gesagt.

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