Darum gehts
- Zürichsee seit Juni mit Wassertemperaturen über 25 Grad, Quallen möglich
- Süsswasserquallen stammen ursprünglich aus China, seit 100 Jahren in Europa
- Keine Gefahr durch Quallen: Nesselgift für Menschen ungefährlich, auch für Kinder
Die Schweiz schwitzt sich durch den Sommer. Und die Abkühlung im See ist langsam keine mehr. Seit Ende Juni liegen die Tagesmittelwerte im Zürichsee meist über 25 Grad, wie die Stadt Zürich auf Anfrage von Blick bestätigt. Ähnliche Werte herrschen auch in vielen anderen Schweizer Seen.
Genau bei dieser 25-Grad-Marke werden Süsswasserquallen aktiv. 2023 hatten die durchsichtigen Winzlinge bereits für Schlagzeilen gesorgt, Badegäste filmten die kleinen Schwimmer im Zürichsee. Die Stadt Zürich gibt vorerst Entwarnung. Isabelle Rüegg, Sprecherin der Baudirektion des Kantons Zürich, sagt gegenüber Blick: «Nein, in diesem Jahr sind noch keine Beobachtungen bekannt geworden.»
Gleichzeitig stellt Rüegg klar: «Bei anhaltend hohen Temperaturen ist besonders in geschützten Bereichen, wie Buchten oder Hafenanlagen mit einem Auftreten zu rechnen.»
Auch der Bodensee wird warm
Ruhig ist es bislang auch am Bodensee, zumindest was Sichtungen angeht. Die Wassertemperatur spricht allerdings eine andere Sprache. Die Daten belegen, «dass die 25 Grad in vielen Uferbereichen bereits erreicht oder überschritten sind», teilt das Institut für Seenforschung (ISF) gegenüber Blick mit.
Seit der letzten bestätigten Quallen-Sichtung 2018 seien beim ISF keine weiteren Meldungen eingegangen. Ganz ausschliessen lässt sich aber nichts, wie das Institut selbst einräumt. «Die Wassertemperaturen liegen in Bereichen, die die Bildung von Medusen ermöglicht. Das ISF ist auch nicht immer die erste Anlaufstelle für entsprechende Meldungen.»
Woher kommen die Tiere überhaupt?
Ursprünglich stammt die Süsswasserqualle aus China. Vor über hundert Jahren wurde sie mit Lieferungen von Wasserpflanzen in botanische Gärten nach Europa eingeschleppt. Wie sie sich seither weiterverbreitet hat, ist nicht restlos geklärt. Die Stadt geht davon aus, dass sich Polypen der Quallen in Schweizer Gewässern bereits sehr weit verbreitet haben – unsichtbar am Seegrund, bis die Bedingungen stimmen.
Auch für den Bodensee liefert das ISF eine Erklärung. Süsswasserquallen reisen vermutlich blind mit: «Infrage kommen Verschleppungen mit Booten – zum Beispiel am Schiffsrumpf, in Kühlwasserleitungen, im Bilgenwasser – mit Wassersportausrüstung oder Angelausrüstung.» Sogar Vögel könnten die Winzlinge verbreiten.
Süsswasserquallen sind ungefährlich
Und die Bedingungen entscheiden über ihr Ende: Sobald das Wasser abkühlt, sterben die sichtbaren Medusen ab, nachdem sie zuvor befruchtete Eier ins Wasser abgegeben haben. Aus diesen Eiern entwickeln sich neue Polypen, die sich festsetzen und auf den nächsten heissen Sommer warten.
Für Eltern besteht indes kein Grund zur Sorge. Gefährlich sind die Tiere nicht. Das Nesselgift der Süsswasserqualle ist für Menschen ungefährlich, auch für Kinder mit empfindlicher Haut besteht keine Gefahr. Wer also demnächst eine kleine, durchsichtige Qualle im Zürich- oder Bodensee an sich vorbeischwimmen sieht, kann sorgenlos weiterplanschen.