Darum gehts
- Erwachsene in der Schweiz erkranken mehrmals pro Saison
- Man ist oft vor Symptomen bereits ein bis zwei Tage infektiös
- Ständiges gegenseitiges Anstecken ist ein Mythos
«Geh bloss weg, ich will nicht auch noch krank werden», oder «Bleib zu Hause, bevor du hier noch alle ansteckst» – diese Sätze haben wir wohl alle schon gehört. Niemand hat Freude daran, wenn man krank wird, und wenn die Bürokollegin oder der Sitznachbar im Tram hustet, wirds ungemütlich.
Aussagen wie «Ich bin nicht mehr ansteckend» helfen in dieser Situation wenig. Aber ab wann ist man tatsächlich nicht mehr ansteckend?
Die Dauer eines Ansteckungsrisikos lässt sich nicht auf eine bestimmte Zeit festlegen. «Hier gilt ein wenig Handgelenk mal Pi. Bei den meisten Infekten der Atemwege ist man bereits ein bis zwei Tage, bevor überhaupt Symptome auftreten, infektiös», sagt Walter Zingg, leitender Arzt an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich, zu Blick.
Ping-Pong-Effekt ist ein Mythos
Die Symptome, die Kranke haben, also Schnupfen und/oder Husten, signalisieren «häufig die Reaktion des Immunsystems». Damit geht der Körper gegen die Infektion vor. Und sie sind auch ein Zeichen für eine mögliche Ansteckung. Entscheidend ist zwar der Erreger. «Grundsätzlich gilt jedoch, solange Symptome vorhanden sind, ist man ansteckend.» Es könne aber auch sein, dass man trotz langer Hustenperiode nicht mehr ansteckend ist, fügt er an.
Dass man sich innerhalb einer Familie oder WG immer wieder ansteckt und niemand wirklich gesund wird, also ein Ping-Pong-Effekt, sei ein Mythos. Der Infektiologe zu Blick: «Schleppt jemand ein Virus ein, entwickelt sich eine Dynamik. Die einen werden krank, die anderen nicht. Es entwickelt sich dann eine kurzfristige Immunität des Haushalts.»
Unterschied zwischen Tröpfchen- und Schmierinfektion
Das Immunsystem von erwachsenen Personen ist auch der Grund, weshalb wir uns bei Kindern, die öfter als Erwachsene krank sind, nicht immer sofort anstecken. «Dass wir Viren regelmässig ausgesetzt sind, ist ein Vorteil. So entsteht eine Art Balance zwischen Krankheitserregern und unserem Immunsystem, und wir stecken uns zum Beispiel bei Kindern nicht immer an.»
Wie wir krank werden, hängt von den Erregern ab. Zingg: «Wenn wir von einer Erkältung sprechen, meinen wir Rhinoviren, bei einer Grippe sind es Influenza-Viren.» Die Rhinoviren gelangen durch die oft erwähnte Tröpfcheninfektion in unser System.
Die Tröpfchen werden durch Husten und Niesen übertragen. Eine Schmierinfektion klingt ekliger und ist es irgendwie auch. Sie wird über Hautkontakt und den Kontakt mit Gegenständen, die eine erkrankte Person in den Fingern hatte, übertragen, indem sie dann auf Schleimhäute treffen.
Eine Maske zum Schutz für andere
Zur Prävention empfiehlt er eine «respiratorische Etikette», wie man es im medizinischen Bereich nennt. Das heisst, dass man durchaus arbeiten kann, wenn man sich gesund genug fühlt. Zum Schutz der anderen sollte man aber eine chirurgische Maske tragen. «Dasselbe gilt auch für das Reisen im ÖV.»
Um sich und andere bestmöglich grundsätzlich zu schützen, rät auch Walter Zingg zu bewährten Präventivmassnahmen. «Fleissiges Händewaschen, desinfizieren, und auch das Tragen einer Maske kann helfen.»