Darum gehts
- Ex-SVP-Politiker Patrick F. (57) seit 2023 in U-Haft in Baden
- Vorwürfe: Betäubung, Missbrauch, versuchter Mord – droht lebenslange Haftstrafe
- 2021 Grossrat geworden, Prozessdatum unklar, Unschuldsvermutung gilt
Der ehemalige Aargauer SVP-Politiker Patrick F.* (57) trat im September 2023 unmittelbar nach seiner Verhaftung und dem Bekanntwerden der Strafuntersuchung aus dem Grossen Rat zurück.
In einer Wahlbroschüre für die Grossratswahlen 2016 hatte sich der damals noch verheiratete Vater zweier Kinder als bürgernaher Familienvater, Fintech-Projektleiter und Sportschütze präsentiert. Der Einzug ins Parlament blieb ihm damals jedoch verwehrt.
Erst im August 2021 schaffte F. den Sprung in den Grossen Rat – als Nachrücker für eine zurückgetretene SVP-Grossrätin.
Kinder im Fokus
Als Politiker stand F. für mehr Eigenverantwortung, weniger staatliche Bevormundung sowie eine starke Polizei und Armee. In seinen Wahlunterlagen hatte er versprochen, sich für eine «freiheitliche, sichere und soziale Schweiz» einzusetzen, in der «unsere Kinder» geschützt aufwachsen könnten.
«Mit Optimismus und Freude kann man in unserer Schweiz alles erreichen», so der wertkonservative Politiker – der im «Wahlaufruf» der SVP für die Grossrats- und Regierungsratswahlen 2016 gelobte, eine «stolze Schweiz für die Natur, die Welt und unsere Kinder» mitzugestalten.
F.: «Ich werde mich dafür einsetzen, dass auch unsere Kinder in einer freien, unabhängigen Schweiz aufwachsen können und ihren Lebenstraum verwirklichen können.»
U-Haft seit 2023
Den Aussagen von damals stehen heute massive Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegenüber. F. wird vorgeworfen, über längere Zeit seine Partnerin und Haushälterin und deren minderjährige Tochter mit K.-o.-Tropfen betäubt und sexuell missbraucht zu haben. Die Taten soll er gefilmt haben. Die Anklage lautet unter anderem auf versuchten Mord, Vergewaltigung und sexuelle Handlungen mit Minderjährigen. F. droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.
Brisant: Im Grossen Rat hatte F. unter anderem einen Vorstoss für härtere Strafen gegen pädophile Straftäter unterstützt. Zudem sprach er sich wiederholt für die Ausschaffung krimineller Ausländer aus und warnte vor importierter Kriminalität.
Nun sitzt er selber in Untersuchungshaft – seit fast drei Jahren. Auf seinem Linkedin-Profil finden sich weiterhin Angaben zu seiner beruflichen Laufbahn. Demnach arbeitete F. als Senior Programm Manager für Swisscom und leitete IT-Transformationsprojekte wie Cloud-Migrationen und die Einführung neuer Unternehmenssoftware.
Prozessbeginn unklar
Ein Termin für einen allfälligen Prozess vor dem Bezirksgericht Baden steht noch aus. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt für den 57-Jährigen die Unschuldsvermutung.
* Name bekannt