Darum gehts
- Eine Gondel stürzte am Mittwoch in Engelberg ab, Ursache unklar
- Windmesssensoren senden Echtzeitdaten an den Kommandoraum der Seilbahn
- Einige Seilbahnen warnen bereits bei Windgeschwindigkeiten ab 20 km/h
Die am Mittwoch in Engelberg abgestürzte Gondel beschäftigt die ganze Schweiz. Fragen mischen sich mit Unsicherheit. War es der Wind? Hat die Technik versagt? Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch informierte Norbert Patt, CEO Titlis Bergbahnen, über Vorgaben und Richtlinien.
Auch am Donnerstag gibt es noch viele Fragen. Experten geben Auskunft darüber, welche Warnsysteme es gibt und wie Windmessstationen funktionieren.
Werden Seilbahnen bei einem Alarm automatisch gestoppt?
«Nein», sagt Claudio Tscharner, Inhaber einer Firma für Seilbahnsteuerungen. «Das Ziel ist es, die Menschen sicher zu Boden zu kriegen», sagt Tscharner. Das brauche Fingerspitzengefühl, was bei einer Automatisierung wegfallen würde. «Hier muss man intuitiv reagieren, und Wind ist etwas Unberechenbares.» Stilllegen müsse man die Anlage zwar, aber halt manuell.
Wie wird die Windstärke überhaupt gemessen?
An besonders exponierten Stellen wie bei den Stützen sind Sensoren angebracht. Diese messen direkt vor Ort die aktuelle Windstärke sowie die Windrichtung. «Dieser Sensor sendet direkt in den Kommandoraum», sagt Tscharner. Die Verantwortlichen sehen immer, wie es um die Windverhältnisse steht.
Wann und wie wird Alarm ausgelöst?
«Bei einer Warnung weiss der Bediener, dass er noch achtsamer sein muss, weil noch mehr kommen könnte», so Tscharner. Der Alarm werde akustisch und visuell im Kommandoraum signalisiert. Bei einem Alarm muss der Betrieb der Anlage eingestellt werden, sagte auch Norbert Patt, CEO Titlis Bergbahnen am Mittwoch.
«Ab 40 km/h spricht man in der Regel von einer Windwarnung, bei höheren Geschwindigkeiten (je nach Anlage ca. 60 km/h und mehr) von einem Windalarm. Die genauen Werte sind anlagenspezifisch», sagt Fabian Appenzeller von Titlis Bergbahnen zu Blick.
Wie sicher sind Seilbahnen?
Seilbahnen seien nach wie vor das sicherste Verkehrsmittel überhaupt, ist Tscharner überzeugt. Die Unfallursache sei ja noch nicht geklärt. Und sollte wirklich der Wind für das Unglück verantwortlich sein, «dann war das höhere Gewalt. Da nützen auch neuste Technologien nichts», sagt er.
Hat es denn ausserordentlich stark gewindet?
In Bezug auf die Windstärke meint Roger Perret, Meteorologe bei Meteo News, dass diese für die Region nicht aussergewöhnlich hoch gewesen sei – auch wenn es in ausgesetzten Lagen aus Osten gestürmt habe. Aussergewöhnlich sei eher, dass der stürmische Wind von Osten gekommen sei. «Solch stürmischer Ostwind ist seltener, wir haben viel häufiger stürmischen Westwind», sagt er.
Die Frage, ob es typische lokale, winderverstänkende Effekte Effekte gibt, die gerade am Titlis eine Rolle spielen, könne er nicht beantworten, so Perret. Auch der Experte meint: «Es war ein wirklich überraschendes Ereignis.»
Gelten überall die gleichen Richtwerte?
«Die Richtwerte hängen stark davon ab, um was für ein Bahntyp es sich handelt», sagt Tscharner. Also, ob es eine Gondel- oder eine Pendelbahn oder ein Sessellift ist. Wann ein System warnt, hat auch gemäss dem Experten mit der Exposition der Seilbahn zu tun. Also, ob die Bahn offen über Tal oder Gletscher führt oder in einem geschützten Gebiet verläuft. Je offener und höher die Trasse, desto grösser die Exposition gegenüber dem Wind. «Einige Seilbahnen warnen darum bereits bei 20 km/h», so Tscharner.