Darum gehts
- Ein Aargauer zerstörte über 40 Blitzkästen bei Zürich 2023/24
- Sachschaden im sechsstelligen Bereich, zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung
- 2000 Franken Busse, vorbestraft, Therapie statt Haft verordnet
Da hatte jemand wohl gar keine Lust auf Geschwindigkeitsbussen. Das Bezirksgericht Zürich verurteilte am Mittwoch einen 52-jährigen Mann aus dem Kanton Aargau wegen mehrfacher Sachbeschädigung. Ihm wurde vorgeworfen, über 40 Blitzkästen im Raum Zürich zerstört zu haben. Die Vorfälle fanden laut «20 Minuten» im Herbst 2023 und im darauffolgenden Jahr statt.
Mit einem Sprühkleber besprühte der Verurteilte jeweils das Kamerafenster der Anlage und verliess anschliessend den Tatort. «Der Beschuldigte tat dies, um die Verkehrsüberwachungsanlage unbrauchbar zu machen», heisst es in der Anklageschrift.
Sachschaden im sechsstelligen Bereich
Ausserdem machte der 52-Jährige in fünf Fällen Parkuhren kaputt. Dabei schlug er beispielsweise gegen das Display der Uhr, wodurch das Scheibenglas zerbrach. In einem weiteren Fall stellte er ein Absperrgitter vor die Schranken einer Parkanlage. Der insgesamt entstandene Sachschaden befindet sich laut der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl im sechsstelligen Bereich.
Das Bezirksgericht Zürich verurteilte den Blitzkasten-Zerstörer zu zwei Jahren Freiheitsstrafe. Diese wird allerdings laut Medienberichten zugunsten einer Therapie aufgeschoben. Eine Busse von 2000 Franken muss er neben den Gerichtskosten bezahlen. Der Mann war vor dem Verfahren bereits vorbestraft.
Der «Fleximan» – das Vorbild der Aargauer Vandalen?
Vielleicht hat sich der verurteilte Aargauer von diesem Mann aus Norditalien inspirieren lassen. Ab Frühling 2023 jagte die Polizei in den Regionen Venetien, Lombardei und Piemont den sogenannten «Fleximan». Über Monate hinweg zerstörte der unbekannte Saboteur Blitzkästen.
Dabei ging er bei Nacht und Nebel mit wenigen Werkzeugen vor, mit denen er jeweils den Blitzermast an der Basis absägte und dann umstiess. Im Internet wurde der «Fleximan» für seine Taten gefeiert, wie die «Presse» berichtete.
Erst im Mai 2024 konnte der mutmassliche Täter geschnappt werden. Wie sich herausstellte, war der «Fleximan» in Wahrheit ein 42-jähriger Metallarbeiter. Das schrieb damals die «Kronen Zeitung».
Blitzkästen als Ziel der «Gelbwesten»
In Frankreich fielen vor fast 10 Jahren tonnenweise Blitzkästen einer berühmten Demonstrationswelle zum Opfer. Die Protestbewegung der «Gelbwesten» wehrte sich Ende 2018 unter anderem gegen die Erhöhung der Kraftstoffsteuern. Ihren Zorn richteten die Demonstranten damals jedoch auch gegen Geschwindigkeitskameras.
Wie die BBC berichtet, legten die «Gelbwesten» rund 69 Prozent aller Blitzkästen Frankreichs lahm. Über 1500 Anlagen im ganzen Land wurden beschädigt oder zerstört.
Supersicherer Blitzkasten in England
Auch in Longdowns, einem kleinen Dorf in der britischen Region Cornwall, kam es im Jahr 2023 zu einer Reihe von Angriffen auf Blitzkästen. Drei Männer, einer in den Sechzigern und zwei in den Dreissigern, wurden diesbezüglich festgenommen, berichtete die «Sun».
Die lokale Politik reagierte auf den Vandalismus mit neuen, besser geschützten Geschwindigkeitskameras. Der Sockel dieser neuen Modelle ist in einem massiven Stahlgehäuse eingepackt, und direkt über dem Gehäuse befinden sich Anti-Kletter-Stacheln, sodass Vandalen sie weder von oben noch von unten angreifen können. Das Design der neuen Kameras erinnert dabei eher an Strassenlaternen als an klassische Blitzkästen.