Darum gehts
- Monika T. (†79) tot in Schmitten GR aufgefunden
- Der mutmassliche Täter Patrick M. (36) versuchte, über Balkone zu fliehen
- Ermittlungen laufen: Opfer und Täter kannten sich laut Kriminalpolizei
Das Haus von Monika T.* (†79) in Falera GR steht verwaist da. Die Rollläden sind heruntergezogen, an Haustür und Garage hängen polizeiliche Siegel. Einzig ein paar Engel aus Ton und ein freundliches Willkommensschild deuten darauf hin, dass hier einmal ein Mensch gewohnt hat.
Monika T. wurde am Sonntagmittag im rund eine Autostunde entfernten Schmitten GR, weit abseits der Strasse, auf einem Feld gefunden. Sie sass auf dem Fahrersitz ihres Autos neben ein paar Siloballen – tot.
Mutmasslich für den Tod der Seniorin verantwortlich: der Deutsche Patrick M.* (36). Er wurde am Dienstagabend bei einem spektakulären Polizeieinsatz festgenommen – nachdem er versucht hatte, über die Balkone seines Wohnhauses abzuhauen.
Tiefe Trauer in Falera
In Falera GR sitzt der Schock tief. Das Bergdorf präsentiert sich zwar wie eh und je: ein paradiesischer Ort mit überwältigender Aussicht und omnipräsenter Natur. Fragt man aber die Einwohner, tritt eine tiefe Trauer in die Gesichter.
Ein Nachbar von Monika T., der an derselben Strasse wohnt, sagt zu Blick: «Sie war eine sehr nette Frau, und ich erinnere mich gerne an sie, wie sie mit ihrem kleinen Auto hin- und hergefahren ist.» Was passiert ist, nimmt ihn mit. «So etwas hätte ich nicht gedacht. Man kann es kaum fassen.»
Eine andere Nachbarin von Monika T. sagt mit zitternder Stimme zu Blick: «Sie war die Freundlichkeit in Person. Sie hat immer alles gegeben, um jemandem zu helfen. Bei Problemen von Menschen, die sie gern hatte, war sie immer die Erste, die ihre Hilfe angeboten hat.» Die Nachbarin hatte immer guten Kontakt zur Verstorbenen: «Sie stand mir und meiner Familie sehr nahe.»
Weiter erzählt die Nachbarin, dass Monika T. schwer krank war. Aber nicht einmal das habe ihrem frohen Gemüt etwas anhaben können. «Sie hat immer gelacht, obwohl es ihr teils miserabel ging.» Monika T. sei eine «junge alte Frau» gewesen und habe sich nicht wirklich ihrem Alter entsprechend verhalten. Das sei sehr erfrischend gewesen. Während die Nachbarin mit Blick spricht, überkommen sie immer wieder fast die Tränen. «Begreifen kann man so etwas nicht. Realisieren auch nicht. Es ist ein riesiger Schock für uns alle.»
Viele Fragen noch immer offen
Nebst dem Schock gibt es auch Tage nach dem Fund und der Festnahme des Täters unzählige offene Fragen. So etwa: In welcher Beziehung standen Opfer und Täter? Der Bündner Kriminalpolizei-Chef Aluis Candinas sagte dazu am Mittwoch lediglich: «Sie kannten sich.» Die Ermittlungen im Fall Schmitten dauern weiterhin an. Laut Candinas wird der mutmassliche Täter aktuell befragt.
In Falera hinterlässt Monika T. eine grosse Trauergemeinschaft und eine riesige Lücke, das wird beim Besuch in der Surselva deutlich. Auf der Todesanzeige, die Blick vorliegt, steht: «Es ist unfassbar und erschüttert uns zutiefst, dass unsere Monika aus dem Leben gerissen wurde.» Die Frohnatur, die Monika T. war, zeigt sich auch beim Trauerspruch der Anzeige: «Wenn ihr an mich denkt, seid nicht traurig, erzählt lieber von mir und traut euch ruhig, zu lachen.»
Die Nachbarin schliesst mit den Worten: «Ich könnte nie etwas Schlechtes über sie sagen. Eigentlich wäre es besser gewesen, ich hätte nie herausgefunden, was ihr passiert ist.»
* Name geändert