Solothurner Jugendbanden gehen aufeinander los
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Brutalo-Videos im Netz:Solothurner Jugendbanden gehen aufeinander los

Gewaltvideos auf Tiktok
Solothurner Jugendbanden prügeln sich an Bahnhöfen

Im Mittelland häufen sich Vorfälle mit Jugendgangs. Der Polizei sind Fälle bekannt. Wer steckt hinter der Gewalt?
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Ende Mai trafen in der Nähe des Bahnhofs Solothurn Jugendbanden aufeinander.
Foto: Screenshots via TikTok

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Jugendbanden prügeln sich in Solothurn, Polizei griff ein
  • Auf Tiktok organisiert: Treffen mit 60 Personen
  • Bezirk Solothurn: 258 Delikte pro 1000 Einwohner
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Anna Clara KohlerRedaktorin Politik

Junge Männer rennen einander hinterher, schreien, prügeln aufeinander ein. Einer von ihnen zückt ein Messer, ein anderer schlägt mit einer Krücke zu. Die Szenen stammen aus verwackelten Handyaufnahmen, die im Netz kursieren. Sie zeigen Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Jugendbanden, die sich in Solothurn auf offener Strasse prügeln.

«Seit diesem Frühling muss sich die Kantonspolizei Solothurn vermehrt mit Ansammlungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen beschäftigen, die sich hauptsächlich über soziale Medien organisieren», sagt ein Sprecher der Kantonspolizei Solothurn. Die Polizei beobachte kantonale und ausserkantonale Gruppierungen, die sich vor allem an grösseren Bahnhöfen und in deren unmittelbarer Umgebung treffen würden. Viele der Jugendlichen stammen laut Polizei aus Eritrea.

Jugendgewalt nimmt zu

Was passiert hier gerade? Blick ist in die Szene eingetaucht.

Solothurn ist nicht nur die «schönste Barockstadt der Schweiz», sondern auch der kriminellste Fleck des Landes. Der Bezirk verzeichnete letztes Jahr 258 Straftaten auf 1000 Einwohnerinnen und Einwohner. Das entspricht einer Straftat auf vier Solothurner. Im Vergleich: 2025 zählte der «kriminellste Kanton» der Schweiz, Basel-Stadt, 148 Delikte pro 1000 Einwohner.

Die Anzahl Jugendlicher, die wegen einer Gewaltstraftat verurteilt wurden, erreichte 2025 ihren Höchststand seit dem Inkrafttreten der Jugendstrafprozessordnung 2011. Jugendbanden scheinen dabei eine Rolle zu spielen, wie mehrere Vorfälle zeigen. In Wetzikon ZH filmte eine Gruppe, wie sie einen 14-Jährigen mit einer Waffe bedrohte und verprügelte. Auch in Solothurn kam es zu mindestens einem grösseren Vorfall.

Auf Tiktok zum Prügeln vereinbart

Am 28. Mai 2026 veröffentlichte ein anonymer Account auf Tiktok einen Beitrag. Er zeigt ein Bildschirmfoto der Stadt Solothurn auf Google Maps. Unter der Ortsbezeichnung steht in Klammern «Ayris». Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Arabischen und ist ein vulgärer Ausdruck für «Penis». Im Jugendsprachgebrauch bedeutet es so viel wie Trottel. Auf einem zweiten Bild steht «vs», der dritte Ausschnitt zeigt Kleinbasel. Darunter: «Fritig 20:00 Uhr wird Solothurn packt.»

Mehr als 60 Jugendliche

Der Post rief zum Kampf zwischen Jugendbanden. Die Kantonspolizei Solothurn bestätigt denn auch einen Einsatz an jenem Freitag: «Um 19.30 Uhr ging bei der Kantonspolizei Solothurn die Meldung ein, dass sich im Bereich des Hauptbahnhofs Solothurn rund 60 Jugendliche, darunter viele Personen eritreischer Herkunft, versammelt hätten.»

Die Lage sei zunächst ruhig gewesen. Doch im Verlauf des Abends seien weitere Jugendliche eingetroffen, und die Stimmung wurde angespannter. Schliesslich kam es zu Auseinandersetzungen. Die Kantonspolizei musste zusätzliche Patrouillen an den Bahnhof schicken. Nur mit Glück gab es keine Verletzten.

Gewaltvideos im Umlauf

Nach der Massenschlägerei veröffentlichen mehrere Accounts Tiktok-Videos, die das Aufeinandertreffen zeigen. Die Handyaufnahmen dokumentieren Szenen, die auf der Südseite des Solothurner Bahnhofs auf einem Platz zwischen einer Zustellstelle der Post und einem Club aufgenommen wurden. Man sieht eine grosse Gruppe von Jugendlichen, Einzelne sind vermummt.

Ein grosser, junger Mann in weissem T-Shirt und mit Sturmhaube schlägt mit der Faust auf einen anderen Jugendlichen mit grauem Kapuzenpulli und Umhängetasche ein. Dieser zückt ein Messer. Auch weitere Tiktok-Videos zeigen Schlägereien an Bahnhöfen in Solothurn und Grenchen.

Die Banden nennen sich nach ihrer Postleitzahl

Wie Recherchen von Blick zeigen, gibt es im Kanton Solothurn mindestens drei Jugendbanden aus verschiedenen Regionen. Sie benennen sich mit Zahlen. Die Bande aus Grenchen und Lengnau heisst 43, angelehnt an die Postleitzahl von Lengnau: 2543. Aus Solothurn West stammt die Gruppe 03, Postleitzahl: 4503. Die Jugendbande aus Olten nennt sich 46 nach der Postleitzahl 4600.

Recherche-Hinweise

Haben Sie Hinweise zu brisanten Geschichten? Schreiben Sie uns: recherche@ringier.ch

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Zwischen den Banden herrscht Rivalität. Auf Tiktok bedrohen sie sich gegenseitig: «43 uf Flasche», «Versteck dich du hs» oder «Wenn me so gross redet, wird me packt», heisst es dort.

Ein User, dessen Benutzernamen die Oltner Zahl «46» enthält, lud ein Bild hoch, auf dem ein Jugendlicher, wahrscheinlich der Besitzer des Profils, mit einer Schusswaffe in die Kamera zielt. Der Polizei sind solche Bilder bekannt: «Mitglieder dieser Gruppierungen, die teilweise bewusst den Konflikt mit anderen Gruppierungen suchen, präsentieren sich in den sozialen Medien teilweise mit Waffen und Messern.»

Anwohner gründen Selbstverteidigungsgruppen

In der Facebookgruppe «Du bisch vo Bettle, wenn…» schrieb ein Nutzer von seinen Erfahrungen mit einer «Gäng» aus der Region, wie «ajour» berichtete. Bettlach SO, im Volksmund «Bettle», liegt zwischen den Städten Solothurn und Grenchen. «Seit ca. drei Monaten ist eine Jugendgang aus Grenchen/Biel bei uns im Dorf tätig und das meistens gegen Abend», heisst es im Beitrag vom 9. Mai.

Der Nutzer beschreibt, wie diese Jugendlichen ins Dorf kommen, andere Teenager grundlos zusammenschlagen, mit Messern bedrohen und beklauen. Im Quartier hätten sich Nachbarn zum Schutz der Kinder zusammengetan. Auch in Grenchen gibt es eine Whatsapp-Gruppe gegen die Banden, wie das «Grenchner Tagblatt» berichtete.

Ein bekanntes Problem?

Die meisten Schulen aus der Region geben an, nichts von den Jugendbanden zu wissen. Eine Schulleitung sagt gegenüber Blick, dass es in der Umgebung eine «Jugendgruppierung» gäbe, äussert sich aber auf Anfrage nicht näher dazu.

In jüngster Vergangenheit sorgte auch die Bieler Gruppierung «2CZ» für Schlagzeilen. Ausgesprochen heisst sie «deux cinq zero», benannt nach den Postleitzahlen der Bieler Stadtteile, deren PLZ von 2500 bis 2505 reichen. Im April 2021 sollen Mitglieder nach La Chaux-de-Fonds gefahren sein und dort einen Kontrahenten der örtlichen Bande «47» entführt haben. In der Folge dieses Bandenkriegs landeten Mitglieder beider Seiten vor Gericht.

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