Darum gehts
Das Video auf Facebook läuft seit Monaten: Eine SRF-«Tagesschau»-Sprecherin berichtet über eine Demonstration. Dann ein Kameraschnitt: Bundesrätin Karin Keller-Sutter erklärt, die Regierung habe nun eine Plattform «geöffnet», damit jedermann 7000 Franken verdienen könne.
Doch alles ist gelogen. Betrüger haben die Bilder geklaut und daraus mit künstlicher Intelligenz Videos kreiert. Täuschend echt. Wer auf den Link klickt, landet auf einer falschen «Blick»-Website. Dort geht es weiter zu einer dubiosen Bitcoinbörse, die den Nutzern das Geld aus der Tasche zieht.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
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Facebook ignoriert Betrug
Wenn ein Opfer den Betrug bei Facebook meldet, wiegelt der Konzern ab: «Wir haben diese Seite geprüft und festgestellt, dass sie nicht gegen unsere Gemeinschaftsstandards verstösst», heisst es in der Standardantwort.
Kein Wunder, löscht Facebook solche Posts nicht. Der Konzern verdient jährlich zehn Prozent seines Umsatzes mit betrügerischen Anzeigen, zeigt eine Recherche der Nachrichtenagentur Reuters. Sie stützt sich auf firmeninterne Dokumente. Zehn Prozent – das sind bei Meta rund zwölf Milliarden Dollar.
Gemäss Reuters hat der Konzern sogar interne Richtlinien erlassen, um das eigene Anti-Betrugs-Team zurückzubinden. Sobald der Umsatz wegen dessen Tätigkeit um mehr als 0,15 Prozent sinkt, kommen sogenannte Revenue-Guardrails zum Einsatz. Diese verbieten es den Teams dann, weitere Massnahmen zu ergreifen.
Im Klartext heisst das: Die interne Betrugsbekämpfung darf nur so lange aktiv sein, bis ihre Massnahmen zu einer Umsatzreduktion von etwa 140 Millionen Dollar führen.
Höhere Werbegebühren
Doch Meta lässt nicht nur Betrügern auf der Plattform freie Hand, der Konzern kassiert noch extra dafür. Die Plattform verrechnet solchen betrügerischen Akteuren oft sogar noch höhere Werbegebühren. Damit werden solche Scam-Inserate für das Unternehmen besonders lukrativ.
Gleichzeitig spielt das Werbepersonalisierungssystem denjenigen Nutzerinnen und Nutzern noch mehr betrügerische Inhalte in die Timeline, die aus Neugier oder Unwissenheit auf einen solchen Post geklickt haben. Das System wertet solche Klicks als «Interesse» – Opfer werden in eine eigentliche Abwärtsspirale aus Scams hineingezogen.
Meta betonte gegenüber Reuters, die zitierten internen Schätzungen zum Umsatz durch betrügerische Anzeigen seien nur theoretische Hochrechnungen. Die geleakten Dokumente zeigten kein vollständiges Bild von dem, was der Konzern alles gegen Betrug unternehme. Meta investiere dafür erhebliche Mittel.
Zahnloses Gesetz
Und was tut der Bundesrat? Er schlägt ein 16-seitiges Gesetz vor mit dem sperrigen Namen «Bundesgesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen» (KomPG). Das Gesetz verlangt lediglich, dass Werbung als solche gekennzeichnet sein muss – was heute schon der Fall ist. Das Gesetz schreibt zwar ein Meldeverfahren für Nutzer vor, will die Konzerne aber nicht dazu verpflichten, als illegal identifizierte Inhalte zu entfernen. Wann es in die parlamentarische Beratung kommt, ist noch offen. Die Fakevideos auf Facebook laufen derweil weiter.